Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 43 (25.10.1918)
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 526 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138415--02409-9075231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
526 Das Jüdisch« Echo Nr. 43 ungewöhnliche Erdarbeit ist geradezu erstaunlich. Noch erstaunlicher ist die frohe Stimmung, die in ihrem Kreise herrscht. Feuilleton Der Rabbi von Rothenburg. Novelle von David Feucht ,vang. (Fortsetzung.) Im Mittelalter war Rothenburg ein Verkehrsmittelpunkt zwischen Thüringen, Franken und Schwaben, hier führten die Straßen durch, die Augsburg, Würzburg und Frankfurt verbanden, diese alten, kraftvollen Patrizierstädte mit ihrer großen Kultur und Überlieferung, die auch als Judengemeinden von altem Ruhme bedeckt waren. Schon von der Ferne kündete sich dem Wanderer das kleine Wunder an. Türme und/inanen ragen von der /festen Stadtmauer empor, durch die zahlreiche Tore und Bögen in das Stadtinnere führen. Robuste und massive, schlanke und zierliche Mauerkronen grüßen aus der Ferne. Dröhnend klingt der Tritt im hallenden Bogen des prächtigen Tores, durch das wir die Stadt betreten. In dem Straßengewirre hängt das Äuge mit Entzücken an schlanken Giebeln rotgedeckter Häuser, wunderlichen Erkern und Türmchen, krausem Schnörkelwerk vielverschlungener Gitter und Guckfenster, Dachraufen von abenteuerlicher Gestalt Galerien und Treppen auf und ab, Brunnen, von wunderschönen Figuren bekrönt mit zierlichen Auslaufröhren, reichgeschmückten Bassins und Trögen. An den vornehmeren Häusern prangen farbenreiche Wappen und Werkmeisterzeichen der Zünfte; Inschriften und Kernsprüche künden den Ruhm von Helden und Fürsten. Und betritt man ein Haus, dann gewahrt man zauberisch-traumhafte Höfe mit uralten Bäumen, die auf Veranden und Wendeltreppen niederrauschen und mit Ästen und Zweigen weitschattend in Galerien, Söller und schnörkelumrankte Fensterlein langen. Doch siehe da! Plötzlich halten wir stille: einige uralte Häuser ziehen unsere Aufmerksamkeit besonders auf sich; sie tragen hebräische Inschrift und in die steinernen Seitenpfosten ist in eine Vertiefung die Mesusah eingelassen. Man merkt es. Die Häuser führen zur langen, schmalen Judengasse mit ihren Nebensträßlein; und dieses Haus hier inmitten der Hauptstraße, das sich durch besondere Stattlichkeit hervortut und mit seinem Giebel über die Nachbarn emporragt, ist ist die „Schul“, das Bet- und Lehrhaus mit dem Rabbinerhause. Und dort das Haus am „weißen Turm“ mit der schönen Pforte und der zierlichen Schelle und dem Fensterfachwerk ist das Judentanzhaus. Man sieht: hier ist eine alte Siedlung der Juden; hier herrschen Ordnung, Wohlstand und Ruhe. Die Judenniederlassung in Rothenburg entwickelte sich parallel mit dem Emporblühen der Stadt, die im Anfang des fünften Jahrhunderts durch den sagenhaften Herzog Pharamund gegründet und im neunten Jahrhundert als Grafschaft genannt wird. Mächtige Geschlechter herrschen hier; um 900 wird Rothenburg Stadt und Rudolf von Habsburg erhebt es um 1270 zur freien Reichsstadt. Dieser Kaiser hat Rothenburg besondere Gunst erwiesen und es reichlich mit Privilegien und Rechten ausgestattet, die den Reichtum und Wohlstand mächtig hoben. Auch die Judengemeinde erblühte um diese Zeit. Di© Juden bewohnten ein eigenes Stadtquartier. Das war aber kein dumpfiges Ghetto, sondern ein wohlgebautes Viertel mit blanken Häusern und wohlgepflegten Straßen. Um so zufriedener waren seine bescheidenen, frommen Bewohner, die sich still und zurückgezogen des ansehnlichen Glücks freuten. Natürlich waren sie Kammerknechte, wie alle Juden damaliger Zeit. An die Plackereien und Unbilden, welchie diesem Verhältnis erwuchsen, waren sie genug gewöhnt, um nicht mehr darüber zu klagen. Die ruhigen Jahre waren doch nur Galgenfristen. Man lebte trotz der verhältnismäßig guten Zeiten auf vulkanischem Boden, der in jedem Augenblick seinen Rachen öffnen konnte. Als Rabbi Me'ir in Rothenburg einzog, herrschte jedoch allerwegen Ruhe und Frieden. Mit Jubel wurde der Rabbi begrüßt. Er bezog das stattliche Rabbinerhaus, in welchem er eine herrliche Wohnung innehatte, die einen eigens für den Sommer hergerichteten Trakt besaß. Benötigte er doch für alle Gelasse, wie er selber erzählte, vierundzwanzig Mesusoth. Er hatte einen Speisesaal, sein Lehrzimmer und für die intimsten Schüler eigene Wohnung. Rothenburg wurde mm der Brennpunkt des jüdischen Lebens in Deutschland. Aus allen Gauen strömten Schüler in hellen Scharen herbei. Meirs Ruhm wuchs stetig an; er ward bald als der größte Talmudkenner und Gesetzeslehrer seiner Zeit gepriesen und als geistliches Oberhaupt der deutschen Juden betrachtet; auch in Frankreich anerkannte man ihn als erste Autorität. Anfragen ausi der ganzen jüdischen Welt wurden 'än ihn gerichtet, den man „die Wonne und den Glanz der Zeit“, „den Führer und Richter, Pfadfinder und Weisheitsquell, den Schatzgräber und rettenden Engel, die Leuchte des Exils“ nannte. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsore Laser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus de* melnden und Vereinen und von Personalnaohrlehten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.) Zionistische Ortsgruppe München. An die Reihe der auswärtigen Referenten, die wir in letzter Zeit hier sprechen hören durften, schloß sich in der vorigen Woche Dr. Artur Hantke an, der am Dienstag vor geladenem Publikum sich über die gegenwärtige Lage der Juden verbreitete und am Mittwoch in öffentlichem Vortrag über „Jüdische V o 1 k s p o 1 i t i k“ sprach. Der Redner erläuterte und begründete die Hauptziele jüdischer Gegenwartspolitik: die Forderung der nationalen Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechtes für die Juden im Osten, bezw. für all die Länder, wo eine jüdische Masse vorhanden ist, einerseits und die Wiedergewinnung Palästinas für das jüdische Volk andererseits. Die während des Krieges aufgetauchte Idee von dem Selbstbestimmungsrecht aller Völker und das Interesse, das heute die ganze Welt der Ostjuden- und Palästinafrage ent- Blutarmut u. Nervenleiden bekämpfen viele Ärzte seit Jahren erfolgreich mit Dr. med. Pfeuffers Hämoglobin v°o Iable*te" 150 und 2.50, Extrakt 2.50 und 4.50, Hämatogen 3.50 und Nerventabletten 2 50, zu beziehen durch alle Apotheken. Hämoglobinfabr. Dr.med.Pfeuffer, München, Auenstr. 12