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Das jüdische Echo · 1918-10-11 · 41 (11.10.1918) · p. Seite 498

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
41 (11.10.1918)
Date
1918-10-11
Page
Seite 498 (sequence 6)
Language
German
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498 Das Jüdische Echo Nr. 41 m lllgpntfinr „S4Mn>3rM liibititif Sraiihrntinne in imtftlrt Örganifation rein europätfd) Sfolterijäufer für Slnftecfeenbe bittet für feine ©efeböftstettung: ^ranhfurta 95t cRftftMiedtlumto 9tr. 7785 S'rhft. a. 351. $üd)fte Anerkennung aller 33ePrben Aufnahme unterfcbiebslos für Alle 3Jtan forbere bie $5ebingungen ein. $ölt fiel) für geroiffenbofte Uebernabme non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer - 3abrseit — ©cbcnhtafel — Stiftungen Briefe gu richten nad) SKöberbergroeg 63. und oft viel Intelligenz und Initiative zu merken ist. Es fehlt uns an einer großen Zahl gut ausgebildeter, mit viel Erfahrung ausgerüsteter landwirtschaftlicher Arbeiterinnen, die uns die weitere Gründung kleiner Frauenwirtschaften, deren weitere Ausbildung und Vervollkommnung ermöglichen, die als wünschenswerte Genossinnen in männlichen Genossenschaften eintreten können, um den Haushalt und die landwirtschaftlichen Arbeitszweige der Frau dort auf die nötige Höhe zu bringen und immer vorwärts zu schieben, die an der landwirtschaftlichen Erziehung der neu heranwachsenden Generationen und der aus dem Golus unvorbereitet Heranwandernden tatkräftig teilnehmen könnten. Es fehlt uns auf dem Gebiete der Landwirtschaft an Tradition und Instinkt, wir müssen es durch Wissen und Können ersetzen, was uns bei unserer natürlichen Intelligenz nicht allzu schwer fallen darf. Und ich bin überzeugt, wir werden dann den konservativen, für alles Neue, was die Wissenschaft bringt, ein taubes Ohr schenkenden Bäuerinnen gegenüber nicht im Nachteil sein. Wir müssen nur den ernsten Wunsch haben, das Wissen und Können mit der Arbeit aufs innigste verbinden, zu wollen. Wir haben eine furchtbar schwere Aufgabe: wir müssen alles aus nichts schaffen. Das Land ist noch eine Wüste, das wenige, was da ist, ist technisch auf einer zu niedrigen Stufe, als daß es uns als Vorbild dienen könnte; jeder von uns muß so gut ausgebildet dorthin gehen, daß er sein eigenes und der anderen Vorbild sein könnte. Jeder, der unausgebildet dorthin geht, so gut sein Wille, so stark seine moralische Kraft auch sein mag, muß doch eine Zeit lang als Last betrachtet werden, bis er auf Kosten der anderen, meistens der kolonisierenden Gesellschaft ausgebildet wird, und dabei wird seine Ausbildung noch bis in unabsehbare Zeit nur mangelhaft sein können. Es ist deshalb die Pflicht eines jeden, der hinüberzugehen gedenkt, seinen jeweiligen Aufenthalt in Europa dazu zu benutzen, sich möglichst gut auf dem Gebiete auszubilden, auf dem er in Palästina tätig zu sein beabsichtigt. Diese Notwendigkeit, sich in Europa gut auszubilden, bevor man nach Palästina geht, trifft für alle Tätigkeitsgebiete gleichmäßig zu, denn nur unter dieser Bedingung können wir trotz der tausend Schwierigkeiten, denen wir auf jedem Gebiete in diesem noch unentwickelten Lande begegnen werden, auf einen wirtschaftlichen Erfolg hoffen. Ich hielt mich besonders bei der Landwirtschaft und beim Haushalte auf, weil ich hier den Schwerpunkt unserer Arbeit sehe und die Hauptaufgabe der Hechaluzim. Selbtsverständlich brauchen wir in Palästina alles, was ein normal lebendes Volk braucht, und es wird für alle Berufe, die es unter den anderen Völkern gibt, Platz geben. Wir haben uns aber immer am wirtschaftlichen und intellektuellen Leben der anderen Völker auf allen Gebieten außer dem der Landwirtschaft beteiligt. Das Volk muß in dieser Hinsicht gewissermaßen umsatteln — es muß aus dem Luftvolke bodenständig werden, und von dem leben, was es durch seiner Hände Arbeit schaffen wird. Dies Umsatteln ist ja eigentlich der Eckstein unseres ganzen neuen Nationalbaues, esi wird auch unser Probestein sein. Die Arbeit und zwar die landwirtschaftliche Arbeit sollen wir zur Basis unseres neuen, selbständigen, nationalen Lebens machen. Das wird aber unserem Volke, das gerade nicht daran gewöhnt ist, das instinktiv immer nach einer anderen Richtung denkt und schafft, das sich gegen diesen Punkt immer am leichtesten versündigen wird, sehr schwer fallen. Und da es der schwerste Teil unserer schaffenden Arbeit ist und bleiben wird —■ muß es die Hauptaufgabe der Hechaluzim sein, durch Selbstarbeit im Beispiel voranzugehen, durch früher erworbenes Wissen, Können und Erfahrung die Landwirtschaft zu fördern und weiter zu bringen, damit sie leichter und ertragsfähiger wird und die Intelligenz den nötigen und möglichen Spielraum bei dieser Beschäftigung findet. Nun weiß ich, daß die meisten, die hinüberzugehen gedenken, die Frage beschäftigt, werden sie dort existieren, welche Berufe die besten wirtschaftlichen Aussichten haben werden. Es läßt sich kaum mit Gewißheit heute etwas darüber sagen. Wer weiß, wie das Leben sich in Palästina nach dem Kriege gestalten wird? Wer weiß, welche Gebiete sich besonders schnell entwickeln und die besten Existenzbedingungen bieten werden? Man kann aber, glaube ich, mit Sicherheit sagen, daß es noch lange in den kulturellen Ländern Europas leichter und beauemer zu leben sein wird, als in Palästina, und daß es wirtschaftlich noch lange vorteilhafter sein wird, die anderen für sich arbeiten zu lassen, als selbst zu arbeiten. Wer sich aber nach diesem richtet, gehört nicht in unsere Hachaluzbewegung. Was aber die gut ausgebildeten Arbeitskräfte betrifft, wurden sie immer _ (und das wird auch in der Zukunft der Fall sein) sehr geschätzt und fanden ein großes Betätigungsfeld, sogar im Kriege — die Bedingungen aber zu ihrer Arbeit mußten sie oft selbst schaffen. Das war das Schwere, aber auch das Schöne in unserer Arbeit in Palästina. Wir kommen in ein Land, wo Niemand etwas für uns vorbereitet hat, wir sollen das Land und das Leben für uns nach unserem Wollen, Können

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