Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 46 (15.11.1918)
- Date
- 1918-11-15
- Page
- Seite 558 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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558 Das Jüdische Echo Nr. 46 Ein anderes Mal war der Täter ein Russe. Und wiederum klagte man des Diebstahls nicht den .Russen*, sondern den .Dieb* an. Findet man aber den Koffer bei einem Juden, so sagt man: .der Jude* und nicht .der Dieb* hat ihn gestohlen.“ Ich glaube, daß die Moral dieser Geschichte Herrn Chejssin und) ähnlichen Schreibern verständlich sein muß: von ihren Erzeugnissen wird man ja auch sagen können, daß sie nicht von bis zur Verdummung erbosten Menschen, sondern von „Juden“ geschrieben sind. Es wird sich wohl kaum jemand finden, der mich auf Grund des oben Gesagten für einen Antisemiten erklärte. Ich halte es für notwendig, gerade jetzt darauf hinzuweisen, da es wohl nirgends eines so feinen Taktes und moralischen Instinktes bedarf wie im Verhalten des Russen gegen den Juden und des Juden gegen die Erscheinungen des russischen Lebens. Das soll nicht besagen, daß es in Rußland Tatsachen gibt, die ein Tatare oder Jude nicht kritisieren darf; man soll aber nicht vergessen, daß jeder ungewollte Fehler — von bewußter Gemeinheit, auch wenn sie dem aufrichtigen Bestreben, den Instinkten der Straße entgegenzukommen, entspringt, schon gar nicht zu reden — nicht nur dem einen schlechten oder dummen Juden, sondern der ganzen Judenheit angerechnet werden kann. Man darf dies nicht vergessen, wenn man unter Menschen lebt, die fähig sind, über einen kranken und unglücklichen Menschen zu lachen. Polen. Jüdischer Soldatenrät. Warschauer Blätter bringen die Nachricht, daß 1400 jüdische Soldaten der österreichischen Garnison von Lublin einen jüdischen Soldatenrat bildeten. Die polnischen Offiziere forderten zunächst unter Androhung der Proviantverweigerung von den T”den den Eid für die polnischen Legionen trotz des ausdrücklichen Befehles, daß nur Freiwillige zum polnischen Heer genommen werden sollten. Andererseits verlangten auch die ukrainischen Offiziere die Unterstellung der Juden unter sie. Eine Versammlung, die von Hunderten von jüdischen Soldaten und Unteroffizieren mit blauweißen Kokarden statt der früheren Abzeichen besucht war, bildete einen Soldätenrat. Für den Fall eines Kampfes mit ruthenischem Militär würden sich die Juden neutral! verhalten. Jüdische Soldätenräte wurden ferner gebildet in Theresienstadt, Olmütz und Brünn. Die iudenfeindlichen Strömungen in Warschau. Wie aus Warschau berichtet wird1, erschienen dort an den Anschlagsäulen Plakate in Form von Todesanzeigen mit breiten schwarzen Trauerrändern, worin Personen namentlich bezeichnet werden, die Grundstücke an Juden verkauften. Auch die Namen der Käufer werden angegeben. Die Zettel erregen ungeheueres Aufsehen, da Namen aus der besten Gesellschaft genannt werden. Der jüdische Warschauer Kaufmannsverein richtete eine Denkschrift an die jüdische Gemeindeverwaltung, die ausführlich die antisemitische Hetze in Warschau schildert und die Gemeindeverwaltung auffordert, bei der Regierung Schritte zu unternehmen. Auf Vorstellungen der jüdischen Gemeinde hin sagte der Ministerpräsident ein energisches Einschreiten der Regierung zu. Die Warschauer jüdischen Blätter berichten von einer Volksversammlung, die das zionistische Zentralkomitee in Warschau veranstaltete. Zum Vorsitzenden der fünftausend Köpfe starken Versammlung wurde der jüngst aus Rußland zurückgekehrte Zionistenfühirer Podliszeski gewählt. Eine Entschließung verlangt Anerkennung der jüdischen nationalen Rechte und ein Anrecht auf die Schaffung eines jüdischen Volkslebens duf autonomer Grundlage. Ukraine. Der ukrainische Nationalrat und die Juden. Der ukrainische Nationalrat, der bereits in seiner ersten Versammlung und Proklamation die Anerkennung der jüdischen Nation ausgesprochen hat, ist an die zionistische Parteileitung in Lemberg mit der Aufforderung herangetreten, Vertreter der jüdischen nationalen Minorität in die zu schaffende Regierung des ukrainischen Staates zu entsenden. Königl. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Slidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier, München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 12. (238.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9. u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14. August 1918, 3. Klasse am 10. u. 11. Sept. 1918, *. Klasse am 8. u. 9. Okt. 1918, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1918. .lose In grofler Auswahl stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für V« V* V* Vi 8 10 20 40M Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen. 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