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Das jüdische Echo · 1918-10-11 · 41 (11.10.1918) · p. Seite 501

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41 Das jüdische Echo 501 zeichnen. Während der letzten Zeit scheinen aber auch diese der Nation entfremdeten Glieder in engeren Kontakt mit dem werdenden Volksorganismus zu treten. Die Vorträge, die die Zionistische Jugendorganisation der Bucharer Juden gegenwärtig veranstaltet, werden von vielen Bucharern eifrig besucht. Im Laufe des Monates Juli sprachen E. Chefez über »Die Zersplitterung im Judentum“, Gaon über den „Herzenszionismus“, Misrachi über „Die Aufgaben der Organisation der Bucharer Juden usw.“. Am 20. Tamus veranstaltete die Organisation einen Herzlabend. Als Referenten traten auf E. Chefez (hebräisch) und Galihoff (persisch). Die gesamte Bucharische Kolonie mit ihrem Rabbiner Rabbi A. Aminoff an der Spitze war anwesend. Unter der vermögenden Bucharer Jugend in Jerusalem macht sich eine starke Tendenz bemerkbar, in die Kolonien überzusiedeln und sich der jüdischen Arbeiterschaft zur Seite zu stellen. Rußland. Eine iüdische Wirtschaftskonferenz. Die Konferenz der jüdischen Wirtschaftspolitiker, die vor kurzem in Petersburg stattfand, wurde von allen Gesellschaften, die auf dem Gebiete der Hebung der jüdischen wirtschaftlichen Lage tätig sind und von den politischen Parteien (Jüdische Statistische Gesellschaft, Jüdisches Kriegshilfskomitee, Landwirtschaftliche Gesellschaft, Zionistisches Zentralkomitee, Bund, Vereinigte, Volkspartei, Volksgruppe, Poale-Zion) beschickt. Als Sachverständige wurden zur Konferenz auch eine Reihe jüdischer Nationalökonomen zugezogen. Die Konferenz hatte die Aufgabe, die jüdischen Wirtschaftsprobleme den neugeschaffenen Verhältnissen gemäß gemeinsam zu erörtern und mit vereinigten Kräften zu lösen. Der erste Vortrag, der die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog, wurde vom Mitglied des Zionistischen Zentral-Komitees J. D. Bruzkus über „Die Reevakuierung der Flüchtlinge und die Wiederherstellung ihrer wirtschaftlichen Existenz“ gehalten. Nach Beendigung des Krieges, führte der Referent aus, wird mit einer Rückwanderung von ca. 300 000 jüdischen Flüchtlingen und demobilisierten Soldaten nach Litauen, Kurland und Weißrußland zu rechnen sein. Im Interesse der Regulierung dieser Rückwanderung muß ein Netz von Informationsbureaus in Großrußland und der Südukraine sowie von Grenzkomitees für die Durchreise und von Wiederansiedlungsanstalten in Litauen gebildet werden. Zwecks Wiederherstellung der zerstörten Existenzen der Rückwanderer muß rechtzeitig ein Hypotheken-Kredit organisiert werden. Ferner müssen die bestehenden jüdischen Leih- und Spar- Kassen, die Gesellschaften für gegenseitigen Kredit und die Konsumvereine gefestigt werden. Zur Finanzierung dieser zu schaffenden Einrichtungen soll eine zentrale genossenschaftliche Volks- B a n k gegründet werden. Polen. Werbearbeit in Polen für die Tschlenow-Kolonie. Die Konferenz der NF-Vertrauensmänner in Polen Ende Mai d. J. — die erste ihrer Art — hat außerordentlich fruchtbare Wirkungen gezeitigt. Dies kommt besonders in der Propaganda für die Tschlenow-Kolonie zum Ausdruck. Auf der Konferenz wurde bekanntlich auf Antrag des Rabbiners J. L. Zlotnik, Gumbin, unter großer Begeisterung beschlossen, eine Million Mark für die vom JNF zu begründende Tschlenow-Kolonie aufzubringen. Rabbiner Zlotnik hielt hierbei eine temperamentvolle Rede, in der er Männer und Frauen aufforderte, ihren Schmuck abzulegen und ihn auf dem Altar ihres Volkes und Erez Israels zu opfern. „Wir dürfen uns nicht“, rief der Redner den Versammelten zu, „mit Gold und Silber schmücken, wenn unsere Brüder und Schwestern Hungers sterben und im Golus verschmachten“. Er legte hierauf seine goldene Uhr auf den Präsidialtisch, worauf viele der anwesenden Frauen und Männer seinem Beispiel folgten und Schmuck sowie beträchtliche Geldsummen überreichten. Nach der Konferenz unternahm Rabbiner Zlotnik eine vierwöchentliche Agitationisreise und rief überall, wo er als Redner auftrat, größte Begeisterung hervor. Seinen Reden in den Bethäusern und in öffentlichen Lokalen in einer Reihe von Städten Polens, wie Radom, Zameca, Kielce usw., folgten womöglich noch eindrucksvollere Szenen als auf der Konferenz. Frauen und Mädchen drängten sich zur Tribüne, um ihren Schmuck zu überreichen. In der „Hazefirah“ sind spaltenlange Ausweise über Schmuckgegenstände aller Art aus den erwähnten Städten veröffentlicht. In Radom ergab die Sammlung auf der Stelle 15 000 Mark, darunter eine Anzahl Spenden von je 1000 Mark, und es ist eine Summe von 100 000 Mark aus dieser Stadt für die Tschlenow- Kolonie zu erwarten. Namhafte Geldsummen und Schmuckgegenstände haben auch in manchen Städten der Versammlung beiwohnende Soldaten gespendet. Zum Dank für seine große Opferwilligkeit hat das zionistische Komitee in Kielce beschlossen, ein Arbeiterheim in der Tschlenow- Kolonie auf den Namen des Rabbiners Zlotnik zu stiften und das Misrachi-Komitee hat ihn ins Goldene Buch eingetragen. Feuilleton Der Rabbi von Rothenburg. Novelle von David Feucht vang. (Fortsetzung.) Völlig zurückgezogen oblagen alle ihren Studien, ohne Anteil am großen öffentlichen, politischen Leben. Ihr Leben spielte sich nur im Lehrhause, in der Synagoge und in der Familie ab. Der Lärm der Straße drang kaum in diese Räume, in die freilich nicht allzu viele Sonnenstrahlen fielen, aus denen aber das helle Licht der Gotteserkenntnis und vollendeter Tugend leuchtete. Dieser stille Friede im Pariser Judenviertel wurde plötzlich gestört, als im Jahre 1240 der König Ludwig IX. auf Veranlassung des Papstes Gregor eine öffentliche Religionsdisputation anordnete. Ein nichts würdiger Täufling, Nikolaus Donin, hatte den Talmud der Christenschmähung geziehen und nicht geruht, bis die Geistlichkeit den französischen König für sich gewann und der Talmud unter Anklage gestellt wurde. Wie ein Wetterstrahl fiel diese Kunde in den Kreis der Gelehrten. Mit Bestürzung verkündete eines Tages Rabbi Jechiel, daß für den 24. Juni 1240 eine öffentliche Disputation bei Hofe angesetzt sei, die gegen Nikolaus Donin in Gegenwart des Königs, des ganzen Adels und der Geistlichkeit stattfinden werde. Seit Monaten wurden die Vorbereitungen für dieses Schauspiel getroffen. Die traurige Einleitung dazu bildete die

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