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Das jüdische Echo · 1918-09-27 · 39 (27.9.1918) · p. Seite 472

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
Seite 472 (sequence 12)
Language
German
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472 Das Jüdische Echo Nr. 39 gibt. Einen auf dieser Grundlage erfolgenden Bevölkerungsaustausch betrachtet er als eine Forderung der Zukunft. Bei der Besprechung der hieraus sich für Österreich ergebenden Probleme behandelt er auch die Frage der Juden; er schreibt; „An der entgegengesetzten Grenze, im Nordosten der Donaumonarchie’, sollte eine andere Religionsgemeinschaft im österreichisch-ungarischen Staatsinteresse nutzbar gemacht werden: die Juden. Eine jüdische Provinz wäre vom ethnographischen Standpunkte der sicherste und dauerndste Grenzschutz Österreich-Ungarns. Denn diese Provinz würde nicht auf „Erlösung“ durch den mächtigen Nachbar hoffen: ihr einfaches, selbstverständliches Interesse würde sie — soweit menschliche Berechnung möglich ist — für alle Zeit an Österreich-Ungarn fesseln. Auch im jüdischen Interesse wäre dies die glücklichste Lösung: einige Millionen Juden aus der Diaspora, d. h. aus der polnischen boykottierenden Umgebung, aus der russischen und rumänischen Sklaverei zu erlösen, ihnen im We^e des Bevölkerungsaustausches eine neue Heimstätte anzuweisen, wo sie die erdrückende Mehrheit bilden und zur gesunden und sittlichen Tätigkeit, namentlich der Landwirtschaft, zurückkehren würden. Auf welch anderem Wege soll der greulichen Lage des osteuropäischen jüdischen („jidischen“) Volkes abgeholfen werden? Durch neue Vertragsbestimmungen, die ihm die „Gleichberechtigung“ oder wenigstens gewisse Menschenrechte „verbürgen“? Solche Vertragsbestimmungen wären das Papier und die Tinte, die zu ihrer Niederschrift erforderlich wären, nicht wert — das unterliegt (nach allen geschichtlichen Erfahrungen nicht dem .leisesten Zweifel. Sogar Ehrenworte oder Eidschwüre rumänischer und russischer Staatsmänner und ähnliche „Garantien“, daß von nun an Recht und Gerechtigkeit auch für die Juden „wirklich und tatsächlich“ gelten solle, hätten natürlich keinen Wert.“ Odessaer Genossenschafts-Kolonie. Vor einiger Zeit wurde mitgeteilt, daß in Odessa beschlossen wurde, eine Million Rubel für eine genossenschaftliche Siedlung in Palästina aufzubringen. Wie dem Hauptbureau des JNF im Haag ergänzend berichtet wird, ist der Beschluß auf Antrag von Ingenieur Ussischkin gefaßt worden, mit der Bestimmung, daß die Gelder dem JNF zwecks Kolonisierung von Ansiedlerkandidaten aus Odessa übergeben werden sollen. Die Sammlungen sind bereits mit Erfolg eingeleitet worden. Zuwendungen von Jüdischen Korporationen. Während des Krieges hat die Genossenschaftsbewegung immer weitere Kreise der russischen Judenheit erfaßt. Eine charakteristische Erscheinung ist das Bestreben, eine Verbindung zwischen dieser Bewegung mit der Landwirtschaft einerseits und mit Palästina andererseits herbeizuführen. So haben letztens elf jüdische Konsumvereine in Minsk mit etwa 10 000 Mitgliedern sich zu einem Verbände vereinigt, der eine segensreiche Tätigkeit für die jüdische Bevölkerung entwickelt. Er hat u. a. ein landwirtschaftliches Gut von der Ica übernommen und ein Budget von 50 000 Rubel zum Zwecke der Ausbildung von Palästinapionieren auf diesem Gute bewilligt. Die erzeugten Produkte, insbesondere Gemüse, dienen in erster Reihe zur Deckung des Bedarfes der Konsumvereine. Von dem bedeutenden Umsatz der Konsumvereine wird ein Prozent an den JNF abgeführt. Versicherungen zugunsten des JNE. Die Propaganda für die zukunftsreiche Einnahme aus Lebensversicherungen wird bisher in zwei Ländern in größerem Maße betrieben: in Amerika und in Österreich. In den Vereinigten Staaten sind die Versicherungen, die eine Art Sebstbesteuerung zugunsten des Nationalfonds darstellen, schon vor dem Kriege immer häufiger geworden. Nunmehr wird1 mit Erfolg dafür agitiert, daß die in den Krieg ziehenden Soldaten eine Lebensversicherung zugunsten des JNF abschließen. U. a. hat der Präsident eines New Yorker Vereines, Samuel Goldstein, sich vor seiner Einrückung auf 5000 $ für den JNF versichert. In Österreich hat die von der .dortigen Landessammelstelle vor einiger Zeit energisch und umsichtig begonnene Propaganda bisher Versicherungsabschlüsse im Gesamtbeträge von ca. 120 000 K zur Folge gehabt. Organisation der Juden in Niedterländisch-Indien. In Batavia und Java werden starke Anstrengungen zur Organisierung der dortigen jüdischen Gemeinden gemacht. Die jüdische Bevölkerung dieser beiden Städte hat so sehr zugenommen, daß sich die Notwendigkeit eines Gemeindezusammenhalts geltend macht. Die Bemühungen zur Organisation gehen hauptsächlich von einem holländischen Zionisten, J. Hen. aus. Dem jüdischen General Monash ist der Oberbefehl über die inFrankreich stehenden australischen Truppen übertragen worden. General Monash ist von Zivilberuf Ingenieur und steht seit Kriegsbevinn im Felde. Er organisierte und befehligte zuerst die vierte Brigade auf Gallipoli und erhielt dann die Führung der dritten Brigade. Übertritt von Juden zum Islam. Eine Deputation von Juden aus Turkestan, die in Moskau angekommen ist, berichtet, daß eine große Anzahl asiatischer Juden in den Gebieten um Turkestan sich genötigt gesehen hat, zum Islam überzutreten, um sich vor Gewalttaten und Massakres zu schützen, die andauernd von den eingeborenen Mohammedanern gegen die Juden unternommen werden. Colonial Trust Shares in Saloniki. Der Gemeinderat in Saloniki beschloß, die größten Anstrengungen zur Unterbringung von Colonial Trust Shares zu rqachen. Man glaubt, daß mindestens 5000 Shares abgesetzt werden können. Der Oberrabbiner von Saloniki hat 50 Stück erworben. literarisches Echo Neue Wege. Von einem Träumer. In Lodz erschien kürzlich ein Sammelheft für schöne Literatur und freie Gedanken, das den Namen „Jugend“ führt und von A. Ackerberg unter der Redaktion von Zwi Cohn herausgegeben wird. Diesem Heft entnehmen wir Teile eines Aufsatzes, der deutlich ausspricht, nach welcher Richtung es viele Kreise des jungen östlichen Judentums zieht.

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