Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 41 (11.10.1918)
- Date
- 1918-10-11
- Page
- Seite 502 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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502 Das Jüdisch« Echo Nr. 41 Konfiszierung aller Talmudexemplare, die in Frankreich aufzutreiben waren. Man wollte so das Herz des damaligen Judentums treffen, den Geist töten. Die Törichten ahnten nicht, daß der Talmud bereits zur lebendigen Kraft geworden und in das Blut der Juden übergegangen war, daß es nicht wenige gab, die den Inhalt des Riesenwerkes im Kopfe trugen und imstande waren, ihn niederzuschreiben. Abgesehen davon gab es Miniaturabschriften, die leicht verborgen werden konnten. Die Liebe zum Talmud, diesem Lebensbalsam und Seelenretter des Judentums, war nicht kleiner, als die Liebe zu Weib und Kind. Für alle war man bereit das Leben zu lassen. In tiefernsten Gesprächen behandelte Rabbi Jechiel das bevorstehende Ereignis; auch Meir durfte teilnehmen. Drei Tage nach dem Fasten des siebzehnten Tammuz, das viele Fromme, die täglich zu Bitt- und Bußgebeten zusammenkamen, bis eben zum zwanzigsten Tammuz ausdehnten, fand die Disputation statt. Rabbi Jechiel war der Sprecher; ihn begleiteten Mose aus Coucy, Jehuda ben David und Samuel ben Salomo. Es war eine glänzende Versammlung, vor ider Jechiel das Wort führte und den Talmud tapfer und scharfsinnig gegen falsche Anschuldigung verteidigte. Keine Tücke vermochte den ehrwürdigen Gelehrten in die Enge zu treiben; ihn beseelte die Begeisterung für die Wahrheit seiner Lehre; galt es doch, den Talmud vor dem Feuertode zu retten, zu dem er verurteilt worden war. Mit Zagen und Zittern harrten Me'ir und mit ihm die Juden von Paris des Ausganges, und als Jechiel mit seinen Gelfährten unversehrt in dast Lehrhaus zurückkehrten und mitteilten, daß es den Gegnern nicht gelungen sei, sie zu besiegen, weinte Meir Freudentränen. Doch sie waren verfrüht. Das Todesurteil sollte dennoch vollzogen werden. Im ganzen Lande wurde nach Talmudexemplaren gefahndet; bis in die letzten Dörfer, wo Juden hausten, drangen die Schergen und schleppten die heiligen Bücher nach Paris, wo tausende schon aufgespeichert waren. An einem Sabbat fuhren in der Notredamestraße zwanzig Karren auf, die alle mit Talmudrollen und -büchern schwer beladen waren. Ein Scheiterhaufen wurde errichtet und gerade zur Stunde, als in den Lehrhäusern und Synagogen das Gotteswort verlesen wurde, loderten die Flammen empor. Tiefe Trauer erfüllte die Gemeinde. Wie um geliebte Tote wurde geweint und ein allgemeiner Fasttag angeordnet, an welchem Meir die Trauergebete vortrug und, wie es Sitte war, ein Klagelied, das er selbst verfaßt hatte, mit einschloß. Tief ergriffen lauschte alles; auf Rabbi Jechiels Wunsch wurde beschlossen, das Klagelied der Gebetordnung des neunten Ab anzugliedern und es alljährlich am Tage der Talmudverbrennung öffentlich zu verlesen. So hatte Meir ein Andenken in Paris gelassen, das den ersten Stein zum Bau seines Denkmals bildete. Doch es duldete ihn nicht länger in der Fremde, wenn auch Frankreich ihm zur zweiten Heimat geworden war. Er fühlte sich berufen und verpflichtet, nach Deutschland zurückzukehren. Zunächst wandte er sich nach Worms, wo die betagten Eltern sehnsüchtig den geliebten und gelehrten Sohn erwarteten,. Mit höchsten Ehren wurde er empfangen. Es war ein Triumphzug, als er durch die Judengasse zog; an der Eingangstür des elterlichen Hauses begrüßte ihn Martha, die Jugendgespielin. Staunend sahen sie einander an; denn Meir war zum Manne und Martha zur blühenden Jungfrau gereift. Die wenigen Wochen im Heimatorte verliefen rasch. Tag für Tag mußte Meir vor einem ansehnlichen Gelehrtenkreise Vorträge halten, zu denen aus weitester Ferne Wißbegierige eilten. Abgesandte hochangesehener Gemeinden kamen zu den Sabbaten, um Meirs weithinleuchtende Gelehrsamkeit kennen zu lernen. Nürnberg und Mainz bewarben sich um die Ehre, Meir zum geistlichen Oberhaupte zu machen und an die Spitze ihrer Talmudschiilen zu stellen. Der junge Rabbi gewann die Herzen aller im Fluge. Er war schön und wohlgestaltet, liebenswürdig und herzensgut. Kein Wunder, daß viele der vornehmsten Familien ihn gerne als Sohn begehrten. Meir hatte bereits gewählt. Ohne viele Worte und Umstände hatten Martha und Meir einander verstanden und gefunden. Sie, eine Waise, das Kind überaus frommer und edler Eltern, war in Meirs Vaterhaus seit jeher als künftige Schwiegertochter betrachtet worden und nun wurde die Hochzeit in feierlicher Weise begangen. (Fortsetzung folgt.) Gemeinden* u.Vereins-idio (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.} Personalien. Jakob Reich, Mitglied unserer Redaktions-Kommission, erhielt das Ludwigs-Kreuz. Gefreiter Josef Kocherthaler und Adolf Lipcowitz, Teilhaber der Firma Jacob Lipcowitz, München, wurden mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Verein Bne Jehuda. Vo ranzeige: Dienstag, den 22. Oktober, Vortrag von Frau Dr. Rahel Straus über „Die Aufgaben der jüdischen Frau.“ Jüdischer Turn - und Sport - Verein. Sonntag, den 13. ds., Tagesausflug. Treffpunkt: 7.30 Uhr Ostfriedhof. Fahrt nach Grünwald1. Wanderung zum Bruckenfischer nach Baierbrunn. Die Führerschaft. Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß“. Sonntag, 13. Oktober. 1. Zug: 7.45 Uhr Starnberger Bahnhof. M. 1.20. 2. Zug: Siehe 1. Zug. 3. und 4, Zug: 12.45 Uhr Ostbahnhof. 30 Pfg. 1. Gruppe: 8 Uhr Hauptbahnhof. 85 Pfg. 2. Gruppe: 8.15 Uhr: Cafe Harras. 55 Pfg. 3. Gruppe: Siehe 4. Gruppe. 4. Gruppe: 7.25 Uhr Starnberger Bahnhof. M. 1.20 bezw. 60 Pfg. 3B|BE IDA G IVA NT SALLY EPSTEIN BADEN-BADEN Leopoldstraße 11 VERLOBTE Oktober 1918 MÜNCHEN Josef Spitalstr. 18 ZooioQisciier fianea (Tierpark Hellabrann) Geöffnet von morgens 9 Uhr bis sbend* V29 Uhr.