Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-11-22 · 47 (22.11.1918) · p. Seite 573

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
47 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
Seite 573 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138420--02460-9075282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 47 Das Jüdische Echo £73 men, die die Revolution in Deutschland begrüßt, die Wiederherstellung der Internationale verlangt! die Forderung des jüdischen Volkes auf nationale Autonomie in der Diaspora und auf die jüdische Heimstätte in Palästina verkündet Eine zweite Resolution protestiert gegen die Pogrome in Polen und fordert die polnischen Arbeiter auf, sich der chauvinistischen Judenhetze entgegenzustellen. Unter den Begrüßungen, die zur Versammlung eingelaufen waren, wurden die Schreiben der deutschen Sozialdemokraten Dr. Josef Bloch und Julius Kaliski verlesen. Der Herausgeber der Sozialistischen Monatshefte, Josef Bloch, bezeichnet die Kundgebung des Willens der jüdischen Arbeiterklasse zur Selbstbestimmung des jüdischen Volkes als eine Angelegenheit des internationalen Sozialismus und erklärt, daß insbesondere auch die deutschen Sozialisten dafür eintreten müßten, daß das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina, das aus der Pflicht des Volkes zu produktiver Leistung folgt, anerkannt werde. In gleichem Sinne äußerte sich Kaliski. Deutsch-Österreich. Ein Einspruch des Jüdischen Nationalrats. Aus Wien wird vom 14. November telegraphiert: Der § 2 des Gesetzentwurfes über die Erwerbung der Staatsbürgerschaft enthält die Bestimmung, daß eine Erklärung notwendig ist, dem Staat als treuer deutscher Bürger angehören zu wollen. Eine Abordnung des jüdischen Nationalrates erschien heute im Parlament, um den deutschen Parteien klarzulegen, daß die Aufrechterhaltung dieser Bestimmung einen Gewissenszwang für jene Juden enthalte, die sich zu Deutschösterreich und gleichzeitig zur jüdischen Nation bekennen. Die Abgeordneten sicherten die Berücksichtigung dieser Forderung mit der Begründung zu, in der demokratischen Republik könne auf niemand ein Gewissenszwang ausgeübt werden. Palästina. Unmittelbare jüdische Einwanderung nach Palästina? Das „Jüdische Preßbureau“ in Stockholm meldet: Die jüdische Gemeinde in Charbin wandte sich an die zionistische Organisation in Amerika mit der Bitte, von den britischen Behörden die Erlaubnis für eine unmittelbare Einwanderung von Juden nach Palästina zu erwirken. Rußland. Eine iüdisch-ökonomische Konferenz in Petersburg. An der Konferenz der jüdisch-ökonomischen Politiker, die vor kurzem in Petersburg stattgefunden hat, nahmen Vertreter fast aller jüdischen Parteien und Gemeinschaften teil. Als Fachleute wurden zu der Konferenz eine Anzahl jüdischer Nationalökonomen hinzugezogen. Die Konferenz bezweckte die gemeinsame Beratung und die Sammlung aller Kräfte, um die jüdisch-ökonomische Frage den neuen Verhältnissen anzupassen. Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Referat des Mitglieds des zionistischen Zentralkomitees Bruzkes über die Einordnung der Heimatlosen und die Gründung ihrer ökonomischen Existenz. Nach der Meinung des Referenten werden 300 000 jüdische Heimatlose und demobilisierte jüdische Soldaten in ihre Heimat nach Litauen, Kurland und Weißrußland zurückbefördert werden müssen. Um diese Rückwanderung zu regulieren, ist ein ganzes Netz von Informationsbureaus in Rußland und in der Südukraine nötig. Um die ökonomische Existenz der Rückwanderer zu sichern, wird ein Hypotheken-Kredit organisiert. Ferner müssen die jüdischen Spar- und Leihkassen, die Gesellschaften für gegenseitigen Kredit und die Konsumvereine erweitert werden. Um die Finanzierung dieser Gesellschaften zu ermöglichen, wird eine zentrale jüdische korporative Volksbank gegründet. Polen. Judenpogrome. Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ in Bern berichtet: Wie „Nowy Dziennik“ meldet, haben am 28. Oktober in Krosno und Biecz (Galizien) Judenpogrome stattgefunden, an denen Studenten und polnische Legionäre teilnahmen. Polizei schritt nicht ein. Viele jüdische Läden wurden ausgeplündert. Rumänien. Die Vorbereitung von Judenpogromen in Rumänien. Dem „Jüdischen Korrespondenzbureau“ in Bern wird gedrahtet: In Rumänien wird die Bevölkerung durch Hetzaufrufe zum Massenmord der Juden aufgefordert. Das Blatt „Poporulni“ in Duminica, das ein Organ des gegenwärtigen Kultusministers ist und durch die Behörden in den Dörfern verteilt wird, veröffentlicht einen von glühendem Judenhaß getragenen Leitartikel, worin es u. a. heißt: „Wenn ihr bemüht seid, jeden sich bietenden Nutzen einzuheimsen, so wird der Jude gezwungen sein, von dannen zu gehen.“ Der Minister ging in seiner Hetzpredigt so weit, daß die Zensur sich genötigt sah, einiges aus ihr zu streichen. Er hat durch eigens dazu gebildete! Komitees von Universitäts- Professoren und Literaten eine Sammlung von 200 000 Lei veranstaltet zwecks Neuherausgabe der berüchtigten antisemitischen Zeitschrift „Semana torul“. Auch der frühere Judenfreund Mille predigt den Boykott gegen „die Fremden“, der strenger als der polnische Boykott sein soll. Die jüdische Bevölkerung, die sich in größter Unruhe befindet, befürchtet Pogrome. Eine Organisierung des Selbstschutzes ist wegen Waffenmangels unmöglich, während die „Schwarze Bande“ Waffen durch die Armee erhalten wird. Die jüdische Bevölkerung verlangt dringend sofortige Hilfe. Aus aller Welt. Eine jüdische Massenversammlung in Prag. Das „Jüdische Preßbureau“ beim Jüdischen Nationalrat in Prag teilt mit: Sonntag, den 10. November fand im großen Saale der Produktenbörse eine Versammlung statt, die vom Jüdischen Nationalrat für den tschecho-slovakischen Staat einberufen war. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn war der Saal so überfüllt, daß auf dem Platze vor der Produktenbörse eine zweite Versammlung improvisiert werden mußte, in welcher Dr. Angelo Goldstein sprach. Es mochten wohl weit mehr als 4000 Personen anwesend gewesen sein. Nach Eröffnung der Versammlung und Wahl! des Präsidiums überbrachten unter begeistertem Beifall der Versammelten der italienische Leutnant Schubert in italienischer Sprache, der russische Soldat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.