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Das jüdische Echo · 1918-09-27 · 39 (27.9.1918) · p. Seite 469

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
39 (27.9.1918)
Date
1918-09-27
Page
Seite 469 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdisch« Echo 469 das Vertrauen hatte, daß er den Juden Palästinas in den Stunden der größten Not Hilfe bringen werde. Die Arbeit der zionistischen Kommission spricht für sich selbst. Dr. Weizmann kam hierher als ein Unbekannter für die hiesigen britischen Behörden, aber in wenigen Wochen hat er für sich selbst und für das Volk, das er vertritt, bei den, britischen Behörden und bei allen denen, die in Ägypten, Arabien und Palästina mit ihm in Berührung kamen, eine Position geschaffen, die einen Eckpfeiler für das Werk darstellt, das jetzt vor euch liegt. Die Arbeit der Konferenz, die ich heute hier begrüße, ist von größter Wichtigkeit. Sie haben sich für den Frieden vorzubereiten, für den Tag, an dem der Krieg vorbei und, wills Qott, ein freies Palästina entstanden sein wird. Ihre Aufgabe ist es, in Treue die Grundsteine zu Ihrem landwirtschaftlichen und kulturellen Werk zu legen. Viel hängt von der Arbeit ab, die Sie jetzt vorbereiten, und mit der Sie sich während der nächsten Monate zu befassen haben werden. Sie werden sich mit all den schwierigen Alltäglichkeiten des Lebens zu beschäftigen haben; aber in der zionistischen Bewegung lebt ein Geist, und wie das Gute das Böse überwindet, so überwindet der Geist die Materie. Wir Engländer verdanken das Beste in unserer Kultur der Bibel, und aus diesem Grunde hegen wir tiefes Interesse und warme Sympathie für das Werk, das Sie hier tun. Die zionistische Bewegung ist nicht allein eine politische, sondern auch eine geistige Macht, und wenn sie ihr Ziel verwirklicht, so wird sie der Welt etwas Großes und Schönes bringen, und nicht nur für dieses verwüstete, aber so schöne Land, sondern auch für die zerstreuten Scharen Israels und für die Menschheit.“ Hierauf ergriff der Präsident der zionistischen Palästina-Kommission, Dr. Ch. Weizmann, das Wort. Dr. Weizmann, dem eine stürmische Ovation bereitet wurde, gab einen kurzen Bericht über den Stand der Arbeiten der Kommission. Überall findet die Kommission die tatkräftigste Unterstützung der englischen Behörden, denen es auch zu verdanken ist, daß es gelungen ist, mit den arabischen Führern in freundschaftliche Beziehungen zu treten. Er wies auf die große nationale Begeisterung hin, die die Judenheit in Rußland und Amerika erfaßt hat. Das sei eine so große politische Macht, daß wir bei zielbewußter und unermüdlicher Arbeit unser Ziel werden verwirklichen können. „Nicht nur die palästinensische Judenheit blickt auf die heutige Tagung. Die Juden der ganzen Welt setzen in euch die größten Hoffnungen.“ Danach wurde das Präsidium gewählt: Dr. Thon, Vorsitzender; die Herren Hoofien und Meierowitsch Vize-Vorsitzende, Rabbiner Zitron (Petach Tikwa) und Herr Sprinzak vom Hapoel Hazair, Sekretäre. Dr. Thon hielt ein Referat über die Gründung einer normalen Vertretung der palästinensischen Judenheit. Die Schaffung eines obersten Exekutiv- Komitees ist eine Notwendigkeit, aber bei den verschiedenen Strömungen und Interessen ist es schwer, sofort an eine Verwirklichung heranzutreten. Prinzipiell herrsche das Bestreben, das Exekutiv-Komitee aus allgemeinen, direkten, geheimen und gleichen Wahlen hervorgehen zu lassen. Es sei bisher keine Einigkeit erzielt worden, wo das Exekutiv-Komitee seinen Sitz haben soll, in der Residenz der Vergangenheit, in Jerusalem, oder in der Stadt der Zukunft, in Jaffa. Die gegenwärtige Delegierten-Konferenz habe die Aufgabe, dieses höchste Exekutiv-Komitee für einen provisorischen Zeitraum zu wählen, bis die ganze palästinensische Judenheit in der Lage sein werde, sich an den allgemeinen Wahlen zu beteiligen. Der provisorische Rat soll aus 36 Personen bestehen und soll sich mindestens einmal in zwei Monaten versammeln. Dieser Rat wählt aus seiner Mitte 11 Mitglieder, die das Exekutiv-Komitee bilden. In allen gewöhnlichen Fragen des Jischuw (Verwaltung, Gericht. Erziehung, soziale Fragen) kann dieser Rat Entscheidungen treffen. Nur in Fragen, die eines der Prinzipien des allgemeinen zionistischen Programms berühren, soll die Entscheidungs-Möglichkeit dem zionistischen Kongreß oder seinen Bevollmächtigten, dem Engeren Aktions-Komitee, überlassen werden. Herr Mordechai Ben Hillel-Hakohen referierte über die Organisierung des jüdischen Gerichts. Dr. Turow sprach über die Organisierung des Erziehungs- und Bildungswesens in Palästina. Agronom J. Wilkansky referierte über die landwirtschaftliche Arbeit des Jischuw. Herr Eisenberg (Rechoboth) sprach über den Stand der Pflanzungen in Palästina. Herr Bezal'el Jaffe erstattete einen Bericht über die Hilfstätigkeit seit dem Ausbruch des Krieges. Der Referent schlägt die Gründung einer zentralen Revisions-Kommission vor, welche die Resultate der Revision der nächsten Versammlung vorlegen soll. Nach einer Reihe interner Verhandlungen zwischen den Vertretern der verschiedenen Richtungen gelangten verschiedene Resolutionen zur Annahme. Unter anderem wurde beschlossen: 1. Bis zur Einberufung der Gründungsversammhing wird das Provisorische Komitee beauftragt, die Geschäfte weiterzuführen mit dem Recht, weitere Vertreter der verschiedenen Gruppen zu kooptieren. 2. Dem Provisorischen Komitee wird die Vollmacht erteilt, eine Kommission einzusetzen, die die Wahlen zur Gründungsversammlung, die nach drei Monaten einberufen werden soll, zu leiten hat. 3. Das aktive Wahlrecht zur Gründungsversammlung haben alle Juden ohne Unterschied des Geschlechts vom 20. Lebensjahre ab; das passive Wahlrecht ist an die Erreichung des 25. Lebensjahres geknüpft. In gehobener Stimung und unter dem Gesang der Hatikwah schloß die bedeutsame Konferenz. Die Lage in Judäa. Das „Berner Intelligenzblatt“ vom 19. August veröffentlicht folgenden Bericht: Die aus Palästina eingetroffenen Berichte besagen, daß auch auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung, Ordnung und Sanität in den letzten Monaten bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden sind. Unter anderem verdient die soeben durchgeführte Versorgung der Heiligen Stadt mit gutem Quellwasser als. Erfolg britischer Technik gewertet zu werden. Bekanntlich hatte Jerusalem bisher als einzige Möglichkeit der Wasserversorgung das System der einfachen Zisternen, jener in jedem Hofe befindlichen, aus alten Zeiten gut bekannten Wassergruben, die während der Regenperiode gefüllt wurden, um dann ein ganzes Jahr die Inhaber mit dem gestandenen Regenwasser zu versorgen. Gleich nach dem Einzug der Engländer wurden die Arbeiten zur Versorgung der Stadt mit gutem Wasser begonnen. Nach sorgfältigen Untersu-

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