Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 40 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- Seite 490 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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490 Das Jüdisch« Echo Nr. 40 entlang: und betraten die alte, fromme Bischofstadt mit den weltberühmten Fakultäten, großen Lehrern der Philosophie und Medizin. Ob die jüdischen Jünglinge wohl von diesem wußten? Sie trieb es zu Rabbi Isak, dem später hochgerühmten Verfasser des Werkes Or sorua, der dann in der Hauptund1 Residenzstadt Wien saß und sein Licht in die ganze Judenwelt hinausstreute. Hierher zog auch Mei'r. Am Fuße des weinbewachsenen Festungsberges lag in lauschigem Winkel das Lehrhaus, von dem aus nur wenige Schritte zum Ufer des Mains führten, an welchem sich Mei'r einsam erging, die Unsummen von Wissen, das er einheimste, zu ordnen und — in stiller Andacht der geliebten Eltern zu gedenken und des schönen, guten Worms, wo seine Wiege stand. Aber auch Würzburg genügte ihm nicht; der Ruf der französischen Talmudhochschulen lockte den unersättlichen Jünger mit Macht, der unterdes vom Lehrling zum Gesellen geworden war und schon selber imstande gewesen wäre, eine Schule zu leiten. So sehr es ihn in die Heimat zog, wo seiner auch eine kindlich geliebte Jugendgespielin, die schöne und tugendreiche Martha harrte; er hielt stand und kämpfte den mächtigen Ehrgeiz nieder, der ihn, den Schüler, auf den Meisterstuhl verwies, den zu besteigen er von Lehrern und Genossen als würdig befunden wurde. Nicht nur sein Wissen hatte sich zu großer Gelehrsamkeit ausgestaltet, sein Charakter war voll entwickelt worden und hatte aus ihm einen edlen, starken, frommen, zielbewußten und scharfblickenden Mann gemacht. Seine Meister hatten ihm den Titel „Rabbi“ verliehen und ihn so zum Ritter des Geistes geschlagen. Wie ein neugekrönter König kam sich Mei'r vor, als Rabbi Isak ihm segnend die Hände auf Haupt legte und sprach: „Der Herr mache dich Ephrajim und Manasse gleich; er segne und behüte dich; er lasse dir sein Antlitz leuchten und sei dir gnädig; der Herr wende dir sein Antlitz zu und gebe dir Frieden.“ So ging Rabbi Mei'r durch das Festungstor Würzburgs und zog über Städte und Dörfer viele Tage und Wochen, bis er nach dem Elsaß kam. Er ahnte nicht, daß in diesem Lande einst ein tragisches Geschick ihn zum Märtyrer machen werde. Von hier aus ging es nach Südfrankreich, dem gelobten Lande der Talmudschulen. Mit frommem Schauder betrat er die hochwürdigen Stätten jüdischer Gelehrsamkeit und hegte im stillen den stolzen Gedanken, den großen Lehrern gleich zu werden; selber als Toßaphist in der Nachwelt zu gelten. Diese Gedanken beflügelten seinen Fuß. Sein Reiseziel war Paris. Dort lehrte Rabbi Jechiel ben Josef, einer der berühmtesten Rabbiner aller Zeiten. Ihn suchte Mei'r auf. Bald erkannte der große Talmudmeister in seinem unermüdlichen Hörer den großen Gelehrten und zeichnete ihn vor allen anderen aus. Paris war eine angesehene Gemeinde; zu Jechiels Zeiten zogen die französischen und deutschen Talmudjünger hierher, um die letzte Hand an den Ausbau ihrer rabbinischen Bildung zu legen. Hier traf Mei'r mit Mose aus Coucy zusammen, dessen Ruf bereits weit in die Lande gedrungen war; sie schlossen sich trotz des Altersunterschiedes eng aneinander und bald gesellten sich zu ihnen die in Paris nicht seltenen Gäste Jechiels, nämlich Jehuda ben David aus Melun und Rabbi Semull ben Salomo aus Falaise. (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Qemoindon und Veröinen und von Personalnaohrlohten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.} Süddeutscher Zionisten-Taß. Am Sonntag, den 13. Oktober findet im Luitpoldhaus zu Nürnberg ein Verbandstag süddeutscher zionistischer 0 r, t s g r u tp p e n! statt. Außer den Herren Dr. Nußbaum (Nürnberg) und Jakob Reich (München) wird das Mitglied des E.A.C., Herr Dr., Hantke. Berlin, über „Die politische Lage des Zionismus“ sprechen. Da dies die erste Tagung süddeutscher zionistischer Vereine ist, wird eine rege Beteiligung erwartet. Ein jüdischer Theaterzyklus. Die Redaktion des „Jüdischen Echo“ wird in diesem Winter eine Anzahl wertvoller jüdischer Theaterstücke zur Vorlesung bringen lassen und hat hierfür Herrn Arnold Marie von den Münchner Kammerspielen gewonnen. An Aussicht genommen sind für den ersten Abend das 8. Bild aus „Jeremias“ von Stephan Zweig, Szenen aus dem „Grafen von Charolais“ von Richard B. Hof mann und das Vorspiel zu „Benjamin Corre“, Ein Fetzen Judenchaos von Eugen Albu, für den nächsten Abend eine Wiederholung des „Ritualmord in Ungarn“ und für weitere Abende „Eisik Scheftel“, ein Arbeiterdrama von David Pinski, aus dem Jüdischen von Martin Buber, „Abigail und Nabal“ von Arnold Zweig u. a. Der Jüdische Wanderbund „Blau-Weiß“ veranstaltete am Simchas-Thora für seine Knaben und Mädchen im Stadt-Heim eine Feier, die sich eines zahlreichen Besuches erfreute. Frl. Schweitzer erklärte in klarer und eindrucksvoller Weise die Bedeutung des Tages; im Anschluß hieran trug sie eine Anzahl Stellen aus dem Midrasch vor, welche sich mit dem Tode von Mosche u. A. beschäftigen. Herr H a s k e 1 wußte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer durch die Erzählung eines zeitgemäßen Märchens „Der Ring des Propheten Eliahu“ zu fesseln. Gemeinsame Lieder der Wanderer („Mir heben die Hänt gen Misrach“, „Po bearez“ usw.), verschönten die Feier, die auf das Harmonischste verlief und welche auf die Jugend sicher einen tiefen Eindruck machte. J. F. Nationalfonds-Spende; Erlös für das Benschen bei der Simchas-Thora und 1. Geburtstagsfeier ihres Kindes Frieda von Hermann Mischliburski und Frau: M. 50.—. Goldenes Buch. Richard Fränkel s. A.: Justizrat Fränkel und Frau danken Herrn Sidney E. Rieser (für &einb Aufmerksamkeiten M- 3.—. — Geschwister Fränkel sagen Sidney Rieser herzlich Schalom M. 2.—. _ Verein Bne-Jehuda. Dienstag, den 8. Oktober, 8.30 Uhr, Neuhauserstr. 16/1, Vortrag von Herrn S. Silber st ein: „Zionismus und n&tionale Forderung Da diese Frage gegenwärtig sehr akut ist, verspricht der Abend durch eine Diskussion sehr interessant zu werden. Gäste sind herzlich willkommen. Di# Vorstandschaft.