Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 40 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- Seite 486 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Das Jüdische Echo Nr. 40 wickluns: des östlichen Bundesgenossen um der eigenen und der fremden Belange willen das Ziel der deutschen Orientpolitik ist und bleiben muß. Wenn es einwandfrei feststeht, daß die jüdische Siedlung in Palästina dlem Lande, dem Volke und dem Staate nur von Vorteil ist und die Kräfte steigert, dann sollte der Strom der deutschen Politik auch die zionistische Welle entschlossen aufnehmen und nicht zu zaghaft weitertragen. Gewiß befindet sich Deutschland dem Zionismus gegenüber in einer schwierigeren Lage als England!. Wenn Englands amtliche Sprache, wie das in dem berühmten Brief Balfours an Lord Rothschild vom 2. November 1917 geschah, hemmungslos im Sinne der zionistischen Wünsche über das ihm zeitweilig zugefallene Gebiet verfügt, so muß sich Deutschland stets von der Rücksicht auf die politischen Empfindungen, nicht alltürkisch-nationalistische Empfindlichkeiten, des östlichen Bundesgenossen leiten lassen. Aber da nun die Erklärung des Großwesirs Talaat Pascha den jüdischen Bestrebungen zum erstenmal anerkennend, wenn auch noch begrenzt, entgegenkommt, so braucht es für die deutsche Reichsregierung nicht bei platonischen Sympathiekundgebungen zu bleiben, wie sie am 5. Januar d. J. der Staatssekretär des Auswärtigen, von dem Bussche, erließ, zumal da Österreich durch den Mund des Grafen Czernin bereits unabhängig von der türkischen Stellungnahme und vor ihr, fast gleichzeitig mit der die ganze Frage ins Rollen bringenden englischen Erklärung, seine Geneigtheit gegenüber den zionistischen Palästinawünschen zu erkennen gegeben hatte. Die wohlverstandenen Interessen der deutsch-türkischen Außenpolitik weisen vielmehr auf eine energische Inangriffnahme des zionistischen Problems hin, und an Ansätzen zu solch förderndem Eintreten für die jüdisch-palästinensische Siedlung hat es jetzt auch während des Krieges zufolge der Dankeskundgebung der deutschen Zionisten an die Reichsregierung vom Dezember v. J. nicht gefehlt: die belgischen Zionisten rühmten auf ihrer jüngsten Jahreskonferenz im April d. J. ausdrücklich die Sympathien des Deutschen Kaisers für den Zionismus, dessen Gründer, Theodor Herzl, 1898 als der erste in Jerusalem unter einem hebräisch beschrifteten Triumphbogen den Kaiser begrüßt hatte. Gewiß gewinnt der Zionismus durch das Medium der Türkei eine bemerkenswerte politische Bedeutung für Deutschland; aber auch die eigene Zukunftsstellung in dem vorderen Orient, insbesondere die Ausbreitung deutscher Kultur, die Förderung des deutschen Handels, die Einflußsphäre der deutschen Sprache, überhaupt die deutsche Vormachtstellung im östlichen Mittelmeergebiet müßte ihren wohlverdienten Lohn aus der Anerkennung und der Förderung der jüdisch-palästinensischen Wünsche empfangen. Denn nicht umsonst besteht in der sogenannten Deutschsprachigkeit der für die Einwanderung in Betracht kommenden Juden ein Interessenband, das den Geschäftsverbindungen zwischen Palästina und Deutschland und den Unternehmungen des deutschen Handels und der deutschen Industrie im Orient sehr vorteilhaft werden könnte. Hier ist ein realer Weg für die Verwirklichung unseres Orientprogrammes gegeben, den aber merkwürdigerweise unsere Illusionspolitiker über ihren ausschweifenden Hoffnungen, die so viele Köpfe in der Heimat verwirren, nicht sehen. Auf diese deutsch-jüdische 'Interessengemeinschaft hat bereits im Jahre 1912 und früher der deutsche Vizekonsul von Jaffa in seinem Handelsbericht empfehlend, der englische Konsul bedauernd hingewiesen; zweifellos liegt es mit an dem jüdischen Einwanderungselement, daß sich der deutsche Handel nach Jaffa in den sechs Jahren von 1903 bis 1909 vervierfacht hat. Der deutsche Konsularbericht glaubt darum diese Interessengemeinschaft noch weiter verfolgen zu sollen, indem er der deutschen Industrie sogar die Verwendung der im Heiligen Lande lebendig gewordenen hebräischen Sprache zu Reklamezwecken empfiehlt. Mit dem Ausbau dieser Gemeinschaft würde England ein Pfahl in das wuchernde Fleisch getrieben, und mit der Errichtung einer geschlossenen jüdischen Siedlung in Palästina mittels deutscher Fürsprache würde der ganze großangelegte englische Wirtschaftszug im Osten gesprengt werden. Denn Palästina ist der Westpfeiler der Brücke, die der englische Imperialismus von Ägypten über Land nach Indien zu schlagen gedenkt, und auch der hier in Aussicht genommene autonome Judenstaat wird der englischen Politik nur ein Mittel zurSicherung der Verbindungsbrücke zwischen seinem afrikanischen und asiatischen Kolonialbesitz sein; er wird darum der türkischen Herrschaft in der Hand Englands immer ein bedrohlicher Nachbar sein und eine Gefährdung nicht bloß des deutschen Orienthandels, /lofäefevarit München JheaänerÜr.18. "„«'S»*“-" - llnft & l': scsi fl*. T äitnacht #aL ^aiicH - K*^ •-lass ir " kaaife. L ajä&te 'L g des Osten säPaiist^ vdem!Lm «ad es n xk ife': "Ä Bede.: r. Xu® Ab fflrder \ -sie Bedeut %e\Vend.- fe ßrr.-v üj die;; sahntet fc, WSer/.* tfcT. $&■