Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-10-18 · 42 (18.10.1918) · p. Seite 510

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
42 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
Seite 510 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138414--02392-9075214
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

510 Das Jüdische Echo Nr. 42 Ärabische Pressestimmen über den Zionismus. Die amerikanische Zeitung „The Jewish Correspondent“ hat an alle in Amerika erscheinenden arabischen Zeitungen eine Rundfrage über die Stellungnahme der Araber zur Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina gerichtet und eine Reihe von Antwortschreiben erhalten. Der Redakteur der Zeitung „Al-Fatat“ schreibt: „Wir glauben zuversichtlich, daß die Alliierten den Krieg gewinnen werden, daß ihr Sieg den Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit, für die sie kämpfen, Geltung verschaffen wird, und daß sie ihr Versprechen an die kleinen und unterdrückten Völker erfüllen werden. Wir leben in der Hoffnung auf die Verwirklichung dieser Prinzipien, und es wird sicherlich für uns eine Freude sein, ein Volk als Nachbarn zu haben, mit dem wir so viel gemeinsam haben, und Hand in Hand mit ihm am Aufbau einer glorreichen Zukunft unseres Landes zu arbeiten.“ Der Redakteur der Zeitung „Al-Flatat“ schreibt: „Als ich in Syrien war, war ich ein Freund des Zionismus, weil die Juden ein energisches Volk sind, und weil sie das verwüstete Land wieder aufbauen. Ich hoffe, daß die Alliierten nach dem Kriege nicht ein Königreich dulden werden, das auf einer religiösen Körperschaft basiert, sondern daß sie die Errichtung einer Republik mit gleichen Rechten für alle Nationalitäten begünstigen werden.“ In unfreundlichem Sinn äußert sich dagegen der Herausgeber der syrischen Wochenschrift „Fatat Boston“. Als Gründe für seine ablehnende Haltung führt er an: 1. Die Vorstellungen der Zionisten über die ökonomische Kapazität Palästinas sind übertrieben, und die Zionisten scheinen die Forderungen und Interessen, delr Landeseinwohner zu ignorieren, oder sogar deren Existenz in ihren Plänen auszuschließen. 2. Wir glauben an das vom Präsident Wilson verkündete und von den alliierten Regierungen gebilligte Recht jeden Volkes auf Selbstbestimmung. Daher können wir kaum annehmen, daß die alliierten Regierungen die Errichtung eines künstlichen Staates entgegen den Gefühlen und Wünschen der Handelsbevölkerung unterstützen werden. 3. In Palästina ringen die drei großen Religionen um die Vorherrschaft; das einzige wirksame Band zwischen ihnen ist ein kulturelles, vermittelt durch die arabische Sprache und Literatur. Die zionistische Bewegung ist nicht geeignet, ein solches Band zu festigen. 4. Die einzige Daseinsberechtigung des Zionismus ist nach unserer Ansicht eine religiöse. In einer Zeit, da religiöse Toleranz von allen zivilisierten Völkern als wesentlich für den Fortschritt angesehen wird, scheint uns die zionistische Bewegung daher ein Zurückgleiten in die Vergangenheit zu sein. Die Errichtung eines Staatswesens auf religiöser Grundlage würde nur die Streitigkeiten wieder aufleben lassen, die wir in Palästina auszurotten bemüht sind. Unsere Haltung gegenüber den Juden, die in Palästina wohnen, ist eine freundnachbarliche... Wir hoffen, daß die zionistische Bewegung ihre Energien mehr auf die Wiederbelebung einer semitischen Kultur richten wird, die in der Vergangenheit in gleicher Weise von Juden und Arabern entwickelt wurde, als auf die Errichtung eines neuen Staatswesens.“ Freundlicher schreibt der Herausgeber der Zeitung „As-Sayeh“: „Es wäre nicht richtig, Palästina von Syrien zu trennen. Ich habe nichts gegen die Juden in Palästina zu sagen, aber es ist nicht richtig, sie Juden zu nennen, weil sie eben Syrier sind. Natürlich müssen sie volle Gleichberechtigung in unserem Lande haben, und wo sie in der Majorität sind, müssen sie auch lokale Autonomie haben. Ich möchte Syrien als eine große Republik sehen, aber meiner Meinung nach ist das Land noch nicht reif für eine solche Regierungsform. Ich würde daher vorziehen, Syrien und Palästina unter dem Protektorat der Alliierten zu sehen, am liebsten Frankreichs, weil dieses Land mehr Interessen in Syrien hat, als irgend eine andere Macht.“ Österreich. Von der Palästinaabteilung des österreichischen Zionistischen Zentralkomitees. In der ersten Sitzung des vor kurzem gegründeten Arbeitskreises der Palästina-Abteilung des österreichischen Zionistischen Zentralkomitees wurden eine Reihe von Referaten erstattet und Vorschläge zur weiteren Behandlung geprüft. Für die medizinischen Fragen wurde ein Referent bestellt, dessen Vorschläge volle Zustimmung fanden und der zunächst eine Fachgruppe der zionistischen Ärzte bilden wird. Weitere Fachgruppen sind in Vorbereitung. Herr Dr. Steiner legte Entwürfe für eine Kolonisationsgesellschaft und eine I n d1 u s t r i e g e s e 11 s c h a f t vor, deren Grundzüge genehmigt wurden. Ein Komitee von Kaufleuten und Juristen wird die weiteren Schritte zur Gründung der Gesellschaften unternehmen. Dr. Goldhammer referierte über die Vorbereitung von Achusoth, Palästinakursen und eines Führers durch die Palästinaliteratur. Zur Gründung einer <9rö{jte,fägt.2maf erfdjeinenbe 3eifung ©üb* unb Vliftefbeutfch* fanbö. ftauffräftigerTcferfreiä unb über SDeutldjlünbejtSrenjen hinauf gehenbe Verbreitung. ©rojjerfauf* mann. u. getperbf.6teffenmarft SInerfannt fel)r erfolgreich für Sinnigen aller Sirt. Sinnigen* preis unb 2Racf?ta^ nach Sarif. Vesugctyrete monatf. Vtf.2.—bei affen beutfdjen poftanftaften JW~2:äglid?e2Iufiage 2mal löooooÖiempfare/UberVjOTiUion.Cefer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.