Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-10-18 · 42 (18.10.1918) · p. Seite 509

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
42 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
Seite 509 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138414--02391-9075213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 42 Das Jüdische Echo 509 Straus-München. Dr. J. BambeTgeNNürnberg, Herr Willard - Stuttgart, Dr. Wolff - Günzenhausen. Herr Stern-Wiesbaden, Frl. Ellern-Nürnberg u. a. Frl. Rosenblatt-Würzburg ersuchte um Delegierung von Rednern nach Würzburg, worauf sich der Vorstand der Ortsgruppe Nürnberg hierzu bereit erklärte. Das Schlußwort hatte Herr Jakob Reich-München. Aus der Versammlung wurden folgende Anträge gestellt, welche einstimmig angenommen wurden. 1. Die zum süddeutschen Gruppenverbandstag zu Nürnberg vereinigten Zionisten sprechen dem E.A.C. ihren Dank für die erfolgreiche Tätigkeit aus. 2. Es wird den sämtlichen bayerischen und württembergischen Zionisten empfohlen, das „Jüdische Echo“ zu abonnieren und für dessen Verbreitung Sorge zu tragen. Die einzelnen Ortsgruppen sind verpflichtet, auf den Vollzug dieses Beschlusses hinzuwirken. 3. Es sollen Referate verteilt werden über diejenigen Fragen, die für die bevorstehende Friedensarbeit von besonderer Bedeutung sind. So: „Jüdische Volksschule“, „Palästinahilfstätigkeit“, „Aufklärungsredetätigkeit“. Zur Übernahme dieser Referate haben sich die Herren Dr. Bamberger, Dr. Wolff und die Vorstände des Gruppenverbandes bereit erklärt. In die Vorstandschaft des Gruppenverbandes wurden gewählt: die Herren Jacob Fränkel (Vorsitzender), Dr. E. Straus und Herr Reich aus München; Dr. Nußbaum und Dr. Bamberger aus Nürnberg; Herr Willard aus Stuttgart. Mit einem Dank an die Versammelten schloß Herr Jakob Fränkel die Tagung. An den Gruppenverbandstag schloß sich abends ein gemütliches Zusammensein der Zionisten im Cafe Habsburg an, bei welcher Gelegenheit 10 Bäume auf den Namen des Herrn Dr. Hantke gestiftet wurden. Recha Ellern. Über die antisemitische Hgitation, die gegenwärtig in Deutschland in bedenklicher Weise sich breit macht, äußerte sich auf dem dieser Tage stattgefundenen Parteitag der bayerischen Sozialdemokratie der 1. Vorsitzende des Landesvorstandes, E. Auer, München, folgendermaßen: „Gestatten Sie, daß ich nun auf eine Frage eingehe, die, wie mir scheint, jetzt schon eine wesentliche Rolle spielt, dlie aber nach 'allem Anschein nach dem Kriege noch weiter von Bedeutung sein wird. Es ist das die antisemitische Agitation. Aus verschiedenen Orten Nord- und Südbayerns sind mir Zuschriften von Parteigenossen zugegangen, denen ich entnehme, daß auch in unseren Organisationen die Rassenfrage zur Erörterung kommt und daß dabei ein Standpunkt eingenommen wird, der meiner Überzeugung nach falsch ist. Es wird behauptet daß die Juden in ihrer Mehrheit vom gefährlichen schweren Militärdienst sich systematisch drücken, daß, wenn sie es bei den Druckpunkten zum Vorgesetzten gebracht haben, sie mit den ihnen unterstellten Soldaten und den m.it ihnen zum Verkehr gezwungenen Zivilpersonen in der hochfahrendsten und verletzendsten Weise verfahren. Weiter wird gesagt, daß, während diese zum Teil baumstarken Leute sich vom Militärdienst drücken, Frauen und Mädchen im Felde Verwendung finden. In zwei Schreiben wird behauptet, daß die Israeliten für sich Achtung ihrer religiösen Anschauungen verlangen, während sie auf die Gefühle anderer keine Rücksicht nehmen und diaß die israelitischen Frauen durch ihren Kleideraufwand geradezu aufreizend wirken. Weiter wird behauptet, daß sie beim Hamstern die wildesten Preistreiber seien, daß diese Preistreiberei noch gesteigert werde durch Warentauschi, den sie systematisch und planvoll betreiben. In einzelnen Städten ist man daran gegangen. Listen anzulegen, und diese Listen bei Behörden einzureichen. Mir wurden mehrere solcher Listen zugeschickt mit der 4ntfforderung. dieses Vorgehen zu unterstützen und zu fördern. Auf der Liste eines solchen Ortes) befinden sich nicht weniger als 60 Namen unter Angabe von Stand und Wohnung. Ich' halte es für vollständig richtig, daß gegen das bestehende Drückebergerunwesen, gegen unsachgemäße Behandlung von Militär- und Zivilpersonen rücksichtslos vorgegangen wird, ebenso gegen Preistreiberei und Warenschieberei, meinetwegert auch gegen auffällige Kleidung. Es sind da eine Unmenge von Mißständen vorhanden, die geradezu himmelschreiend sind. Aber falsch und ungerecht ist es, zu diesen Fragen unter dem Gesichtswinkel der Rassenzugehörigkeit Stellung zu nehmen. Nicht die Rassenzugehörigkeit des einzelnen ist die Quelle dieser Auswüchse, sondern wo derartige Dinge möglich sind, da muß das System falsch sein, nach dem gearbeitet wird. Wir müssen darum mit Ernst und Ausdauer daran arbeiten, allgemein die Verhältnisse so zu gestalten, daß derartige Dinge unmöglich werden. Wo Mißstände festzustellen sind, müssen wir sie rücksichtslos aufdecken und bekämpfen, der Stand, die religiöse Auffassung oder eine sonstige Rücksicht darf bei uns keine Rolle spielen. Unsere Genossen dürfen sich zur Stärkung der zweifellos vorhandenen antisemitischen Welle nicht mißbrauchen lassen, unsere Organisationen dürfen nicht der Tummelplatz für derartige unwürdige Treibereien werden. Wir treten in unserem Erfurter Programm ein für gleiche Rechte und gleiche Pflichten aller, ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Wir wenden uns gegen jede Art der Ausbeutung und1 Unterdrückung, gleichgültig, ob sie sich richtet gegen eine Klasse, eine Partei, ein Geschlecht oder eine Rasse. Diese Grundsätze halten wir hoch und nach ihnen arbeiten wir auch fernerhin.“ KönigI. bayer. Lotterie* einnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie H. Ostermaler, München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 12. (238.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9. u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14. August 1918, 3. Klasse am 10. u. 11. Sept. 1918, 4. Klasse am 8. u 9. Okt. 19i8, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1918. Lose in großer Jtuswolil stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für V8 V«_V*_1/l 5 10 20 40 M Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.