Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138418--02430-9075252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 45 Das Jüdisch« Echo 545 zende Mandelbaum der jungen Freunde, die im letzten Jahre auf dem Felde der Ehre ihr Blut dem Vaterlande geopfert. Besonders betrauern wir den Hingang des Rabbiners Professor Dr, Werner, der mit Wort und Tat Schule und Lehrer gefördert hat. Die Sorgen und Not des Krieges lasten mit doppelter Schwere auf dem jüdischen Lehrerstand, sie zu erleichtern, sei unausgesetzte Aufgabe der Verwaltung. In erfreulicher Weise seien auf drei Gebieten dank dem Zusammenwirken von Rabbinerkonferenz, Landesverein und Lehrerverein Erfolge zu verzeichnen. Die gemeinsame Hilfsaktion zugunsten der Religionslehrer und Kultusbeamten in den Kleingemeinden versetzt uns in die Lage, Kriegsteuer-ungszulagen von 250 bis 600 M. und Kinderzulagen von 100 M. zu bewilligen. Durch die Bereitstellung von 5000 M. durch den Landesverein und unsere eigene Unterstützungskasse können wir auch die Bezüge der Lehrerpensionisten, der Lehrerwitwen und -Waisen erhöhen. Eine lebhafte Agitation, gefördert von den Rabbinern, bewirkte den Zusammenschluß fast aller Kultusgemeinden zum Bayer. Versorgungsverband; endlich verheiße das kommende Volksschullehrer- und Schulbedarfsgesetz Gleichstellung der jüdischen Volksschullehrer. Vier Referenten sollten die Arbeit der letzten Jahre, das Erreichte und das zu Erstrebende darstellen. Translateur-Miltenberg sprach in tiefgründiger Weise über die rechtliche Stellung der Religionslehrer. Er ging von dem Gedanken aus, daß die Revision des bayerischen Judenedikts noch eine geraume Zeit dauern werde. Er kritisierte die bisherigen Methoden der öffentlichen Geldsammlungen für die israelitischen Religionslehrer und Kultusbeamten. Nachdem, der Berichterstatter über die allgemeine wirtschaftliche Notlage der Festbesoldeten während des Krieges und die ungenügende soziale Fürsorge des Staates gegenüber den Beamten und Lehrern sich verbreitet, schilderte er die unhaltbaren wirtschaftlichen Zustände der weitaus meisten Religionslehrer und Kultusbeamten in den mittleren und kleinen Gemeinden. Er machte Vorschläge über Zusammenlegung von mehreren Kultusgemeiniden zu leistungsfähigen Schul- und Kultusverbänden, den Ausbau der Religionsschule zu „Thoraschulen“ mit vollbeschäftigten Lehrkräften, über das Schächten und seine Verbindung mit dem Lehramte. Die vorgeschlagenen zwei Entschließungen an die Kgl. Staatsregierung und den „Landesverein“ wurden nach redaktionellen Abänderungen angenommen. Hingegen wurde der vom Referenten vorgelegte Normalvertrag abgelehnt. Dingfelder-München berichtete über die Entwürfe eines Lehrer- und Schulbedarfsgesetzes. Der Inhalt seiner Ausführungen wurde in diesen Blättern bereits wiedergegeben. Aus dem Referat von Stoll-Würzburg über den Bayerischen Versorgungsverband und die Reichs- Versicherung sei zur Aufklärung der Kollegen de’* Hauptinhalt hier wiedergegeben: Die Errichtung des Bayerischen Versorgungs- Verbands im Jahre 1916 bedeutet einen Lichtpunkt für die israelitischen Religionslehrer und Kultusbeamten. Dank der regen Aufklärungstätigkeit der Vorstandschaft unseres Vereins im Jahre 1917 haben sich ca. 65 Kultusgemeinden und 5 Anstalten dem Verbände angeschilossen und so ihren Beamten