Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 42 (18.10.1918)
- Date
- 1918-10-18
- Page
- Seite 512 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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512 Das Jüdisch« Echo Nr. 42 mm örganifation rein europäifd) Sfolierfjüufer für Anfieckenbe bittet für feine ©efdjäftslettung: Frankfurt a. At SRnftfcheckhonto 9tr. 7785 S'rkft. a. 3)1. #öcf)fie Anerkennung alter 3$el)örben Aufnahme unterfcbiebslös für Alle 23lan forbere bie SSebittgungcn ein. #ält fidj für gewiffenliafte Uekcrnabme twm Stiftungen empfohlen! betten — 3itnmer — Soweit — ©cbenktafel — Stiftungen Briefe ju ricfjten nadj 9töberkergn)eg 63. Die Zionistische Kommission besucht zurzeit die Kolonien Nordpalästinas. Sie fand die Lage in Chedera und Sichron verhältnismäßig günstig. Es sind iedochi Geldmittel zwecks Ausbesserung der Farmen und sonstigen Eigentums und zwecks Wiederanschaffung von Vieh notwendig. Ferner sind große Beträge für die Repatriierung der Evakuierten nötig. Ays aller Well. Was wird mit den beßarabischen .lüden? Die Nachrichten, die aus Rumänien über das Schicksal der beßarabischen Juden zu uns gelangen, geben zu höchster Beunruhigung Anlaß. Obwohl die Angliederung Beßarabiens an Rumänien weder durch den Bukarester Friedensvertrag noch sonst durch irgend eine europäische Großmacht anerkannt ist, benehmen sich die Rumänen in Beßarabien bereits als die unumschränkten Herren des Landes. Die Schreckensherrschaft des rumänischen Militärs in der ersten Zeit der rumänischen Okkupation haben nunmehr „Maßnahmen“ der rumänischen Regierungsgewalt abgelöst, die darauf hindeuten, daß es in der Absicht der rumänischen Regierung liegt, den Beßarabien bewohnenden Nationalitäten — natürlich mit Ausnahme der rumänischen — jene Rechte wieder zu entziehen, die sie bereits als Frucht ihres nationalen Strebens unter russischer Herrschaft erlangt hatten. Die Verordnungen, die die rumänische Regierung seit dem Bukarester Friedensvertrag für die Bevölkerung Beßarabiens erlassen hat, bringen deren nationales Selbstbestimmungsrecht ernstlich in Gefahr. So hat die rumänische Regierung vor einigen Tagen beschlossen, die Gymnasien und Lycieen in Beßarabien fast völlig zu rumänisieren, indem sie festsetzte, daß die rumänische Sprache und eine Anzahl anderer Unterrichtsgegenstände ausschließlich von Lehrern rumänischer Nationalität in rumänischer Sprache gelehrt werden dürfe. Daß in Rumänien bereits Kräfte am Werke sind, der Autonomie Beßarabiens ein Ende zu bereiten, zeigen manche Stimmen der rumänischen Presse. So veröffentlichte vor einiger Zeit ein bekannter rumänischer Politiker J. Gradisteanu in der Jassyer Zeitung „Evenimentul“ einen Aufsatz, in dem er gegen den „Partikularismus“ Beßarabiens auftritt, den er als nicht gerechtfertigt bezeichnet. Er rechnet sich aus, daß eine Gefiigigmachung der beßarabischen nichtrumänischen Bevölkerung, die bekanntlich 880 000 Seelen beträgt, viel besser bewirkt werden kann, wenn das Land ohne Rücksicht auf diese1 ansehnlichen Minoritäten Rumänien vollkommen einverleibt und das um Beßarabien vermehrte Rumänien als Nationalstaat behandelt und regiert werden würde. Unter den 800 000 beßarabischen „Fremden“ sind diesem Politiker besonders die Juden, die die größte unter diesen Minoritäten darstellen, ein Dorn im Auge, da sie von den „in ihrem Nationalismus noch sehr rückständigen“ Rumänen Beßarabiens nur mit großen Schwierigkeiten „aufgesogen“ werden könnten. Auch andere rumänische Blätter wissen ihren Haß gegen die beßarabischen „Fremden“ kaum zu zähmen. So ergeht sich das rumänisch-nationalistische Propagandaorgan in Kischinew „Romania Nona“ tagtäglich in Lobeshymnen auf das Haupt der rumänischen antisemitischen Partei Cuza und in gehässigen Ausfällen gegen die jüdische Bevölkerung. Auf solche Weise glaubt das von der rumänischen Regierung bestellte Blatt, dessen Redaktion von als besonders wütenden Antisemiten bekannten Einwanderern aus Siebenbürgen geleitet wird, die rumänische Nationalistenpartei in Beßarabien zu stärken. Bezeichnend ist es auch, daß die rumänische Postzensur in Beßarabien jegliche Korrespondenz in jidischer Sprache verboten hat. Obwohl Kenner der rumänischen Verhältnisse keinen Augenblick daran gezweifelt haben, daß im Falle eines endgültigen Anschlusses Beßarabiens an Rumänien die Autonomie Beßarabiens ^vernichtet werden würde, so setzt doch diese rumänische Haltung, deren Ziel ja klar ist, die politischen Fähigkeiten der rumänischen Machthaber in ein besonderes Licht. Durch eine derartige Behandlung der nichtrumänischen Elemente Beßarabiens liefert Rumänien das unzweideutigste Zeugnis dafür, daß es unfähig ist, die beßarabische Frage durch! eine Angliederung des Landes an sein Gebiet zu lösen. Zusammen mit den beßarabischen Ukrainern, Bulgaren und Russen, die dieser Vernichtungspolitik Rumäniens zum Opfer fallen würden, erheben auch die Juden Beßarabiens den heftigsten Protest gegen eine solche ..Einverleibung“. Unter diesen Umständen wird die von den Rumänen gewünschte Lösung des beßarabischen Problems auf den heftigsten Widerstand der an den allgemeinen Friedensverhandlungen teilnehmenden Völker stoßen und das jüdische Volk hat allen Anlaß, diesen Widerstand durch seinen festen Willen, seine Volksgenossen in Beßarabien nicht der brutalen Gewalt Rumäniens auszuliefern, noch wesentlich zu stärken. Über die kulturelle Lage der Juden in Litauen. Unter dem Titel „Di naje behole“ schreibt Ben ^4757694