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Das jüdische Echo · 1918-12-06 · 49 (6.12.1918) · p. Seite 602

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
49 (6.12.1918)
Date
1918-12-06
Page
Seite 602 (sequence 10)
Language
German
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602 Das Jüdische Echo Nr. 49 sichern. Herr R o s o f f aus Petersburg, Mitglied! des Großen Aktionskomitees der Zionistischen Organisation und der Zionistischen Palästinakommission, der sich von London aus unterwegs auf der Reise nach Palästina befand, ist nach Paris zurückberufen worden.“ Das „Jüdische Preßbureau“ in Stockholm berichtet: „Die sozialdemokratische Fraktion .'des schwedischen Reichstags sandte eine Deputation zur Regierung, welche gegen die empörenden Pogrome in Galizien und Polen protestierte und eine Protestnote an die polnische Regierung verlangte. Die Delegation betonte, daß der Protest allerdings nur moralische Bedeutung haben kann, aber doch nicht ohne Wirkung sein werde. Der Minister des Äußeren erklärte, die starke Empörung gegen die Pogrome zu teilen, doch sei er außerstande, die verlangte Note an die polnische Regierung zu richten, weil Schweden keine diplomatische Verbindung mit der polnischen Regierung unterhalte.“ Eine Besprechung in der Reichskanzlei. Aus Berlin geht uns von unterrichteter Seite folgende Mitteilung zu: In der Reichskanzlei fand am 29. November eine Besprechung mit drei polnischen Politikern, nämlich den Herren Reichstagsabgeordneten von T rampczypski und den Vertretern cfes! Obersten Polnischen Voksrats in Posen, March- 1 e p s k i und Poswinski statt, an der von deutscher Seite die Herren Dr. Breitscheid, Volksbeauftragter im Ministerium des Innern, H. v. G e r 1 a c h Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern und Reichstagsabgeordneter Dr. Oskar Cohn vom Reichißjustizamt teilnahmen. Die Besprechung behandelte die Pogrombewegung gegen die jüdische Bevölkerung in Kongreßpolen und Galizien. Als Ergebnis der Besprechung ist festzustellen, daß die polnischen Politiker erklärten, daß sie durchaus einsehen, daß die jüdische Frage in Polen jedenfalls auf der Friedenskonferenz zur Erörterung kommen müsse. Die polnische Regierung stehe nicht auf dem Standpunkt, die nationalen Minderheiten zu vergewaltigen. Die polnischen Politiker leiteten im Gegenteil schon aus der Geschichte des alten Polens die Verpflichtung her, auch den Juden volles Recht zu gewähren. Die polnischen Politiker erklärten sich bereit, dem polnischen Ministerium sogleich eine öffentliche Bekanntmachung gegen die Pogrome, sowie die Anrufung einer neutralen Regierung anzuraten, die zur Untersuchung der zahlreichen Berichte über die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung eine unter neutralem Vorsitz arbeitende Kommission niedersetzen sollte. Über die Zusammensetzung der Kommission soll' noch verhandelt werden, indes erklärten die polnischen Politiker, daß sie mit der Zuziehung jüdischer Kommissionsmitglieder durchaus einverstanden seien, auch nicht darauf beständen, daß diese den Kreisen der jüdischen Assimilation entnommen werden. Es ist abzuwarten, ob diese Zusage, zu der sich die polnischen Politiker bisher deutscher Staatsangehörigkeit gegenüber Mitgliedern der deutschen Regierung bereit erklärt haben, nunmehr auch von dem polnischen Ministerium eingelöst werden wird. * * * Das „Zionistische Zentralbureau“ in Berlin erhält vom Jüdischen Nationalrat in Wien folgendes Telegramm vom 28. November: „Auf unser Verlangen nach Absendung einer Prüfungskommission, welche dfe Untersuchung über die Pogromgreuel in Galizien führen soll, verwahrt sich das polnische Liauidationskomitee in Krakau gegen die Einmischung in innerpolitische Angelegenheiten. Es ist daher zu erwarten, daß von polnischer Seite nur solche Juden zugezogen werden, weiche! ausl Otründlen ihrer polnisch-assimilatorischen Politik durchaus geneigt sind, die Vorfälle zu vertuschen, oder die unter rücksichtslosem Druck von polnischer Seite stehen, so daß eine wahrheitsgetreue Untersuchung nicht zu befürchten ist. Gegen diese Gefahr muß mit allen Mitteln eingeschritten werden. Die Pogrome sind ebenso wie die Armeniergreuel eine internationale Angelegenheit. Es ist unbedingt notwendig, daß die Untersuchung unter Zuziehung nichtgalizischer Juden unter offizieller Beteiligung der Zionistischen Organisation geführt wird. Daszynski macht den verleumderischen Versuch, die Polen von der Schuld an den furchtbaren Verbrechen reinzuwaschen, indem er die Pogrome auf Anstiftung von deutsch-österreichischer Seite zurückführen will. Das jüdische Volk auf der Friedenskonferenz. Zum Friedenskongreß. Ein Londoner Korrespondent des Jüdischen Preßbureaus in Stockholm berichtet, daß wegen der erwarteten Abhaltung des Friedenskongresses in Versailles die Zionistische Organisation ein Bureau in Paris organisiert, welches wahrscheinlich von Sokolow geleitet werden wird. Louis D. Brandeis auf der Friedenskonferenz. Das tschecho - slovakische Preßbureau meldet unter dem 19. November aus Genf: „Petit Journal“ konstatiert, daß Wilson auf seiner Reise nach Europa von Staatssekretär Lansing und Oberrichter Louis D. Brandeis begleitet werden wird. Die Vertretung des jüdischen Volkes auf dem Friedenskongreß. Wie aus den letzten Nummern des „Jewish Chronicle“ deutlich hervorgeht, ist man in englisch-jüdischen Kreisen der Meinung, daß die Öffentlichkeit jetzt über die genaue Bedeutung des Begriffes einer „nationalen Heimstätte“ in Palästina, die in der englischen Regierungserklärung zugesichert worden war, aufgeklärt werden sollte. Der „Jewish Chronicle“ ist der Meinung, daß die Ausführungen von Sir Herbert Samuel anläßlich der Empfangsfeier für die zionistische Kommission der geeignete Anlaß gewesen wären, um konkrete Angaben zu machen, daß aber Mr. Samuel von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch gemacht habe. Das genannte Blatt bringt in seiner Nummer vom 1. November einen Aufsatz von S. Gilbert, in dem die Frage nach dem Umfang der jüdischen Rechte eindringlich gestellt wird. In diesem Aufsatz heißt es: .Man kann nur wünschen, daß das jüdische Volk auf diesem Friedenskongreß eine würdigere Rolle spielt als auf den früheren. Man darf aus den Umständen schließen, daß ein Jude — Lord Reading —, einer der englischen Delegierten auf dem Friedenskongreß sein wird, und sicherlich werden die jüdischen Interessen in diesem Falle gebührend berücksichtigt werden. Aber viel wirksamer wäre es, wenn ein Vertreter von den Juden selbst ernannt würde. Die Leiden, welche die Juden in diesem Kriege ertragen haben, ihre Bedeutung in der Welt und die neue Würde, die

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