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Das jüdische Echo · 1918-10-04 · 40 (4.10.1918) · p. Seite 489

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
40 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
Seite 489 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 489 Ukraine. Judenpogrome in der Ukraine. Dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm zufolge meldet die Nordische Preßzentrale in Stockholm aus Moskau, daß in den ukrainischen Ortschaften Striiovka, Bilijovka und Staretza Judenpogrome stattgefunden hätten. Unter den vielen verhafteten sozialistischen Führern in Kiew befindet sich auch der Rektor der jüdischen Volksuniversität, Silberfarb, der gewesene Minister für jüdische Angelegenheiten. Aus aller Well. „Ein Denkmal für Jechiel Tschlenow“ betitelt sich eine soeben erschienene Broschüre der „Nationalfonds-Bibliothek“. Die zionistische Organisation will1 das Andenken dieses am 1. Febr. d. J. entschlafenen Führers der jüdischen Volksbewegung d’"-eh die Schaffung einer seinen Namen tragenden Siedlung in Erez Israel verewigen. Die vorliegende Schrift enthält eine Lebensbeschreibung Tschlenows, dessen Wirken mit der Geschichte des modernen Zionismus eng verbunden ist, so daß man gleichzeitig ein Bild der wichtigsten Abschnitte der zionistischen Bewegung erhält. Ganz besondere Verdienste hat Tschlenow sich als Direktor des Jüdischen Nationalfonds erworben, an dessen Palästina-Arbeit er sich mit besonderer Gewissenhaftigkeit beteiligte. Er nahm auch persönlich an der Werbearbeit für den Volksschatz teil, indem er in den, Jahren 1905 bis 1911, zur Zeit der Verfolgungen des zaristischen Regimes, durch ein von ihm geleitetes Bureau, in Moskau die damals streng verbotenen NF-Sammlungen in Rußland organisierte und so für Hunderte von Vertraue^—’ännern ein Vorbild des Mutes und der Opferfreudigkeit war. So darf wohl gesagt werden, daß der Gedanke einer der ersten nach Friedensschluß auf NF-Boden zu begründenden jüdischen Siedlungen in Palästina Tschlenows Namen zu geben, ein Gebot nationaler Pietät ist. Schon ist durch Sammlungen in verschiedenen Ländern der Grundstock für die eine Million Franken, welche die Mindestsumme für den Erwerb des für die Kolonie erforderlichen Grund und Bodens darstellen, vorhanden. Durch Verbreitung der besprochenen, sehr lesenswerten Broschüre werden hoffentlich die zahlreichen Verehrer Tschlenows angeregt werden, in kürzester Frist die noch fehlenden Bausteine zu sammeln, damit bald nach Friedensschluß das „Denkmal“ für Jechiel Tschlenow im Lande seiner Sehnsucht erstehen möge. (Die Schrift „Ein Denkmal für Jechiel Tschlenow“, herausgegeben vom Hauptbureau des JNF im Haag, ist zum Preise von 30 Pfg. durch die lokalen Vertrauensmänner des JNF oder direkt von seinen Landessammelstellen zu beziehen.) Feuilleton Der Rabbi von Rothenburg. Novelle von David Feuchtwang. Es war in Worms, der uralten deutschen Stadt, um das Jahr 1220. Dort lebte ein glückliches Ehepaar, Baruch und Judith. Sie wohnten in einer der kleinen Gassen, die das Judenviertel bildeten, in einem traulichen, bescheidenen Häuschen, das sich wie ein Schwalbennest an, die verwitterte Stadtmauer lehnte. Über das Dach streckte seine Ranken ein ehrwürdiger Efeu, der die Mauerkrone mit tausend Wurzeln fest umklammerte, als wollte er nimmer davon lassen. Das Häuschen war gerade groß genug, die fromme Familie zu beherbergen, die darin ein gottergebenes Leben führte. Rabbi Baruch war in der Judengemeinde hoch angesehen. Man brauchte bloß in sein dämmeriges Studierkämmerlein zu blicken, um zu wissen, daß der würdige Mann mit dem blassen Antlitz und den hellen Augen ein Gottesgelehrter sei. Auf dem wuchtigen Eichentische lagen Rollen aufgeschlagen und die niedrigen Wände waren dicht bedeckt durch Büchergestelle, die bis an das gebräunte Gebälke reichten. Da standen die stummen Zeugen urältester Zeiten, die treuen Begleiter durch der Jahrhunderte Leid und Freud, die heißgeliebten Gefährten im Glück und im Unglück. Heute war ein sonniger Tag in Baruchs Hause. Ein Sohn war zur Welt gekommen. Glückstrahlend verließ Baruch sein Haus, um im Morgengebet inbrünstig für die glückliche Geburt des Kindes zu danken und im Gotteshause für das Wobt seines Weibes zu beten. Am achten Tage erhielt das Knäblein den Namen Meir; als ahnten die Eltern, daß das Kind einst eine Leuchte in Israel werden sollte. Von der edelsten Mutter genährt, gedieh das Kind vortrefflich. Es sog alle Tugenden ein, die Judith in reichem Maß besaß, und hatte die Herzens- und Geistesgaben der trefflichen Eltern, geerbt. Im zartesten Alter, wenn andere Kinder kaum Vater und Mutter zu rufen vermögen, konnte Meir die Segensprüche, die man beim Genüsse von Speise und Trank sagt, und bald verstand er, die heiligen Bücher in hebräischer Sprache zu lesen. Kein Lehrer war rasch genug, kein Unterricht reif genug für den Wissensdurst des Wunderkindes, das mit Meilenstiefeln über die schwersten Aufgaben schritt und im zehnten Lebensjahre nicht nur die Thora und Propheten, die Psalmen und Sprüche Salomons im kleinen Köpfchen trug, sondern auch verstand, die Mischnah zu lesen und vor versammelter Gemeinde ein Stück des Talmuds mit Raschis Erklärung und den Bemerkungen der Toßaphisten vorzutragen und auf plötzliche Fragen die überraschendsten Antworten zu geben. Am Barmizwahtage, der von der ganzen Gemeinde mitgefeiert wurde, hielt Meir einen selbstverfaßten Vortrag, der Halachah und Agadah zu einem buntgestickten Gewebe wob, das zum hellen Entzücken der Hörer von dem lieblichen Knäblein ausgebreitet wurde. Baruch und Judith vergossen Freudentränen und gelobten, das Kind der Thora und dem Gottesdienste zu weihen. In Worms gab es wohl Gelegenheit genug, dieses Gelöbnis zu erfüllen. Hier wehte im Judenviertel der Geist der Vorzeit; hier hatten schon zur Zeit Karls des Großen jüdische Schulen geblüht. Hier war Raschis Geist lebendig und auf dem Raschistuhle saßen auch jetzt große Talmudgelehrte. Zu allen Zeiten aber waren jüdische Jünglinge in die weite Fremde gewandert, um zu den Füßen berühmter Lehrer und Meister zu sitzen und den Wissensdurst an allen zugänglichen Quellen zu stillen. So schwer die Trennung von dem geliebten Elternhause und dem heimatlichen Muttergrunde fiel, Mei'r griff zum Wanderstabe. Von den Segenswünschen der Seinen begleitet, zog er mit Stock und Ränzlein von dannen, um sich nach Würzburg zu wenden, wo Rabbi Meir ben Joel den Rabbinersitz inne hatte und Rabbi Isak durch seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit hunderte Schüler heranzog. In Scharen zogen sie mainabwärts, an den herrlichen Weingeländen

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