Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 38 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 453 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 453 delten Familien Adutt, Farchi, Russo u. a. betätigten auch dort ihr Interesse für Serbien, indem sie *ein kaufmännisches Ansehen mehrten und seinen Produkten neue Absatzwege im Westen eröffneten. Als 1842 die Obrenovic durch verhängnisvolle Ereignisse gestürzt wurden, suchte der neue Fürst Alexander Karadjordjevic im Bewußtsein, daß der Kern des Volkes der Dynastie Obrenovic anhänglich war, den orthodoxen Kaufmannsstand durch Vertreibung der Israeliten aus dem Innern und Einschränkung ihres Domizil - und Besitzrechtes auf Belgrad für sich zu gewinnen. Es war dies der erste Akt von Intolleranz gegenüber den Spagniolen, um die es sich hauptsächlich .handelte, und noch dazu in einem Lande, dessen Volk und Geistlichkeit gegen andere Religionsgemeinschaften immer eine solche Achtung zeigten, wie man sie damals nur in den kulturell weitest vorgeschrittenen Ländern Europas fand. Es war aber auch ein politischer Fehler; denn die zahlreichen, wie erwähnt, hauptsächlich spanischen Juden des Balkans wurden die anhänglichsten Untertanen der Pforte. Im Jahre 1859, als Milos Obrenowic wieder Fürst von Serbien wurde, hob er noch im selben Jahre Karadjordevic’ Judengesetze auf, mußte aber unter dem Drucke der von den' Kaufleuten des Innern ausgehenden Agitation gegen die Judenemanzipation, der sich auch einige Gemeindevertretungen und selbst die Skupschtina anschlossen, 1861 neuerdings nachgeben und die Aufhebung der die Juden beschränkenden Gesetze wieder fallen lassen. Im übrigen aber war Fürst Milos gegen die Juden wohlwollend. Er und die Regierung förderten die israelitischen Schulen, gaben Beiträge zur Bezahlung des Rabbiners, ernannten Juden zu Gemeinderäten, Mitgliedern der Handelsgerichte. Handelskammern usw. Während des Bombardements von Belgrad (1862) flüchteten viele Spagniolen nach Semlin, wo sie General Filipovic gut aufnahm und zum Verbleiben einlud. Doch kehrten nahezu alle wieder in ihre Geburtsstadt zurück. Wiederholt baten sie fortan um ihre staatsbürgerliche Gleichstellung; doch vermieden sie Schritte, um eine diplomatische Intervention zu ihren Gunsten herbeizuführen. Solche Schritte unternahm ganz selbstär)»lig di;© „Alliance Israelit© Universelle“ in Paris durch die Denkschrift „Situation des Israelites en Serbie“ die den Großmächten vorgelegt wurde. (Paris, 20. Febr. 1867.) Die volle Emanzipation der serbischen Juden, die schon durch die serbische Verfassung von Königl. bayer. Lotterie* einnahme der Preuss.- Stidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaler. München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 12. (T38 ) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9 u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14 August 191«, 3. Klasse am 10 u. 11. Sept 1918, 4. Klasse am 8 u 9. Okt. 19 8, 5 Klasse (Haupt- und Schlußziehungt beginnt am 8. Nov. und endet am 4 Dez. 1918 Lose in groöer Auswahl stets vorrätig. Preis für die 1 Kiasse; für */» 'U_V»_Vi O 10 20 40 M Bel den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzuhezahlen. 1869 angebahnt wurde, sicherte der Berliner Kongreß (1878), dessen diesbezügliche Beschlüsse durch König Milan verwirklicht wurden. Seit dieser Zeit genossen Serbiens Juden ungehinderte Freizügigkeit, man wählte sie in die Skupschtina, ihre Söhne dienten im Konsularkorps und im Heere und ihre Leistungen wurden ungeschmälert anerkannt. Diese völlige Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern ließ den spanischen Juden, die zu den im Jahre 1910 in Serbien gezählten 6000 Juden das Hauptkontingent stellen, Serbien eine Heimat werden, mit der sich nur ihre glücklichsten Zeiten in Spanien vergleichen lassen. Palästina. Das jüdische Erziehungswesen. Die Palästinakommission betrachtete es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, das jüdische Erziehungswesen in Palästina zu reorganisieren. Die Kommission hielt mit dem Waad Hachinuch eine Konferenz ab, bewilligte eine größere Subvention, um den Ausbau des bestehenden Schulwesens und die Eröffnung neuer Schulen zu ermöglichen. Von besonderer Bedeutung und ein Zeichen des neuen Geistes, der in die Jerusalemer Gemeinde eingezogen ist, ist ihr Beschluß, der Jugend eine moderne Erziehung geben zu lassen. Die Kommission studierte eingehend die Frage, ein einheitliches Erziehungswesen mit nationalem Charakter zu schaffen und diesbezügliche Verhandlungen mit der Alliance und der Anglo Jewish Association anzuknüpfen. Durch die Evakuationen, welche in Jerusalem vor allem die führenden Persönlichkeiten und darum in starkem Maße die Lehrer trafen. Ist ein fühlbarer Mangel an Lehrkräften eingetreten. Die Kommission beabsichtigt die Repatriierung jener Lehrer, die in den ersten Tagen des Krieges das Land verlassen haben. Der Präsident der London University Zionist Society erklärte in einer Versammlung, daß an die jüdische Studentenschaft ein Aufruf gerichtet werden wird, an der Arbeit in Palästina teilzunehmen und den Mangel an Lehrkräften, Ingenieuren und administrativen Kräften, der dort herrscht, zu1 decken. (J. A. B.) Die <iesundheitsverhältnisst. Wie „Palestine News“ mitteilen, haben sich die Gesundheitsverhältnisse infolge des erfolgreichen Eingreifens der englischen Behörden erheblich gebessert. Spitäler, Apotheken, Versorgung mit gesundem Wasser haben die Krankheitsfälle, die in den letzten Kriegsjahren furchtbar zugenommen hatten, glücklicherweise stark zurückgehen lassen; die besetzten Gebiete sind epidemiefrei, nur wenige Fälle von Pocken, Typhus sind in den letzten Monaten gemeldet; die noch immer furchtbar wütende Malaria wird energisch bekämpft. Die Sterblichkeitsquote ist in Jaffa und Jerusalem zur Zeit günstiger als in den meisten europäischen Städten. Schweizerische „Agudas Jisroel“ Kolonie. Das Jüdische Preßbureau Zürich berichtet: In der Sitzung vom 1. September hat das Schweizerische Landeskomitee der „Agudas Jisroel“ beschlossen, in Palästina eine Kolonie auf den Namen „Schweizerische „Agudas Jisroel“ Kolonie“ zu gründen. Mit den Organisationsarbeiten soll sofort begonnen werden. Auch soll das Schweizer Kriegswaislenhaus der „Agudas Jisroel“ in dieser Kolonie errichtet werden.