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Das jüdische Echo · 1918-10-04 · 40 (4.10.1918) · p. Seite 485

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
40 (4.10.1918)
Date
1918-10-04
Page
Seite 485 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdisch« Echo 485 über Gothein bis Graf Westarp, und neben ihnen Männer der Wissenschaft, der Kunst und der Presse, wie Professor Meinhoff-Hamburg, Professor Hoetzsch-Berlin, Professor Max Weber- Heidelberg:, Georg: Cleinow-Berlin, Dr. Grabowsky u. a. zu einem Ausschuß zusammengfeschlossen, der der Schaffung: eines großzügigen Kolonisationswerkes in Palästina die moralische Unterstützung der öffentlichen Meinung und der deutschen Politik sichern will. Die Gesellschaft geht dabei von der durch die Zeitverhältnisse in den Vordergrund gerückten Überzeugung aus, daß die wirtschaftliche und kulturelle Stärkung der Türkei ein wesentliches und dringendes Interesse der deutschen Auslandspolitik ist und daß sich die seit Jahren mit wachsendem Erfolge gepflegten Bestrebungen der zionistischen Organisation diesem Lebensinteresse besonders wirksam einfügen. Es handelt sich hier keineswegs um Einflußnahme auf innerjüdische Fragen, sondern um das Gebiet der allgemeinen Politik, für die heute der Zionismus dank den Regierungserklärungen der Westwie der Mittelmächte zur Frage der jüdischen Palästinasiedlung ein nicht mehr zu übersehender Faktor geworden ist. Dabei erscheint es von symptomatischer Bedeutung, daß in diesem Komitee deutsche Politiker von rechts und links ebenso wie ausgesprochen christliche und freigeistige Anschauungen durch das Verständnis für den allgemein-politischen Wert der zionistischen Pläne zu einer Interessengemeinschaft zusammengeführt worden sind. Diese Gemeinschaft berührt nicht entfernt die besonderen persönlichen Anschauungen der Motive, die die einzelnen Komiteemitglieder mit dem Palästinaproblem verbinden. Da paart sich der Standpunkt reiner Menschlichkeit mit dem biblisch-eschatologischer Hoffnungen; oder neben der Ablehnung der Nationseigenschaft für die westlichen Juden kommt ein warmes Verständnis für das Bedürfnis des jüdischen Nationalismus zum Ausdruck; hier wieder geht es um die rein sachliche Förderung des sozialen Werkes der Siedlung um seiner selbst willen, und dort handelt es sich mehr um die politischen Ausstrahlungen des Problems „der Zionismus im Weltkrieg“ auf die türkische oder die deutsche Reichsregierung. Gemeinsam wirkt in allen nur die Überzeugung, die in den Zielen des Pro Paläestina- Komitees zur Geltung kommt: „Das im Zionismus verkörperte Streben nach unbehinderter und organischer Entfaltung nationaler jüdischer Kultur und Wirtschaft in der alten Heimat des jüdischen Volkes ist geeignet, aus dem durch Mangel an Bevölkerung und durch wirtschaftliche Vernachlässigung verarmten Palästina ein blühendes Wirtschaftsgebiet zu machen. Das Aufblühen Palästinas dient in gleichem Maße dem Interesse der mit Deutschland verbündeten Türkei wie der Ausbreitung deutscher Kultur- und Wirtschaftsbeziehungen im vorderen Orient. Es muß daher von Deutschland gefördert werden.“ Um zwei Gedankenreihen handelt es sich also in der Pro Palaestina-Bewegung: 1. Was bedeutet das Streben des Zionismus nach der Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten! Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina unter der Landeshoheit für den türkischen Staat? 2. Was bedeutet es für die deutsche Außenpolitik? 1. Die Zukunft des türkischen Staates hängt von zwei Bedingungen ab: von der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere der Zuführung neuer kräftiger Menschenmassen in die dünn besiedelte und noch dünner angebaute Türkei, und von dem Aufbau der Gesellschaft, insbesondere ihrer inneren Erneuerung durch den Willen zur schaffenden Arbeit. Beiden Bedürfnissen läßt sich durch eine Förderung des jüdischen Einwandererstromes entsprechen. Denn die durch jüdische Siedler in Stadt und Land Palästinas geleistete Arbeit hat bereits, wie jeder des Landes Kundige weiß, Werte geschaffen, die im Verhältnis zu der Schwierigkeit der Aufgabe wohlansehnlich genannt zu werden verdienen und einen Maßstab für die Abschätzung der weiteren Entwicklungsmöglichkeiten an die Hand geben. Die ideelle Beziehung des Juden zu dem „Lande der Väter“ und der Ewigkeitsgehalt des Wortes „Erez Israel“ (= Land Israel) verbürgt aber auch für alle Zukunft, daß diese zähe und arbeitswillige, strebsame und kulturfördernde, wirtschaftlich und geisteswissenschaftlich anregende jüdische Mitarbeit nicht versagen wird. Besteht doch auch eine wechselseitige Beziehungsgemeinschaft zwischen dem jüdischen Element und der türkischen Staatsregierung, sofern jenes in der Festigung des Reiches die beste Gewähr für seine eigene Sicherheit findet. Für den türkischen Staatssäckel aber reden die Tabellen über den Steuerzuwachs in den Gegenden, die jüdische Siedlungen aufweisen, und über den dort zu verzeichnenden Wertzuwachs an Grund und Boden eine überzeugend deutliche Sprache, und auch die sinngemäße Übertragung der ertragbringenden Grundsätze europäischer Bewirtschaftung, industrieller Verwertung und handelspolitischer Beziehungen steigert die Erzeugung und erhöht die Aus- und Einfuhrziffern des Landes. Das trägt aber nicht nur zu dem Gedeihen der jüdischen Gründungen, sondern auch zu der wirtschaftlichen Gesundung und der finanziellen Unabhängigmachung der Zentralregierung bei, es schafft ihr neben Menschen und Geld auch moralische Werte, insbesondere die Verwirklichung des Arbeitsgedankens in der Welt des Islams, und es liefert der hohen Pforte ein schaffensstarkes, der neuen Heimat frohes und staatsgetreues Bevölkerungselement, hinter dem keine fremde europäische Macht mit ihren Einflußbestrebungen steht. Im Gegenteil, die ottomanische Regierung würde schon aus selbsteigenen jüdischen Interessen an dieser neuen Gruppe von Untertanen ein den Reichsgedanken stärkendes Element gewinnen, und die Naturalisierung der einwandernden Juden, die von der zionistischen Organisation von jeher als eine innere Notwendigkeit betont worden ist, würde nunmehr nach der Aufhebung der Kapitulationen und der Schaffung neuer Rechtsnormen die Regel für die Niederlassung im Lande werden. Wirtschaftlich nutzbringend, politisch nicht gefährlich, das rückständige arabische Fellachenelement befruchtend, würde der Türkei in den Juden ein Teil der Hilfe — und zwar aus der eigenen Mitte und auf eigener Scholle — erwachsen, ohne die sie nicht bestehen kann, und aus ihrem Eingehen auf die jüdischen Palästinawünsche würde sachliches und' persönliches Glück erblühen: die Zufriedenheit der Palästinajuden und die dankbare Verbundenheit des Judentums in aller Welt, aber auch der vielseitigste Zuwachs an Steuer-, Nähr- und Wehrkraft für eine aufstrebende Türkei fiele ins Gewicht. 2. Eine solche äußere und innere Erstarkung der Türkei muß aber auch den deutschen Interessen willkommen sein, wenn die wirtschaftliche Ent-

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