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Das jüdische Echo · 1918-11-15 · 46 (15.11.1918) · p. Seite 560

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
46 (15.11.1918)
Date
1918-11-15
Page
Seite 560 (sequence 8)
Language
German
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560 Das Jüdisch© Echo Nr. 46 in den modernen Tendenzstücken im Juden nur den ,Mauschel* gezeigt erhielten, Verständnis für die Eigenart der Juden weckt und ihnen zeigt, welche großen Opfer dieses von ihnen als materiell verschrieene Volk, für seine heiligsten Güter zu bringen imstande ist. Für uns Juden waren die Stunden, die wir im Theater zubrachten, mehr als ein Kunstgenuß. Sie ließen uns eine Zeitspanne des intensivsten jüdischen Lebens miterleben und zeigten uns, woher wir die Kraft nehmen, Jahrtausende im Exil zu verbringen, rastlos strebend die Hoffnung auf eine Heimkehr des jüdischen Volkes nach seiner Heimat zu verwirklichen.“ Das Münchener Publikum wird hoffentlich ba'lid Gelegenheit haben, das Stück wenn auch nicht auf der Bühne, so doch1 auf unsere Anregung hin in der die Bühne ersetzenden Wiedergabe des Herrn Arnold Marie kennen zu lernen. Constantin Brunners neuestes Werk „Der Judenhaß und die Juden“ (Rerlin 1918. Oesterheld u. Co.) hätte ein hübsches Buch werden können, da sein Verfasser (mit dem richtigen Namen Leo* Wertiheimer) über alle Eigenschaften verfügt, die ein politischer Autor haben muß: Temperament, Witz, Kenntnisse; so bereitet das umfangreiche Buch dem Leser tatsächlich mancherlei Vergnügen. Die Gründe, warum das Buch trotzdem nicht gelungen ist, sind zweierlei: Der erste und entscheidende ist der, daß der Verfasser mit großer Verve gegen den Judenhaß Sturm läuft, offenbar aber nicht ähnlich instinkt- und gefühlssichere Beziehungen zu den Juden findet, sodaß der Titel des Buches eigentlich nur hätte lauten dürfen: „Der Judenhaß“. Der zweite Grund des Mißlingens ist eine literarische Zuchtlosigkeit, die das Buch um jeden klaren Aufbau bringt; um eines originellen Wortes willen finden wir beliebig viele und lange Einschaltungen in einem Umfange, der die Wirkung des Buches beinahe aufheben muß. Denn nur der, der den Genius des Verfassers restlos bewundert, wird dem Buche verzeihen können, daß es so völlig unfrisiert in der Gesellschaft erscheint. Der Rezensent aber kann ihm nicht die inhaltliche Billigung zollen, die über die arge Form hätte hinweghelfen können. Alle menschlichen Dinge lassen sich sub specie aeterni oder vom Standpunkt des Philosophen betrachten. Historisch - politischen oder -kulturellen Gebilden kann man nur von der Geschichte aus näherkommen, nur von ihr aus verstehen und verständlich machen. Brunner aber behandelt sem Thema dezidiert philosophisch. So kann er einerseits für die Kernfrage: „Was sollen die Juden tun? nur eine für seinen reichen Geist fabelhaft armselige Antwort finden (vergl. unten), andererseits aber ist seine philosophische Behandlungsweise doch wieder nicht ehrlich cenusr durchsreführt. um nur wenigstens soweit, wie die rein logische Methode hierbei überhaupt gelangen kann, zu kommen Entsprechend der Vielseitigkeit des Judenproblems erfahren wir in dem Buche ziemlich viel von Brunners moralphilosophischen, geschichtsphilosophischen, rechtsphilosophischen Anschauungen — aber doch nur soweit, daß er dem Leser gelegentlich ein knorriges Philosophenscheit an den Kopf wirft, sich in der Hauptsache aber in dem Gegenstand fremder Allgemeinbetrachtungen verliert; so finden wir u. v. a. ein längeres Gedicht Lissauers über Luther in extenso zitiert, und finden mit einiger Ausführlichkeit des kleinen Leo „gut-fritzische“ Knabengesinnung und Bleisoldatenspiele behandelt. Hat der Verfasser von einer historischen Behandlung — der einzig richtigen Methode — abgesehen, so hat er doch auch sichtlich nicht den Wunsch gehabt, seine Darlesis aufzubauen. So bewegen sich denn auch die Ergebnisse des Buches ganz in der Sphäre dieser unbestimmten, unfruchtbaren Allgemeinbetrachtungen. Die Ergebnisse lassen sich erschöpfend in vier Thesen zusammenfassen: 1. Judenhaß sei nichts anderes als Menschenhaß. 2. Das Christentum sei eigentlich Judentum, und daher die Christen Juden und umgekehrt. 3. Die Antisemiten seien „Kranke, unglückliche Narren“ — diese 3 Epitheta kehren wohl an die 30 Male wieder. 4. Die Zionisten seien Schüler der Antisemiten, und daher ebenfalls „Narren“. An' den ersten beiden dieser Thesen erkennt man noch das Bestreben des Verfassers, sein Thema philosophisch zu behandeln. Nur kann man der Folgerung, daß der Judenhaß ewig dauern werde, (Seite 236), weil wegen der Unzulänglichkeit der menschlichen Natur der Haß unter den Menschen unausrottbar sei, nicht zustimmen. Vielmehr ist das eine so naive Verwechslung des T?auThallmcrier /iofUßferant München Thßatinßvfclö. QT

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