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Das jüdische Echo · 1918-12-13 · 50 (13.12.1918) · p. Seite 615

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 615 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 615 der Ranzen zivilisierten Welt großen Schaden tun Um die Massakres zu kennzeichnen, kann nur das Wort „Abscheulichkeit angewendet werden namentlich mit Rücksicht darauf, daß sie von einer Rasse ausgehen, die die Hilfe der Alliierten erwartet. Die Staatsmänner der Alliierten müssen für die Bestrafung d'er Schuldigen sorgen und die Judenfrage losen. Der Leitartikel drückt den Verfolgten alle Sympathie aus und nennt die Juden Galiziens und der betreffenden Teile Polens die unglücklichsten und ärmsten Glieder der jüdischen Welt. Es wird darauf hingewiesen, daß sie 16 Prozent der Bevölkerung darstellen. Die Verwirklichung des zionistischen Gedankens wird die Lage nur teilweise erleichtern. Die wichtigste zionistische Aufgabe sei es, den jüdischen Massen neue Hoffnungen einzuflößen und sie zu lehren, in aller Offenheit, nicht im geheimen, vollen Rassenstolz zu zeigen, zur religiösen Entwicklung und Zivilisation beizutragen und! mit voller Energie den jüdischen Führern entgegenzutreten und zu widerstehen, deren Tendenz den jüdischen Namen diskreditiert. Um dieses Ideal zu verwirklichen, müsse den Juden Gerechtigkeit gegeben werden, die auf ihren Bedürfnissen basiert. Eine schlechte Behandlung der jüdischen Frage stellt überall eine Gefahr für die Orduung und für eine gute Regierung dar. Die alliierten Staatsmänner müßten ehrenhafte Anstrengungen machen, um die jüdische Frage zu lösen. Neben der Durchführung des Zionismus muß den Juden überall Gleichberechtigung garantiert werden. — Der Leitartikel der „Times“ ruft große Aufmerksamkeit hervor. Der Zionistenführer Weizmann gegen die Pogrome und über die Verwirklichung des Zionismus. Auf einem anläßlich des Makkabäerfestes veranstalteten Empfangsfest der Zionisten von Eastend hielt Prof. Weizmann, der kürzlich aus Palästina nach England zurückgekehrt ist. eine außerordentlich eindrucksvolle Rede. Wie das Jüdische Pressebureau in Stockholm telegraphiert, teilte Weizmann mit, daß große britische Staatsmänner, die er eben besucht habe, versprochen haben, alle Schritte zu unternehmen, um für die Einstellung der Pogrome zu sorgen. Weizmann fügte hinzu, daß die Polen einen großen Irrtum begehen, wenn sie systematisch politische Pogrome organisieren, um dem Friedenskongreß die Juden im Gegensatz zu Polen zu zeigen. Diese Methode wird die umgekehrte Wirkung haben als sie vielleicht erwarten. Die jüdische Frage wird nicht nach dem polnischen Rezept gelöst werden. Es wird kein Weltfriede ohne die Lösung der Judenfrage und die wirksamste Sicherung der nationalen Rechte des jüdischen Volkes Zustandekommen. Hinsichtlich der Verwirklichung des Zionismus erklärte Weizmann, es sei alles getan, um Palästina als Judenland zu sichern. Bald werde der Weg nach Palästina offen stehen. Weizmann sagte: „Wir hätten leicht eine provisorische Regierung wie andere Völker, die bisher unbekannt waren, haben können. Die einzige Opposition gegen die zionistischen Forderungen bestelle gegenwärtig nur auf gewissen katholischen beiten, aber es sei eine Gefahr für den Zionismus nicht vorhanden.“ Der holländische Senat gegen die polnischen Pogrome. Wie das „Jüdische Korrespondenzbureau aus m Haag telegraphiert, interpellierte der hom»^ -;che Senator 0 wegen der Pogrome gegen die Juden in Galizien und Polen. Er forderte die Entsendung einer neutralen Kommission, erhob die schärfste Anklage gegen die polnische Regierung und trat entschieden gegen die polnischen Dementis auf. Der holländisjche Minister des Auswärtigen, Karnebeck, erwiderte, als Mensch teile er van Kels Empörungen, als Minister meine er, Holland könne wegen der prekären internationalen Lage keine Initiative ergreifen. Die Senatoren van Kels, Henry Polak und Embden tadelten die Haltung des Ministers und forderten ein entschiedenes Auftreten. Embden verlangte, daß Holland keine Beziehung mit den Polen eröffnen dürfe. Der Minister des Äußeren erwiderte, er sei mißverstanden worden. Er mißbillige die Pogrome und: habe bereits Schritte unternommen. Das Interesse verschiedener Regierungen für die Befriedigung der jüdischen Forderungen sei vorhanden. Van Kel schlug eine Resolution vor: Der Senat mißbillige die Pogrome in Galizien und Polen und bittet die Regierung Schritte wegen Entsendung einer Kommision zu unternehmen. Die Abstimmung über diese Resolution wird in der nächsten Woche stattfinden. Im Senat ist die Empörung über die Pogrome allgemein. Niemand fand ein Wort der Verteidigung für die Polen. Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist sehr stark. Alle holländischen Blätter nehmen Stellung gegen die polnischen Dementis. Protest der Holländischen Sozialdemokratie. Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ im Haag meldet telegraphisch: Die Holländische sozialdemokratische Partei richtete an das Auswärtige Amt im Haag ein Schreiben, in dem sie einen Protest der holländischen Regierung gegen die Pogrome in Polen und Galizien fordert. Senator van Kol drahtete auf unsere Veranlassung Barnes, Henderson, Thomas, Bachin, Huysmans, Vandervelde und Branting. Er ersuchte um militärisches Eingreifen der Entente. Kleerekoper wird eine Interpellation einbringen. Eine polnische Gegenaktion bei der Entente ist stark im Gange. Das „Handelsblad“ in Amsterdam protestiert scharf gegen die Pogrome. Kundgebung des Jüdischen Nationalrates. Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ in Bern berichtet: Der Jüdische Nationalrat für Deutschösterreich hat folgende Telegramme abgesandt: „Präsident Willson, Washington. Jüdischer Nationalrat Deutschösterreichs spricht tiefempfundenen Dank aus für Zusage des Schutzes kleiner Nationen, bittet dringend, den furchtbaren unmenschlichen Ausschreitungen der Polen gegen die Juden in Westgalizien mit allen Einfluß entgegenzutreten.“ „Justico Louis D. Brandeis, Washington. Der Jüdische Nationalrat für Deutschösterreich hat an Präsidenten Wilson den schärfsten Protest des jüdischen Volkes über die unmenschliche Behandlung unserer Brüder in Galizien durch die Polen telegraphisch übermittelt. Wir bitten Sie, alles aufzubieten, damit dieser Protest an zuständiger Stelle Beachtung finde und den entsetzlichen Pogroms Einhalt geboten wird.“ „Polnische Liquidationskommission, Krakau. Jüdischer Nationalrat für Deutschösterreich erhebt schärfsten Protest gegen unmenschliche Pogroms in Westgalizien. Schänden das Ansehen Polens in

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