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Das jüdische Echo · 1918-12-13 · 50 (13.12.1918) · p. Seite 614

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
50 (13.12.1918)
Date
1918-12-13
Page
Seite 614 (sequence 6)
Language
German
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614 Dis Jüdisch« Echo Nr. 50 greift um sich, und jüdisches Leben und Qut ist beinahe immer wachsender Gefahr ausgesetzt. Aus vielen Städten und Dörfern werden blutige Ausschreitungen, Austreibungen und sonstige systematische Verfolgungen gemeldet. Wir wandern auf Vulkanen und bauen das Haus unserer Zukunft auf wankenden Grund. Wir gehen an die Verwirklichung großer nationaler Aufgaben, während uns ringsum das Chaos umfängt. Wir sind nun einmal unverbesserliche Optimisten. N. H a b e r f e 1 d. Die Bestattung der Pogromopfer in Lemberg. Bisher 956 Leichen geborgen. „Nowy Dziennik“ vom 2. Dezember schreibt: Ein Freund unserer Zeitung, der heute aus Lemberg kam, berichtet uns, daß die von den Zeitungen angegebene Zahl der Opfer bis jetzt noch nicht festgestellt werden konnte, denn viele Opfer, die unter den Ruinen der verbrannten Häuser sich befinden, konnten noch nicht geborgen werden. Unser Berichterstatter erzählt, daß am Donnerstag, den 28. November vormittags, die Bestattung einer großen Zahl der Pogromopfer sowie der Reste der Thorarolilen und Ritualgerätschaften stattgefunden hat. Um 9 Uhr früh setzte sich der Trauerzug vor der alten Synagoge (die verbrannt ist) in Bewegung. Die Leichen waren bereits auf dem Friedhof aufgebahrt. An der Spitze des Zuges schiritt Prof. Dr. Hausner, der die Reste der Thorarollen trug, ihm folgten die jüdischen Offiziere, die ebenfalls verbrannte Reste der Thorarollen trugen. 30 000 Personen nahmen an dem Zuge teil. Von überall her ertönte herzzerreißendes Schluchzen. Auf dem Friedhof hielt Rabbiner Brande eine jüdische Ansprache. Rabbiner Dr. Guttmann und der Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Wasser hielten Reden in hebräischer Sprache. Dr. Wasser wurde während der Ansprache von einem Ohnmachtsanfalll betroffen. Endlich sprach noch Dr. Waschitz. Er knüpfte an das Makkabäerfest an und ermahnte die Juden zur Solidarität. Das Weinen der betroffenen Familien und der Versammelten wirkte erschütternd. Aus Lemberg wird am 29. November telegrapisch berichtet: Bis jetzt sind 956 Pogromopfer geborgen worden. Wieviel sich noch in den niedergberannten Häusern und unter den Ruinen der Synagogen befin¬ König!, bayer. Lotterie* einnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie A. Qstermaler, München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 12. (238.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9. u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14. August 1918, 3. Klasse am 10. u. 11. Sept. 1918, 4. Klasse am 8. u 9. Okt. 1918, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1918. lose in oroOer ‘ stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für Vs V« */a Vi 6 10 20 40 M Bel den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen. den, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Tschechoslowakische Judenverfolgungen. Der in Brünn erscheinende „Tagesbote“ berichtet: Die Stadt H o 11 e s c h a u ist in der Nacht zum 5. Dezember der Schauplatz wüster Ausschreitungen gewesen. Gegen 10.15 Uhr nachts drangen tschechoslowakische Soldaten, nachdem sie vorher in einem Gasthause gezecht hatten, in die Judengasse ein, wo sie sämtliche Geschäftslokale und Magazine gänzlich auspliindert e n. Die Wachmannschaft wurde nach kurzem Handgemenge entwaffnet. Der jüdische Kaufmann Grünbaum, der vor kurzem als Invalide aus dem Felde heimgekehrt war, wurde durch Bajonettstiche und einen Bauchschuß getötet. Ferner wurde der Likörerzeuger Hugo Grätzer erschossen. Die Plünderungen dauerten die ganze Nacht an. Am Morgen griffen diie Ausschreitungen auf den übrigen Teil der Stadt über. In der Frühe traf militärische Hilfe aus Kojetein ein, um die Ordnung wiederherzustellen. Diese Abteilung soll! sich jedoch an den Plünderungen beteiligt haben. Die bekannte Kleidierfabrik Beer ist vollständig verwüstet und1 ausgeplündert worden. Der hier angerichtete Schaden beträgt allein 600 000 Kronen. Insgesamt dürfte sich der Schaden auf mehrere Millionen Kronen belaufen. Beinahe der größte Teil der Juden Holleschaus hat, seiner Habseligkeiten beraubt, die Stadt verlassen. Proteste. Eine große Arbeiterversammlung gegen die Pogrome. Wie dem „Jüdischen Pressebureau“ in Stockholm von seinem Londoner Korrespondenten telegraphiert wird, hat eine von zehntausend Teilnehmern besuchte Arbeiter-Demonstrationsversammlung für den Völkerbund in der Alberthalli in London scharf gegen die polnischen Judenpogrome Stellung genommen. Der Vorsitzende, George Lansbury, drückte unter der einmütigen Zustimmung der Versammlung den schärfsten Protest gegen die Judenpogrome in Polen und Galizien aus. Er erklärte, das polnische Volk könne die Unabhängigkeit nicht erhalten, ohne dem jüdischen Volk alle ihm zukommenden Rechte zu gewähren. Massenprotestmeeting des jüdischen nationalen Arbeiterrates. Der jüdisch-nationale Arbeiterrat in London veranstaltete ein Massenprotestmeeting gegen die Pogrome, an welchem die gesamte jüdische Gemeinde teilnahm. Die „Times“ gegen die Pogrome und für die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes. Nach einer telegraphischen Mitteilung des Jüdischen Pressebureaus in Stockholm veröffenlthchte die „Times“ einen Leitartikel unter dem Titel: „Pogrome in Galizien“, in welchem sie der ",^rie<^'en'ie^ Ausdruck gibt, daß endlich alliierte Offiziere aus Budapest nach Lemberg zwecks Untersuchung der Exzesse gegen die Juden entsandt sfler!' Diese Schritte wären notwendig. Wie übertrieben auch manche Informationen sein mögen, so bestehe jedenfalls kein Zweifel, daß systematische Pogrome stattgefunden haben. Eine freie Untersuchung wird die Wahrheit beweisen und sicherlich dem polnischen Volk in den Augen 3471

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