Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 49 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- Seite 600 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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600 Das Jüdisch« Echo Nr. 49 Erst am nächsten Tage gelang es den Gardisten, mit Maschinengewehren die Ordnung wieder herzustellen, nachdem bereits der ganze Ort völlig geplündert war. Ebenso wurden in Kapuvar alle jüdischen Geschäfte erbrochen und ausgeraubt. Jetzt ist die Ruhe in Capuvar und Csorna wieder hergestellt. In den kleineren Dörfern halten die Plünderungen noch an. Der Korrespondent betont, daß die Ausschreitungen keinen nationalen Charakter hätten, sondern ausgesprochen bolschewistischer Natur wären. Aus dem Ort Stomfa berichtet ein Leser dem „Pester Lloyd“ vom 12. November folgendes: In der Nacht vom 2. zum 3. November wurden dort in allen jüdischen Geschäften die Fenster eingeschlagen. Am nächsten Tage wurde öffentlich von einem unbekannten Mann eine Hetzrede gehalten, in der augefordert wurde, daß alle Juden binnen 48 Stunden die Stadt zu verlassen hätten. Die Juden saßen bereits auch im Coupee, wurden aber wieder herausgeholt, die Wertsachen ihnen abgenommen und dann sämtliche jüdischen Wohnungen vollständig ausgeraubt. Der Berichterstatter schreibt: „Die Nacht vom 3. auf den 4. war schrecklich. Da wurden die jüdischen Geschäfte der Kaufleute Emanuei Mittler, Moritz Stern, Wilhelm Kohut, Hermine Brunner, Michael Wagner, Witwe Reich, Adolf Kohn total ausgeplündert, die Möbel vernichtet. Es scheint leider noch keine Ruhe zu werden. Bis jetzt sind wir alle schutzlos.“ Ähnliche Berichte liegen noch aus einer Reihe weiterer Orte vor. Vielfach sind auch Menschen getötet worden; so brach am 7. November eine bewaffnete Bande in Körösmezö in das Haus des Chaim Rosenthal ein und erschoß ihn und seine Frau. In verschiedenen Dörfern des Komitats Marmarosz sind ruthenische Banden sogar in die Synagoge eingedrungen und haben drei Juden getötet. Die Ruthenen agitieren mit dem Argument, daß die Juden zur Zeit der russischen Invasion die ruthenischen Überläufer den ungarischen Behörden angezeigt hätten. Judenpogrome in Mähren. Die Wiener „Jüdische Zeitung“ vom 15. November meldet: Es treffen bei uns Nachrichten über Pogrome in Mähr.-Ostrau, Oderfurt und Marienberg ein. Zahlreiche jüd. Läden wurden total ausgeplündert, viele Juden verwundet. Der Schaden und die Verwüstung sind riesig. Nähere Einzelheiten fehlen noch. — Auch in Groß-Karlowitz (bei Wsetin) wurden die Juden ausgeraubt und geschlagen. Ausschreitungen gegen Juden in Deutsch-Böhmen. Das „Prager Tageblatt“ vom 8. November berichtet: „Am Mittwoch kam es — wie man uns aus Aussig telephoniert — in Falkenau zu großen Ausschreitungen, die offensichtlich nach einem bestimmten Plan organisiert waren. Schon in den Vormittagsstunden war ein starker Zustrom von Leuten aus den Dörfern nach der Stadt bemerkbar. In den frühen Nachmittagsstunden bildeten sich Banden und sofort setzte auch der Ansturm auf einzelne Geschäftsläden ein. Die Wut der Menge richtete sich gegen die Juden. Einzelne Läden wurden gänzlich ausgeraubt. Selbst vor Privatwohnungen wurde nicht Halt gemacht. Stundenlang durchzogen die Leute mit ihrem Raube die Straßen. Das Plündern währte bis in die späten Nachmittagsstunden und hörte erst nach Eingreifen der eilends gebildeten bewaffneten Jugendwehr auf. Der bereits am Sonntag gebildete Sicherheitsausschuß hat vollständig versagt. Am Donnerstag früh wurde über Falkenau das Standrecht verhängt. Von Eger ist eine Abteilung Nationalgarde eingetroffen. Pogrome in Siebenbürgen. Aus Budapest meldet dlas „Neue Wiener Journal“ vom 29. November: „Die in Siebenbürgen eingerückten rumänischen Truppen haben in Borgo-Pund ein Pogrom veranstaltet. Sie überfielen gemeinsam mit der Bevölkerung die Häuser und Geschäfte der Juden und raubten 150 jüdische Familien vollkommen aus. Sie leugnen und drohen! Amtliche Erklärung der „Polnischen Liquidationskommission“ in Galizien über die Pogrome. Der polnischen Gesandtschaft in Wien ging ein Communique der „Polnischen Liquidationskommission“ über die Ereignisse in Galizien mit der Bestimmung zu, es allen Ententemächten und den neutralen Regierungen bekanntzugeben. Es heißt Wir ersuchen das Abonnement für das neue Quartal des „Jüdischen Echo“ zu erneuern. 3rof)e 6tmtben ■" können Sie fid) jebe Worfle bereiten burcf) regelmäßiges Cefen ber 501 ü n d) tt e x „3ugettb" farbenprächtige B5iebergaben ber B3erke geitgenöjjifcber Mnftler, oortreffliche litera* rifd)e Beiträge unb in ber aktuellen “Beilage eine Beleuchtung ber politifchen Borgänge finb bie ^»auptnorgüge biefer meltbekannten B3od}en[chrift. Bierteljahrespreis: . . . . 9Jt. 7 50 Be^ug burd) bie felbpoft: . . Bt. 8.— in ftarker^Kolle unmittelbar uom ‘Berlag:.SOL 9.50 “ißrobebänbe (5 ältere OTummern in Umfchlag enthaltenb) . . Söt- 1-50 Sin^elne Otummer: .... 70 ^3fg. “Sille Buch* unb 3eitfd)riftenhanbl., fotuie ber Berlag nehmen Befiellungen an. Verlag ber „3 u g e it b* München / Ceffingftrafee 1 ^99999999999999999999999 480153530123002330535302530248015348022300