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Das jüdische Echo · 1918-12-20 · 51 (20.12.1918) · p. Seite 627

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 627 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 627 Forderung einer Intervention der Großmächte. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ hat bei den Gesandten der Großmächte in Kopenhagen Schritte unternommen, um die Regierungen zu einer Intervention in Sachen der Judenpogrome in Galizien und Polen zu veranlassen. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ hält die zionistischen Organisationen sowie die allgemeine Presse der einzelnen Länder fortgesetzt auf dem Laufenden über die Vorgänge in Galizien und Polen und tritt durch die Verbreitung des authentischen Materials über diese Vorgänge den Ableugungeti dfer polnischen Korrespondenzbureaus entgegen. * * * Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ hat am 23. November folgendes Telegramm an das Verbandsbureau der Poale-Zion in Stockholm gerichtet: Während bei allen Völkern der Welt Freude und Genugtuung darüber herrscht, daß dem furchtbaren Blutvergießen ein Ende gemacht ist. muß das jüdische Volk aufs neue Trauer anlegen. Furchtbare Schreckensbotschaften haben uns aus Polen und Galizien erreicht, wo die polnische Bevölkerung aller Schichten, unter Mithilfe der Intelligenz und der polnischen Legionäre, einen förmlichen Vernichtungskrieg gegen unsere Brüder ins Werk gesetzt hat. In Hunderten von Ortschaften haben Pogrome stattgefunden, bei denen jüdische Häuser verbrannt, jüdische Synagogen geschändet, jüdische Existenzen ruiniert und zahlreiche jüdische Menschenleben durch gemeinen Mord vernichtet wurden. Eine entsetzliche Panik hat Millionen unserer Brüder ergriffen, die so beispiellos Schweres schon in den Jahren des Krieges erlitten haben. Für diese allem menschlichen Empfinden hohnsprechenden Verbrechen klagen wir das polnische Volk vor dem Tribunal der Völker an, überzeugt, daß unsere Stimme von denen gehört wird, deren Machtwort allein imstande ist, den Judenmetzeleien ein Ende zu setzen. Wir verlangen eine Sofortige Intervention aller Kulturmächte, die den Schutz unserer Brüder sichern und die Schuldigen der Bestrafung zuführen muß. Das jüdische Volk muß verlangen, daß es einem Volk, das seine Selbständigkeit mit blutigen Verfolgungen' einleitet, nicht schutzlos ausgeliefert wird. Zionistische Organisation, Kopenhagener Bureau. Dr. Victor Jacobson. * * * Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ im Haag meldet unter dem 1. Dezember telegraphisch, dkß die eiinflußlreiche englische Zeitung „Manchester Guardian“ militärische Intervention in Polen fordert. Riesenprotestversammlung im Haag. Wie das „Jüdische Korrespondenzbureau“ aus dem Haag vom 9. Dezember meldet, fand dort im größten Saale eine Riesenversammlung statt, an der 3000 Personen teil nahmen und Hunderte keinen Einlaß fanden. Vorsitzender war Herr J. H. Kann, Redner Herr van R a a 11 e. Dieser sagte, daß die Proteste gegen die jüdischen Pogrome ungenügend seien. Die Forderung nach nationalen Rechten sei notwendig. Der frühere Minister und Abgeordnete Treu b erklärte, ein Protest sei nicht nur vom jüdischen Gesichtspunkt, sondern auch vom menschlichen Standpunkt aus notwendig. Die Handlungen der Polen seien gemein, niederträchtig und feige. Er trat der Behauptung des polnischen Bureaus entgegen, daß die Pogromberichte eine deutsche Mache seien. Die polnischen Dementis und Beschwichtigungsversuche seien lügnerisch. Die Polen seien unreif für die Freiheit. Ein freies Polen dürfte nur entstehen, wenn die jüdische Freiheit verbürgt ist. Ganz Holland schließe sich dem Protest an. Die Entente werde die polnische Gewalttat nicht dulden und die polnische Regierung stürzen, wenn diese mitschuldig sei, sonst habe, die Entente den Sieg nicht verdient. Die Verantwortlichkeit der Entente gegenüber der Weltgeschichte sei sehr groß, denn wenn die polnischen Greueltaten sich wiederholten, so würde der Beginn einer neuen Weltordnung besudelt werden. Die Pogrome bedrohten das jüdische Volk, aber noch mehr die allgemeine Gesittung. Wenn die Pogrome ungestraft blieben, dann würde es der Redner vorziehen, ein jüdisches Opfer der Pogrome zu sein als sich als Christ schämen zu müssen. Die Rede Treubs, der bei der Entente hoch angesehen ist, wurde stürmisch applaudiert. Dann führte Senator van Kol aus, daß die holländische Regierung intervenieren könne und müsse, Neutralität gegenüber den Pogromen wäre Mitschuld. Auf Grund der englischen Warnung und der Erklärung des polnischen Volksrats in Posen sei die Entsendung einer Kommission wünschenswert. Der Antisemitismus vergifte selbst die polnische Sozialdemokratie. Bei dem demnächst stattfindenden internationalen Sozia'listenkongreß in Genf oder Lausanne wird die erste Forderung des Redners der Ausschluß der polnischen Sozialdemokraten sein. Eine Resolution, die in der Versammlung angenommen wurde, fordert die Regierung auf, mit allen Mitteln in Zukunft Pogrome zu verhindern. Zahlreiche Christen waren in der Versammlung anwesend. Blutige Pogrome in Wladimir-Wohlinsk. Dem „Berliner Tagb'latt“ geht vom 12. Dezember folgende telegraphische Meldung aus Wien zu: Das Organ der radikalen polnischen Sozialisten berichtet, daß nach dem Blutbad in Lemberg noch ärgere Pogrome in Wladimir-Wohlinsk stattgefunden haben, die die Lemberger Greuel noch weit übertroffen hätten. In Wladimir-Wohlinsk wurden diie Häuser mit Petroleum übergossen und angezündet. An den Ausschreitungen nahmen Soldaten teil, die überzeugt waren, daß die Pogrome mit Zustimmung und auf Befehl des Kommandos stattgefunden haben. Diesmal fehlt die Ausrede, daß die Pogrome durch die von den Ukrainern aus den Gefängnissen entlassenen Banditen verübt worden seien. Polen. Bericht aus Warschau. Wie aus Zeitungen zu ersehen ist, war die polnische Freiheitsbewegung von furchtbaren Hetzen auf Juden begleitet. Die Zahlt der toten Juden in Warschau beträgt 9 und einige sind noch unbekannt. Die Zahl der Verwundeten ist sehr groß und viele haben Schläge bekommen, ohne daß jemand davon Notiz genommen hätte. Ferner wurden viele Juden unter dem Vorwand einer Revidierung oder Haussuchung ausgeplündert. Unter dem Vorwand, daß Juden den deutschen Soldaten verschiedene Gegenstände abgekauft haben, wurde das jüdische

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