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Das jüdische Echo · 1918-10-25 · 43 (25.10.1918) · p. Seite 525

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
Seite 525 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43 Das Jüdisch« Echo 525 allen erstrebte Volljudentum zu erreichen, aber sie sollen auch nicht Gelegenheit haben sich berechtigterweise darüber zu beklagen, daß sie gewissermaßen nur toleriert sind. Wenn wir die vorhin verlangten Konzessionen an das Ritualgesetz machen, so soll1 das nicht nur geschehen, um die Orthodoxen nicht zu kränken, sondern aus Liebe für die Sache selbst und um des Prinzips willen. Ich habe ja schon eingangs erwähnt, daß wir Kraft und Fähigkeit für Neuschöpfungen, wenn sie von jüdischem Geist umweht sein sollen, nur aus der uralten und richtig verstandenen Tradition schöpfen können und daß es mir daher nötig erscheint, mit den Pflegern der Tradition in engeren Konnex zu treten. Ich glaube, wir können das ruhig tun, ohne für die Lebendigkeit bezw. die Lebenskraft unserer Ideale fürchten zu müssen. In unserem Kreis ist kein Raum für Verknöcherungen. Die freie Luft, die uns draußen in Wald und Flur umgibt, fegt alles, was nicht lebenskräftig ist weg, was aber frisch ist, schlägt Wurzeln, entwickelt sich und wird seinerzeit Früchte bringen.“ Palästina. Die Misrachi. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Die Misrachiorganisation (die Federation der orthodoxen Zionisten) in Palästina formt heute das Band zwischen allen orthodoxen Elementen im Lande. Täglich werden neue Vereine gegründet. An der Spitze der Organisation steht der Chacham Baschi von Jaffa, Rabbiner Ben Zion Usiel. Auch die Schulen der Misrachi entwickeln sich in befriedigender Weise. Die größte Schule ist die Tachkemoni, die 10 Klassen enthält und unter Leitung des Talmudisten Rabbiner Josef Seliger aus Lemberg steht. Polen. Jüdische Bestrebungen in Polen. Von der Warschauer jüdischen Presse schreibt das Zionistenbl'att „Haint“: Die Worte des Regentschaftsrates an das Polenvolk haben in noch viel höherem Maße für das jüdische Volk Geltung. Alles Trennende mag jetzt verschwinden vor dem starken Rufe: Ein Heim für das jüdische Volk in Palästina und verbürgte bürgerliche und nationale Rechte in allen Ländern, wo Juden wohnen! Wir glauben fest, daß die Unterdrückung der Juden beendigt wird durch ein Wahlgesetz für die Konstituante. Davon hängt es ab, ob die Politik der Nichtberücksichtigung eines Zweimillionenvolkes, welches das staatliche Leben Polens miterlebte und unter demselben Druck litt, aufhören soll. Der nationalistische „Moment“ veröffentlicht dazu den Beschluß der Volkspartei, in der die Juden als die am meisten rechtlose und unterdrückte Nation für sich das gleiche Selbstbestimmungsrecht wie alle anderen Nationen fordern. Im wiederhergestellten Polen verlangten die Juden für sich nationalpolitische Autonomie. Bei den Wahlen zur Konstituante sei dten Juden die nationale Kurie zu gewähren. In das Koalitionsministerium wollen die Juden Vertreter schicken. Das orthodoxe jüdische „Wort“ befaßt sich in diesem Zusammenhang mit der zionistischen Anregung, eine zwischenparteiliche nationale Vertretung der Judenschaft zu bilden, einem Plan, den das Blatt ablehnt, da er im wesentlichen die Durchführung national-jüdischer Gedanken ) bezwecke. Auch liege darin eine Nichtachtung der Zuständigkeit dler zu wählenden neuen Gemeindeverwaltung, welche ja die erste jüdische Vertretung in Polen mit bestimmten politischen Verpflichtungen sei. Die von seiten der Assimilanten betriebene Verschiebung des Wahltermins wird nach dem jüdischen „Wort“ bestritten. Indessen berichten auch „Haint“ und „Moment“, daß die Okkupationsbehörden die Entscheidung über den Wahltermin der Gemeindeverwaltung anheimgestellt hätten. Aus aller Welt. Die Orientfrage. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag meldet: Die englische Presse bespricht die Adressen, die von den Armeniern, Syriern und Zionisten Lloyd George überreicht wurden. Der „Daily Telegraph“ schreibt: „Die Haltung Englands gegenüber dem Nationalitäten im Orient ist eine der bedeutsamsten Angelegenheiten des Krieges. Durch Festhaltung der in Palästina und Mesopotamien erreichten Resultate nehmen wir eine Haltung an, die wir aus moralischen Gründen nicht mehr aufgeben dürfen. Niemand in den alliierten Ländern wird der deutschen Forderung zustimmen können, daß Palästina und Mesopotamien den Türken zurückgegeben wird. Palästina-Pioniere in Holland. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag wird geschrieben: Die landwirtschaftliche Pionierbewegung „Hechaluz“ hat, wie in ganz Europa und in Amerika, auch in Holland einen viel versprechenden Anfang gemacht. Die jüdische Jugend brennt überall vor Ungeduld, um ins Land ihrer Väter zurückzukehren und die jüdischen Besitztitel durch jüdische Bearbeitung des Bodens zu erneuern. Die Berichte aus dem schwer heimgesuchten Palästina enthalten manch Erfreuliches undl zwar das tapfere Standhalten der jüdischen Kolonisten auf ihren Faktoreien, und ihre geradezu glänzenden Ernte-Erfolge. Die jüdischen Kolonien bilden das Entzücken der englischen wie auch der deutschen Offiziere. In allen deutschen Orient- Zeitschriften stößt man fortwährend auf die Mahnung an die Adresse der türkischen Regierung, die jüdische Kolonisation in Palästina kräftigst zu unterstützen, da die jüdischen Kolonien die wenigen mustergültigen landwirtschaftlichen Betriebe im ganzen türkischen Reiche bilden. Theoretisch war die jüdische Kolonisierung Palästinas eigentlich ein Unding. Alle Fachleute haben ihr auch keine große Zukunft vorausgesagt. Aus Stadtmenschen Bauern machen? Und gar aus jüdischen Stadtmenschen, die seit Jahrtausenden der Scholle entwöhnt sind! Fast alle Gutachten haben sich dagegen ausgesprochen. Doch der ungestüme Drang zur urväterlichen Scholle hat alle Theorie über den Haufen geworfen und ließ in Palästina landwirtschaftliche jüdische Siedlungen entstehen, die geradezu mustergültig sind. Nun hat die landwirtschaftliche Pionier- Bewegung unter der in Holland weilenden ostjüdischen Jugend starke Wurzel gefaßt. Seit dem Frühjahr arbeitet eine Gruppe von jungen Leuten in Devanter in verschiedenen „Kweekeryen“ als gewöhnliche Landarbeiter, um sich die Methoden der intensiven holländischen Bodenbearbeitung anzueignen um Musterkolonisten in Palästina abzugeben. Die schnelle Anpassung an die ihnen

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