Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 51 (20.12.1918)
- Date
- 1918-12-20
- Page
- Seite 630 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138427--02521-9075343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
630 Das Jüdisch« Echo Nr. 51 dern ihn in ihrem Geiste umformt, zeigt eine andere Formung. Hier ist das Material der Ornamentik dem Rokoko entnommen. Aber man hat sich von allem Leichtbeweglichen, Heiterschwungvollen, das sonst diesen Still auszeichnet, fern gehalten und hat dem Ornament durch strenge Symmetrie einen ernsteren Charakter gegeben, hat, ebenfalls ganz symmetrisch, mehrfach den Davidstern eingefügt und schließlich den Ausdruck der Feierlichkeit noch durch die ernsten Seitenfiguren — Moses und Aaron — erhöht. Wie bei den achtarmigen Leuchtern, so tritt auch bei den Wandmenoroth diesen Werken der Stilkunst ein Typus der Volkskunst gegenüber. Neben der slawischen wird auch die italienische Volkskunst verwendet. Bemerkenswert sind an einer dieser Arbeiten die symmetrisch gestellten, gewundenen Säulen, ebenfalls, wie jene gegenständigen Löwen, ein Motiv, das in der jüdischen Kunst, besonders auch an Grabsteinen, auffallend häufig auftritt. Fast könnte man auch hier an einen symbolischen Ursprung glauben und an die beiden Säulen des salomonischen Tempels, Jachin und Boas, erinnert werden. Zwischen ihnen steht dann der „Brunnen des Lebens“, wieder von sonderbaren Fabeltieren getragen und besetzt, und darüber zwei Engel mit den Gesetzestafeln und der Krone. Auch technisch ist diese Arbeit ganz volkstümlich: die einzelnen Darstellungen sind aus Blech geschnitten und bunt bemalt, der Hintergrund aus Spiegelglas gebildet. Schließlich zeigt noch eine andere Darstellung eine einfache volkstümliche Arbeit aus Zinn, charaktervoll in der Proportion und der ausgeschnittenen Randverzierung, wieder mit den beiden Löwen besetzt, als Hauptverzierung aber dient hier die Inschrift der hebräischen Segenssprüche. Das ist in kurzen Zügen der Weg der Menorah durch die Geschichte des jüdischen Volkes, ein Denkmal seines Sinnes für Tradition und künstlerischen Schmuck, für frohe Festlichkeit und ernste Religiosität. Wenn jemals, so hätten wir in diesen Tagen allen Anlaß, den Lichtträger wieder als Zeichen eines auferstehenden Judentums zu verwenden und so der Menorah in der Kultur des jüdischen Volkstums ein lebendiges Dasein zu bewahren. XV. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung, für Deutschland am 25., 26. und 27. Dezember 1918 im Kaisersaal des Rheingold. Berlin, Bellevuestraße. Tagesordnung: Mittwoch, den 25. Dezember, vormittags 9.30 Uhr präzise: Eröffnungsrede Dr. Hantke: „Die zionistische Entwicklung“. Wahl des Präsidiums. Aussprache. Nachmittags 3.30 Uhr: „Zionistische Arbeit itnl Deutschland“, Referent: Kurt Blume n f e 1 d. Aussprache. Donnerstag, den 26. Dezember, Vormittagssitzung 9.30 Uhr präzise: Fortsetzung der Aussprache. Nachmittagssitzung 3.30 Uhr: „Der Aufbau des jüdischen Palästinas“, Referent: Richard L i c h t h e i m. Aussprache. Freitag, den 27. Dezember, Vormittagssitzung: Fortsetzung der Aussprache. — Wahlen. * Das Zentralkomitee bittet, ihm Anträge für den Delegiertentag möglichst bald zuzustellen. Für Gäste werden Eintrittskarten zum Preise von 2 Mark ausgegeben. Dieselben berechtigen zur Teilnahme an allen Sitzungen. Bestellungen sind unter Einsendung des Betrages von 2 Mark zuzüglich 15 Pfg. Porto an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15, Sächsische Straße 8, zu richten. Wir bitten unsere auswärtigen Freunde, sich möglichst bald mit Gastkarten zu versorgen. Generalversammlung des Vereins „Bne~Jehuda“ zu München. Am 3. Dezember d. J. hielt der Verein „Bne- Jehuda“ zu München seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, zu der eine große Anzahl von Mitgliedern, darunter auch viele aus dem Felde zurückgekehrte, erschienen waren. Der Vorsitzende, Herr Paul Grünbaum, eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßungsansprache, in der er namentlich die zurückgekehrten alten Bne-Jehudaner herzlich willkommen hieß. Herr Grünbaum erstattete darauf einen Bericht über die Tätigkeit des Bne-Jehuda im verflossenen Jahre. Aus dem Bericht ging hervor, daß der Verein ungeachtet der Ungunst der Zeitumstände eine Reihe von Vorträgen und Vereinsabenden, darunter auch literarische und Festabende, über verschiedene Themata veranstalten konnte, und daß sich ferner in letzter Zeit im Rahmen des Vereins eine Poale Zion-Gruppe konstituiert habe. Nach Erstattung des Kassenberichtes erfolgte die Entlastung, worauf verschiedene Anträge in Bezug auf die Gestaltung der künftigen Vereinstätigkeit gestellt wurden. Infolge der vorgeschrittenen Stunde mußten die Neuwahlen auf den 10. Dezember verschoben werden. Aus den am 10. Dezember stattgehabten Neuwahlen gingen hervor: Als 1. Vorsitzender Herr Josef Löwy, als 2. Vorsitzender Herr Arnold K o h n, als Kassenwart Herr Hermann Monheit, als 1. Schriftführer Herr T e i t e 1, als 2. Schriftführerin Frl. Frieda S c h e r r und als Bibliothekar Herr Silberstein. Zu Beisitzenden wurden die Herren Grünbaum und Rose n b e r g gewählt. Für die Zukunftsarbeit des Vereins wurden Grundsätze aufgestellt, die dahin zielen, eine mehr nach innen gerichtete Kultur und Bildungstätigkeit zu entfalten. Es wurde die unverzügliche Inangriffnahme von hebräischen Sprachkursen unter der Leitung des Herrn Leo Rose n b e r g beschlossen, zu denen sich bereits 20 Teilnehmer gemeldet haben. In Aussicht wurde ferner gestellt eine Reihe von Vorträgen über die verschiedenen Fragen und Richtungen des jüdischen Lebens. Es wird auch die Veranstaltung eines jidischen Sprachkurses in Erwägung gezogen. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von P e r s o n a I n a o h r I o h t e n , die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.j Stuttgart. Am 30. November hat die Zionistische Ortsgruppe ihre Mitglieder und nahezu 400 Gäste zu einer Makkabäerfeier im großen Saal des Stadtgartens versammelt. Nach dem Anzünden der Lichter und dem Absingen des Moaus Zur ergriff Herr Jakob R e i c h - München das Wort, schil-