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Das jüdische Echo · 1918-11-29 · 48 (29.11.1918) · p. Seite 582

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 Das Jüdisch« Echo Nr. 48 Bewegung zu wecken. Ich sitze, fürchte mich, mich zu regen, um ihn nicht aus dem Schlaf zu scheuchen. Plötzlich springe ich auf —. der Herr der Träume spottet meiner. Kr verkleidete mich. Die Me Von Kurt Es ist eine besondere Eigenart der jüdischen Religion, daß, über die Frömmigkeit der Gesinnung und die Innigkeit des Gebetes hinaus, ihir äußerer Dienst zahlreiche symbolischen Handlungen verlangt, zu denen Geräte verschiedenster Art dienen. Wie auch die religions- und volkspsycholiogisclie Erklärung hierfür lauten mag, so ist es hierbei doch besonders bedeutsam, daß diese Kulthandlungen nicht in stellvertretender und repräsentativer Weise von einem Geistlichen ausgeübt werden, sondern daß jeder einzelne fromme Jude dazu berufen ist, so daß ein jeder, mag er auch noch so arm sein, solche Geräte besitzt und im Kreise seiner Familie an ihnen die vorgeschriebenen Handlungen vollzieht. Nicht nur jedes einzelne Fest hat seine bestimmten Geräte, auch die Vorschriften des Alltags erfordern solche, so daß der fromme Jude immer von diesen Symbolen einer religiösen Geistesrichtung umgeben ist. Daher ist er diesen Geräten viel enger seelisch verbunden, als wenn sie ihm nur gelegentlich beim Gottesdienste und von fern gezeigt würden, und selbst dem modernen Juden, der den Zusammenhang mit den religiösen Anschauungen verloren hat, blieben sie und die mit ihnen verbundenen Gebräuche als erinnerungsreiche Denkmäler seines Volkes lieb und wert. So wenig nun das Chanukkahfest in der Reihe der jüdischen Feste an erster Stelle steht, so kommt doch unter all jenen Geräten dem achtteiligen Leuchter, dessen Lichter der Hausvater am Chanukkahfeste entzündet, mit die größte Bedeutung zu. Er erhöht die Feierlichkeit und die Freude des Festes, er erregt mit seinem Glanze die Herzen der Kinder, und während des ganzen Jahres dient er der Wohnung des frommen Juden als sinnvoller Schmuck. Durch alle Jahrhunderte der Zerstreuung hat er das jüdische Volk auf seiner Wanderschaft begleitet, so daß sich aus seinen verschiedenen Formen ein gut Teil der wechselvollen Geschicke des jüdischen Volkes ablesen ließe. Selbst in den bösesten Zeiten hat man nicht versäumt, dieses wie die anderen Geräte durch künstlerische Gestaltung über die bloße Zweckmäßigkeit herauszuheben, so daß sie heute als wirksame Zeugen gegen das Märchen, daß den Juden jeder Kunstsinn mangle, auf treten könnten. Aber noch weiter führt die Ahinenretihie des Chanukkahleuchters zurück. Eng verwandt ist er mit jenem siebenarmigen Leuchter, der in der palästinensischen Epoche zu den wichtigsten Geräten des Tempels zu Jerusalem gehörte. Daher müssen wir mit dieser Menorah des alten Tempels unsere Betrachtung beginnen. Den Ausgangspunkt bildet jene Beschreibung, die im 2. Buche Moses Kap. 37, 17—23 von dem Leuchter der Stiftshütte gegeben wird. Sie lautet: „Weiter fertigte er (Bazellel) den Leuchter an aus gediegenem Golde. In getriebener Arbeit fertigte er den Leuchter an, sein Fußgestell und seinen Schaft; die dazu gehörenden Blumenkelche — Knollen und Blüten — befanden sich an ihm. Von seinen Seiten aber gingen sechs Röhren aus, daß ich einen Augenblick glaubte, eine Mutter zu sein die Mutter des jungen Löwen Jehudah. Der junge Löwe Jchudah schläft —■ vor mir steht seine Wiege. n o r a h. F reyer. je drei auf jeder Seite des Leuchters. An jeder Röhre befanden sich drei mandelblütenförmige Blumenkelche — je ein Knollen mit Blüte; so an aIllen sechs Röhren, die von dem Leuchter .ausgingen. Am Schaft aber befanden sich vier Blumenkelche, mandelblütenförmiig, mit den zugehörigen Knollen und Blüten, und zwar jedesmal ein Knollen unter jedem der drei Röhrenpaare an ihm, — der sechs Röhren, die von ihm ausgingen. Ihre Knollen und Röhren waren aus einem Stücke mit ihm, alles getriebene Arbeit aus einem Stücke, von gediegenem Golde. Sodann fertigte er die sieben Lampen an, die zu ihm gehörten, nebst den zu ihm gehörenden Lichtscheren und Pfannen aus gediegenem Golde.“ Mit den oft angestellten Versuchen, diesen Leuchter zu rekonstruieren, wollen wir uns hier nicht aufhalten. Für uns mag genügen, daß diese Beschreibung in allem Wesentlichen bereits die Grundform angibt, die, wie wir sehen werden, der Leuchter dann für alle Zeiten beibehalten hat: auf einem Unterbau der Mittelschaft und an diesem sechs Arme, letztere nicht ringsum gestellt, sondern nur nach zwei Seiten ausgehend. Die wiederholte Betonung der „getriebenen Arbeit“ und die eingehende Schilderung der blütenartigen Verzierungen weisen darauf hin, daß man schon damals auf die künstlerische Ausgestaltung des Leuchters großen Wert legte. Nur eine Besonderheit hat dieser Leuchter, die später nicht mehr beibehalten wurde: die eigentlichen Lichtbehälter, die „Lampen“, sind als besondere Teile gebildet und ließen siehl abnehmen, um gereinigt und mit frischem Öl gefüllt zu werden. (Vergleiche auch 2. Moses Kap. 40, V. 4 und 24.) So wertvoll nun diese Schilderung als ältestes kunsthistorisches Dokument für uns ist, so ist doch zu beachten, daß wir sie nicht auf eine Menorah aus der Zeit der Wüsten Wanderung beziehen dürfen. Denn dieser Teil der Bibel ist erst nach der Rückkehr aus dem Exil entstanden, so daß diese Schilderung eher dem Leuchter entspricht, der in dem Tempel Serubabels aufgestellt wurde. Dieser Leuchter war vielleicht insofern eine Neuerung, als der Tempel Salomos, soweit wir unterrichtet sind, keinen siebenarmigen, sondern nur sieben einfache Leuchter enthielt (1. Könige 7, 49). Aber wir können annehmen, daß er doch auf ältere Tradition zurückging, ja vielleicht hat er seinen ersten Ursprung in den „Masseben“, den heiligen Steinsäulen der alten Kultstätten. In diesem Falle hätte der Leuchter noch eine besondere geistesgeschichtliche Bedeutung: während die Massebe sich in der griechischen Kultur zur menschlichen Figur, also zur sinnlichen Gestalt entwickelt, wird sie in der jüdischen Kultur zur reinen, von allem Menschlichen freien Kunstform, zum Träger des göttlichen Lichtes. Auch in der symbolischen Deutung, die man im Altertum dem Leuchter gab, kommt eine entsprechende Anschauung zum Ausdruck. Während der Volksglaube seine Idee dem Weltgeschehen entnahm und in ihm ein Sinnbild der sieben Planeten sah (so noch bei Josephus und Philo), ge-

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