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Das jüdische Echo · 1918-11-29 · 48 (29.11.1918) · p. Seite 583

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 583 hen ilim die Propheten einen Sinn, der mit den höchsten ethischen Ideen des Judentums verbunden ist. Bei Sacharja. Kap. 4, V. 1.6 heißt es- „Da weckte mich der Engel. der mit mir redete’ wieder auf, wie jemanden, der aus seinem Schlaf aufgeweckt wird, und fragte mich: Was siehst du? Ich anwortete: Ich sehe da einen Leuchter, ganz von (iokl, oben darauf ist ein Ölbehälter] und sieben Lampen sind an ihm, sowie sieben (iießrohre für die Lampen, die sich oben auf ihm befinden. Und neben ihm stehen zwei Ölbäume; einer zur rechten des Ölbehälters und einer zu seiner Unken. — Darauf hob ich an und sprach zu dem Engel, der mit mir redete, also: Was hat dies zu bedeuten, Herr? Da antwortete der Engel, der mit mir redete, und sprach zu mir: Weißt du wirklich nicht, was dies bedeutet? Ich antwortete: Nein, Herr! Da hob er an und sprach zu mir also: Das ist das Wort Jahwes an Serubabel: es lautet: Nicht durch Macht, noch durch Gewalt, sondern allein durch meinen Geist! spricht Jahwe der Heerscharen.“ — Mehr als je hat diese prophetische Symbolik der Menorah heute für uns höchste Bedeutung: Wenn Juden, wie z. B. zur Zeit der Makkabäer, zu den Waffen griffen, so geschah es nicht, um Gewalt zu üben und äußere Macht zu erweitern, sondern um die Freiheit zum Dienste Gottes zu bewahren und auch ferner das Licht des Geistes entzünden zu können. Der Leuchter des zweiten Tempels wurde im Jahre 169 v. Chr. durch Antiochus EoiDhanes vernichtet und an seine Stelle setzte vier Jahre darauf Jehuda Makkabi einen neuen Leuchter. Damit beginnt die Verbindung des Tempelleuchters mit der Menorah des Chanukkahfestes. IJrsnrünglich scheint dieser Zusammenhang noch nicht deutlich gewesen zu sein. Nach dem 2. Makk. Kap. 10, V. 5—8 setzte Jebiuda Makkabi das Fest nur als eine achttägige Feier ein „gleich einem Laubhiittenfeste“, wobei von einem Leuchter noch nicht die Rede ist, wie auch nach 1. Makk. 4, V. 54 ff. das Fest nur als Freudenfest eingesetzt wird. Aber der etwas spätere Sendbrief im 2. Makk. Kap. 1. V. ff. bringt das Fest bereits in Verbindung mit jenem „Fest der Laubhütten und des Feuers“, das auf ein wunderbares Ereignis bei der Tempelweihe des Nehemias zurückging. Wahrscheinlich hat bei diesem Übergang zum „Lichtfest“ auch eine gewisse Natursvmbolik, ähnlich wie beim germanischen Weihnachtsfest, mitgespielt. Jedenfalls muß der Leuchter bald darauf ein wesentliches Gerät des Chanukkahfestes geworden sein, denn aus dem Ende des folgenden Jahrhunderts berichtet der Talmud schon von einem Disput zwischen den Schulen Schammais unJ Hilles, ob man erst acht Lampen and täglkh eine weniger anzünden solle oder umgekehrt. Audi sonst beschäftigt sich der Talmud, wie auch de spätere rabbinischc Literatur mehrfadi mit der Menorah. So bestand das Verbot, bei ihrem Lichte, da es doch ein heiliges war, eine Arbeit zu verrichten. Mit aus diesem Grunde — um nämlich im Übertretungsfalle doch gerechtfertigt zu sein — wurde den acht Lichtern noch ein neuntes, der „Schammes“ (Diener) hinzugefügt. Fine andere Vorschrift verlangte, daß der Leuchter nicht in das Innere der Stube, sondern ans Fenster gestellt wurde, — das heilige Licht sollte aller Welt sichtbar sein. Doch obwohl