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Das jüdische Echo · 1918-11-29 · 48 (29.11.1918) · p. Seite 589

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 589 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 Das Jfidlscho Echo 589 biners Dr. Aron Baerwald; er absolvierte seine Gyninasialstudien in München und studierte am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau. Seit Februar 1911 ist er Rabbinatssubstitut in München. Als Feldrabbiner nahm er drei Jahre lang am Kries teil. Dr. Bacrwald wird in verhältnismäßig; jungen Jahren auf einen der ersten Rabbinatssitze Deutschlands berufen. Schon seine alten Münchner Beziehunsen haben ihn offenbar als geeigneten Mann empfohlen. Er hat einen sroßen Teil seiner Jusend hier verlebt und ist den Münchner Juden schon durch seine vieljährige Tätiskeit als stellvertretender Rabbiner bekannt. Lehrer und Vorbild wurde ihm unser unverseßlicher Rabbiner Dr. C. Werner. Man rühmt dein neuen Rabbiner mit Recht nach, daß er liebenswiirdis im Umsans. ein suter Prediser und Redner, ein aussezeichneter Jusendlehrer ist. Auf letzteres wird jeder besonderen Wert lesen, der den Tiefstand des üblichen Relisionsunterrichts kennt, den aussichtslosen trasikomischen Kampf, den zumeist der jüdische Religionslehrer sesen die Gleichgültigkeit ja Widersetzlichkeit der Schüler führen muß. Dr. Baerwald versteht es, den Eifer und die Teilnahme der seiner Erziehuns anvertrauten iunsen Leute fiir den Religionsunterricht zu erwecken. Wer das fertis brinst, muß viel Liebe zu den jüdischen Dinsen haben, muß die Fähiskeit haben, diese Liebe anderen mitzuteilen, die Fähiskeit, das eisene Herz den anderen und das Herz der anderen sich selbst zu eröffnen. Das aber sind Eigenschaften, die nicht nur einem Jusendlehrer, sondern einem Rabbiner überhaupt wohl anstehen, ja seradezu Vorbedingungen sind, wenn der Rabbiner wirklich ein „Rabbiner“ ist und nicht nur, was er leider vielfach geworden ist: ein Kultus- und Ritualienverwalter. Wir verhehlen nicht, daß wir sroße Anforderunsen an unsern neuen Rabbiner steilen. Was im einzelnen wir wünschen, hier darzulesen, können wir uns ersparen, da wir in unserem Artikel „Unser neuer Rabbiner“ (versl. „Jiid. Echo“ 1918, Nr. 38) ausführlich erörtert haben, was nach unserer Ansicht ein Rabbiner, besonders in einer Großgemeinde wie München, zu leisten hat. Zustimmende Äußerunsen zu diesem Artikel aus allen Lasern haben bestätist, daß er ungefähr das Richtise setroffen hat. Es sind keine serinsen Anforderunsen! Sie sipfeln in der Forderung: Der Rabbinersoll ein Führer der Juden seiner Gemeinde und darüber hinaus des jüdischen Volkes, nicht ein bloßer Beamter sein. Führer im jüdischen Leben taten nie mehr not als serade jetzt. Es stehen uns schwere Zeiten bevor. Die deutsche Revolution zieht auch das Judentum in Mitleidenschaft. Die Trennung von Kirche und Staat scheint unausbleiblich. Das schon innerlich gelockerte jüdische Gemeinde- und Volksleben ist damit in Gefahr, auch äußerlich zu zerfallen, wenn es nicht selinst, durch die Arbeit tiichtiser Persönlichkeiten der bisher durch staatlichen Zwang; zusämmengehaltenen deutschen Judenheit von innen heraus neue Lebenskräfte zu gewinnen. Wir wünschen, daß Dr. Baerwald ein solchei Führer sein wird, daß es ihm glücken wird, an diesem Werk ersprießlich mitzuarbeiten. In diesem Sinne beglückwünschen und begrüßen wir den neuen Rabbiner. ^r- Aus der jüdischen Welt Palästina. Apologetische Kurse veranstaltete im Herbst dieses Jahres der Vorband der Deutschen Juden im Verwaltungshaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zweck dieser Kurse war, einen größeren Kreis mit dem Rüstzeug auszustatten, dem Werben der Judenmission wirksam entgegen zu treten. Als Teilnehmer hatte man , an die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, die Hörer der Lehrer- und Rabbinerbildungsanstalten, die Angehörigen der jüdischen Studentenverbindungen und der jüdischen Jugendvereine gedacht. Sie sollten in der apologetischen Erörterung jüdisch-religiöser Gegenstände unterwiesen werden. Die Vorlesungen waren von fast 100 Hörern aus allen Teilen des Reichs besucht. Der Abgeordnete Geheimrat Cassel leitete als Vorsitzender des Verbandes die Vorträge mit einer Ansprache ein, in der er auf die enge Verknüpfung des jüdischen religiösen Schrifttums mit der Weltphilosophie in ihrer Fortentwicklung hinwies. — Rabbiner Dr. Baeck sprach über das Judentum zur Zeit der Entstehung des Christentums. Er teilte sich mit Dr. Lewkowitz in die Aufgabe, die Grundlehren des Judentums und anderer Religionen zu behandeln. Über die Geschichte und Methode der Judenmission sprach Dr. S. Bernfeld. Angriffe auf das jüdische Schrifttum behandelte Dr. Liebermann und solche auf die Glaubens- und Sittenlebre des Judentums Dr. Hochfeld. Besteuerung in Süd-Palästina. Für die wirtschaftliche Erstarkung Süd-Palästinas ist es bezeichnend, daß seit dem l.März die Behörden wieder begonnen haben, die in Friedenszeiten üblich gewesenen Steuern der türk. Regierung zu erheben. Als die britischen Truppen ins Land einriickten, fanden sie die Bewohner so ausgesogen, daß sie nicht imstande waren, irgendwie zu den Kosten der Landesverwaltung beizutragen. Inzwischen aber ist die Bevölkerung wieder kräftig genug geworden, um Steuern, zahlen zu können. Das Geld wird ausschließlich für Landeszwecke verwandt. Eine Saioniker Kolonie. Das „Jüdisch# Korrespondenz-Bureau“ im Haag meldet: „In dem in Saloniki erscheinenden jüdischen Bllatt „Pro Israel“ wurde letzthin der Gedanke der Gründung einer Kolonie aus Saioniker Juden in Palästina geäußert. Es ist vorgeschlagen, daß zunächst zehn Familien aus Saloniki nach Palästina auswandern sollen, um dort eine landwirtschaftliche Siedlung zu gründen, der sich; später eine größere Anzahl Juden aus Saloniki anschließen sollen. Der Ort der Kolonie ist noch nicht bestimmt, immerhin wird verlangt, daß dieselbe in der Nähe eines Eisenbahnknotenpunktes errichtet und mit Zufahrtsstraßen und guten Wegen versehen werden soll. Rekrutierung Saioniker Juden für Palästina. Die „Neue Züricher Zeitung“ vom 29. Oktober meldet: „Der griechische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Politis, teilte der Presse mit, daß er die Erlaubnis gegeben habe, daß sich in Saloniki ein Kontingent jüdischer Freiwilliger bilde, das nach Palästina in Dienst gehen soll. Die Vorarbeiten zur Rekrutierung dieser jungen Leute haben begonnen. Jüdische Legionäre für Palästina. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm meldet aus London: 7117

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