eine zeitgemäße Versorgung gesichert. Eine kleinere Zahl von Religionslehrern ist außerdem noch in Filialgemeinden nebenversichert. Diejenigen Gemeinden, welche den Anschluß im Jahre 1917 versäumt haben, können die Mitgliedschaft unter Nachzahlung der Beiträge seit 1917 noch erwerben; wollen aber frühere Dienstjahre des Beamten aufgerechnet werden, so ist für jedes vor dem Jahre 1917 zurückgelegte Dienstjahir der Jahresbeitrag nachzuzahlen. Die Reihe der Referate schloß Oppenheimer- Laudenbach. Er berichtete, über die Revision des Judenedikts von 1813 und führte aus: Die 30. Generäl-Versammlung am 30. August 1909 in Schweinfurt verpflichtete den israelitischen Lehrerverein für die Revisionsarbeit. Die Lehrerwünsche wurden dem kgl. Staatsministerium zugeleitet. Lehrer beteiligten sich eifrig auch an der Revisionsarbeit anderer Vereine. Dem Ministerium wurden Vorschläge mit einer Denkschrift am 9. Juli 1911 von dem Verein f.d.J.d.G.J. überreicht. In einer Audienz wurde eine baldige Gesetzesvorlage in Aussicht gestellt. Dann kam der Krieg. Er verschüttete die Revisionsarbeit O.-R.-Rat Seiler, der Referent für die Revision im Ministerium, starb den Heldentod Am 17. Februar 1917 antwortete der Minister dem Abgeordneten Günther, daß wegen des Todes dies Referenten Seiler vorerst die Revision nicht bearbeitet werde. Es schien, als ob Seiler die Revision wie eine heilige Reliquie mit in sein Heldengrab genommen hätte. Der Druck und die Notlage der bayerischen Kultusgemeinden und ihrer Beamten veranlaßte jedoch den Israelitischen Lehrer verein am 1. Februar d J. zu einer wohlbegründeten Bitte um Revision. Sie wurde dem Staatsministerium und den beiden Kammern des Landtags zugeleitet. Die Eingabe fand eine äußerst günstige Aufnahme. Der Minister sagte im Finanzausschuß eine erneute Aufnahme der Revisionsarbeit zu, wenn vorher die bayerischen Juden in den Grundfragen sich geeinigt hätten. Die Einigungsverhandlungen setzten ein und sind noch im Gange, Das Ergebnis einer Audienz von Vertretern der Rabbinerkonflerenz, sowie ihre brieflichen Ausführungen an den Referenten fanden bei der Versammlung ein lebhaftes Interesse. Desgleichen fanden die Mitteillungen des Vertreters der Groß- und Mittelgemeinden mit ihrer Sympathie für die Lehrer eine warme Aufnahme bei den Zuhörern. Der Referent schloß mit Worten der Zuversicht auf ein baldiges Gelingen des Revisionswerks. In einer lebhaften Aussprache über die Referate klang als Grundton die Zustimmung zu den Bestrebungen der Verwaltung und die Hoffnung durch, daß in friedlichen Zeiten auch dem jüdischen Lehrerstand ein besseres Los bescheert sei. Einzelne Anfragen wurden durch Vorstand und Referenten beantwortet. Mit FriedensKvünschen schloß in später Stunde der Vorsitzende die inhaltsreiche Tagung. S. Dingfelder, Schriftführer. Gorky und die Judenfrage. Unter dem Titel „Ein Jahr Russische Revolution“ bringen die „S. M.-H,“ in ihrem Oktoberheft eine Zusammenstellung von Aufsätzen des russischen Dichters Maxim Gorky aus seiner Zeitung „Nowaja Shisn“. Wir glauben, daß folgende, die Judenfrage betreffenden Artikel das besondere Interesse unserer Leser verdienen: Juden. 18. Juni 1917. Die Gleichberechtigung der Juden ist eine der schönsten Errungenschaften unserer Revolution. Indem wir den Juden dem Russen gleichstellten,