wir hier an dem Punkte stehen, wo die Chanukah-Menorah von der Tempel- Menorah abzweigt, müssen wir doch erst diese noch etwas weiter verfolgen. In die Zeit des ausgehenden Altertums fällt nun die älteste bildliche Darstellung, die wir von einer Menorah besitzen. Auf einem Relief an dem nach' der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. errichteten Titusbogen zu Rom ist die Einbringung der Tempelgeräte im Triumphzuge dargestellt und unter diesen befindet sich auch der siebenarmige Leuchter. Soweit die Rekonstruktion dieser schlecht erhaltenen Darstellung ein Urteil gestattet, ist an diesem Werk das bedeutsamste, daß es in seiner allgemeinen Anlage noch ganz der Beschreibung des biblischen Leuchters entspricht: ein von einem Unterbau getragener Mittelschaft, von dem nach zwei Seiten die sechs Arme ausgehen, alle geschmückt mit blütenartigen Verzierungen. Dagegen zeigen die Verzierungen des Sockels und die des Knaufes (zwischen dem Sockel und den untersten Seitenarmen) durchaus den Stil der römischen Kaiserzeit. Besonders die Adler und die drachenartigen Tiere an den Sockelreliefs sind der damaligen jüdischen Anschauung so fremd — zumal an einem Tempefgerät —. daß es fraglich erscheint, ob sie wirklich dem Leuchter des Jehuda Makkabi angehörten, oder vielleicht einem Leuchter, den Her ödes bei seiner Erneuerung des Tempels an die Stelle des makkabäischen setzte. Möglich auch, daß es nur freie Hinzufügungen des römischen Bildhauers sind, (Schluß folgt.) „Der Jude als Ministerpräsident“ Man kann eine Wahrheit so verzerren, daß sie zur faustdicken Lüge und giftigsten Verleumdung wird. Ein Musterbeispiel dafür ist der unter obigem Titel in Nr. 328 des „Bayer. Kurier“ erschienene Artikel von Rahe! Rabinowitz. (Preislage: Wer ist diese plötzliche „Vertreterin“ des nationalen Judentums?) Wahrheit ist, daß aus den allerverschiedensten Gründen viele Nichtjuden nnd Juden sich keineswegs darüber freuen, daß gegenwärtig ein Jude bayerischer Ministerpräsident ist. Viele Nichtjuden aus Antisemitismus oder durch die antisemitische Hetze beeinflußt, viele Juden aus Scheu1 vor den Anfeindungen, die ihnen — denen wirklich jeder Einfluß darauf fehlte — aus dem Umstand, daß ein Jude Ministerpräsident ist, erwachsen. Auf beiden Seiten leider ganz wenige aus Erkenntnis der nationalen Tatsachen, die allein zu einer ruhigen und sachlichen Beurteilung der Angelegenheit führen könnte. Tatsache ist, daß wir Juden anderen Stammes sind als die Mehrzahl des deutschen Volkes. Ob wir uns nun unserer jüdisch-nationalen Eigenart bewußt sind und diese neben unserem Deutschtum zu bewahren und zu pflegen entschlossen sind, oder ob wir — wie große Teile des assimilierten jüdischen Bürgertums in Deutschland — den nationalen Zusammenhang des Judentums mehr oder minder vergessen haben: wir werden jedenfalls von der Außenwelt in unserer nationalen Besonderheit gewertet. Dies klarzulegen, erscheint uns wichtig und kann nur zur Folge haben, daß die Zweideutigkeit, die der Stellung der Juden anhaftet, beseitigt wird. Aber gerade von unserem Standpunkt aus stellen wir fest: die deutschen Juden sind mit den Geschicken des deutschen Volkes in guten und schlechten Tagen, mit seinen Schmerzen und Freuden so tief verwachsen, daß sie in ihrer Gesamtheit als deutsche Bürger nicht nur deshalb

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