Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 45 (8.11.1918)
- Date
- 1918-11-08
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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544 Das Jüdisch« Echo Nr. 45 Sie jülgcmcine lübiit Smnlicnljnue * „S(tKnrc=3cl!tlf {«Ittufnltra Örgöttifötion rein europäifd) 3folierf)öufer für Slnftecfcenbe #ödjfte Slnerfcemtung aller ^Beprben Sfofnaljme unterfcf)tebsIos für 5Ule 3Ran forbere bie $3ebtngungen ein. bittet für feine _ ©efcbäftsleitung: S'ranhfurta.951 <Poftfcbecfehonta 9tr. 7785 3rhft. a. 9Jt. ftält fidi für aewiffenbafte Uebernabme non Stiftungen empfohlen! betten - 3immer - 3af>räeit - ©cbcnfetafel - Stiftungen Briefe m rieten nach SRäberbergmeg 63. lOsigkeit war, machte sich bekanntlich weder den einen, noch den anderen Standpunkt zu eigen. Ohne den nationalstaatlichen Anspruch anzuerkennen — was ja die Preisgabe der 600 000 Deutschen Polens bedeuten würde — hatte man doch für die Rechtsforderungen der polnischen Volksminderheiten nichts übrig und glaubte im übrigen, für die deutsche Minderheit gesetzgeberische Sondermaßnahmen durchsetzen zu! können. Wie sehr diese Auffassung der Dinge auf einer völligen Verkennung des wahren Charakters der Deutschensowohl wie der Judenfrage Polens beruhte, lag auf der Hand. Auf den organischen Zusammenhang des Juden- und Deutschenproblems Polens haben Männer wie Georg Cleinser und Professor Kranz, deren deutscher Patriotismus sich wenn auch nicht mit Verständnisinnigkeit für Art und Recht der anderen, so doch mit einigem Sachwissen paart, längst hingewiesen. Gemeinsam war (und ist) dem Juden- und Deutschenhaß der Polen jener wirtschaftlich-soziale Urgrund, der wenn auch nicht seine einzige, so doch die Wichtigste und unerschöpfliche Nährwurzel bildet. Die wirtschaftlich-soziale Vormachtstellung des jüdischen und deutschen städtischen Mittelstandes rief bereits in den 80er Jahren jene gegen beide Volksgruppen zugleich gerichtete Bewegung, wie sie deren Vertreter und erster Führer, Jan Jelenski in seiner programmatischen Hetzschrift „Juden, Deutsche und wir Polen“ zum ersten Male propagierte, ins Leben. Den deutschen amtlichen Kreisen, die sich der Erkenntnis des wahren Sachverhalts verschlossen, bleibt eine herbe Enttäuschung nicht erspart. Es wird augenblicklich — und Kenner der Verhältnisse wissen, daß es schon früher der Fall war — in gleicher Stärke gegen die Deutschen wie gegen die Juden gehetzt,, und deutsche Zeitungen wußten jüngst von richtigen Pogromhetzen und Pogromversuchen gegen die Deutschen Polens zu berichten, die offenbar mit der gegenwärtig gegen die Juden entfesselten Bewegung Hand in Hand geht. Es vermag wohl nichts den völligen Zusammenbruch der amtlichen deutschen Polenpolitik so deutlich zu illustrieren, wie gerade diese Vorgänge. Indessen, diesen Betrachtungen kommt in diesem Augenblick nur noch historischer Wert zu. Der Abbau der Okkupation ist in vollem Gange, und deren völlige Aufhebung ist wohl nur noch eine Frage der nächsten Wochen. Die nunmehr unmittelbar bevorstehende Friedenskonferenz wird für die Polen- und die Judenfrage — so es die Schicksaisironie will, auch für die Deutschenfrage — eine hoffentlich gerechte Lösung finden. _ , _ Hier wird die Tat der Juden Amerikas und Englands Einsetzen müssen. Die Vertuschungs- und Beschönigungsversuche, die die Wortführer der Polen mit verdoppelter Kraft in der Entente-Öffentlichkeit bald unternehmen werden, werden an der wirksamen Aufklärungsarbeit und dem unverbrüchlichen Solidaritätsgefühl der Juden dieser Länder schmählichl scheitern, dessen sind wir gewiß. Der Kabel, der Wilsons Freiheitsbotschaft nach Warschau brachte, wird die Stimme des vergossenen Judenblutes nach den Küsten der Neuen Welt tragen. Sie wird einen mächtigen Widerhall finden. Einen ganz anderen als die Warschauer Herren vielleicht glauben. Auch der eifrigste Verfechter der polnischen Freiheit wird sich nunmehr, nach den blutigen Ereignissen der ersten Warschauer Freiheitstage, der Erkenntnis nicht mehr verschließen können, daß die Judenfrage Polens keine „innere Angelegenheit“ sei. Die Zukunft des jüdischen Zweimillionenvolkes, wie die der anderen Volksminderheiten Polens, der Deutschen eingeschlossen, kann nicht mehr in die Hände der Polen gelegt werden. Der Wege und Mittel zur völkerrechtlichen Sicherung der bürgerlichen und nationalen Minderheitsrechte in Polen — wir erinnern hier nur an einen, bereits vor Jahren vorgeschlagenen Modus des Reichstagsabgeordneten G o t h e i n in seiner Schrift „Das selbständige Polen als Nationalitätenstaat“ — gibt es nicht wenige und darunter sehr wirksame. Die Sicherstellung der verfassungsmäßigen Grundrechte der Minderheiten, die Gothein dem Haager Schiedsgerichtshott anvertrauen möchte, wird nunmehr Sache des Völkerbundes sein, in dem — der Antrag von jüdischer Seite hat bereits allseitige Zustimmung in den Ententeländern gefunden — auch das jüdische Volk vertreten sein wird. Die Rechnung auf unsere Ohnmacht wird sich bald als eine falsche Rechnung erweisen. Die Freiheitspogrome in Polen werden rruchte tragen. i 36. Generalversammlung Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern. ~rh(X t püri, d ^naen sich uber hundert iuaih Bayerns in Würzburg zu einer 2 bot fhnp^f 6m' f?frr Rabbiner Bamberger entbot ihnen warme Worte der Begrüßung. In seinem Rechenschaftsberichte gedachte der Vorsit-