Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 38 (20.9.1918)
- Date
- 1918-09-20
- Page
- Seite 452 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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452 Das Jüdische Echo Nr. 38 lag ällptntittc pDifdif Stanftcnliaus „Sdnuiti^difli“ i« Irrufalfin ittikn Organtfatton rein europäifd) 3folterl)äufer für Anftechenbe #öcfifie Anerkennung aller 93eljörben Aufnahme unterfdjiebslos für Alle Alan forbere bie Q3ebingungen ein. bittet für feine ©efcbäftsleitung: Frankfurt a Al. ^3oftfd)ecfekonto 9tr. 7785 3rfeft. a. Al. #ält fid> für gerotffenbafte Ueberitafjme non Stiftungen empfohlen! «Betten — 3immer - Säbelt — ©cbcnktafel — Stiftungen Briefe 31t richten nach ^Köberbergmeg 63. großen Teile von Juden gelesen werden —. eben infolge jener oben skizzierten Anhänglichkeit an deutsches Wesen, durch das sie sich von so vielen christlichen Deutschen unterscheiden. Wie ihnen diese Anhänglichkeit seitens der deutschen Landsleute gelohnt wird, das zeigen die Ausführungen des Prof. Knortz. Tatsächlich zeigen sich die Deutschen in Amerika vielfach so ablehnend gegen die Juden, daß es schon durch (ihre 'Haltung d)em Amerikaner fast unmöglich wird, beide miteinander zu verwechseln, ja man hört vielfach die Meinung, daß gerade durch die Deutschen der Antisemitismus in Amerika verbreitet werde. Aber auch aus anderen Gründen legen die aus Osteuropa eingewanderten Juden durchaus keinen Wert darauf, gerade für Deutsche gehalten zu werden. Die Deutschen sind nämlich drüben keineswegs so beliebt, daß man aus der Zugehörigkeit zu ihnen irgendwelche Vorteile ziehen könnte; trotzdem sich Prof. Knortz ihre Unbeliebtheit nur aus einer „Ver* wechslung“ zu deuten vermag, haben sie auch unverwechselt manche Eigenschaft, die sie dem Amerikaner und — dem Juden häufig nicht sehr angenehm machen. Die hauptsächlichsten Gründe ihrer Unbeliebtheit sind: Unduldsamkeit und — mangelnder Nationalstolz. Im übrigen sind an dem eigentlichen Haß der Amerikaner gegen Deutschland weder die Deutschamerikaner noch die Juden schuld, sondern als den Gegenstand seiner Abneigung bezeichnet der Amerikaner das Deutsche Reich, den Militarismus, den Imperialismus. Prof. Knortz und Leute seines Schlages erscheinen den Amerikanern eher komisch als hassenswert. Die spanischen Juden in Serbien. Von Dr. Emmerich W e 11 i s c h , Belgrad. Mehr als viereinviertel Jahrhunderte sind vergangen, seitdem das berühmte Edikt der Königin Isabella vom 13. Mai 1492 alle Juden aus Spanien verwies. Tausende der unglücklichen Exulanten wandten sich nach der Türkei, speziell nach Saloniki und auch nach Serbien, das ja damals zur Türkei gehörte. Seit dieser Zeit erhielt sich in Serbien eine spanische Kolonie mit allen Eigenheiten, die diesen „Spagniolen“ allenthalben gemeinsam sind. Die meist dunkle Hautfarbe und die feurigen Glutaugen, dabei aber eine romanische Trägheit, lassen noch heute den einstens in Spanien akklimatisierten Südländer erraten. Im Verkehr unter sich bedienen sie sich ausschließlich einer spanischen Mundart, die sich, nicht mehr bodenständig, natürlich nicht wie in Spanien entwickeln konnte, die aber zum Beispiel in den spanischen Republiken Südamerikas, deren Sprache sich ja auch nicht im gewöhnlichen Maße fortbildete, sehr wohl verstanden wird. Es existiert auch eine bescheidene spagniolische Literatur und — was noch märchenhafter anmutet, als die durch Jahrhunderte von Generationen übertragene spanische Sprache an sich — es kursieren noch heute unter den Spagniolen spanische Gedichte aus der Zeit vor 1492, die ohne die Spagniolen dauernd verloren gegangen wären. Im Jahre 1911 bereiste im Aufträge der spanischen Akademie der Wissenschaften M a n ui e 1 Mamique d e Lara die spagnioli^chen Niederlassungen in Bosnien, Serbien, Bulgarien, in der europäischen Türkei, in Kleinasien usw. um diese Gedichte zu sammeln. Die Spagniolen separieren sich im allgemeinen nicht nur von der übn^n Bevölkerung und wohnen in besonderen Vierteln, sondern auch von den in spärlicher Zahl in Serbien vorhandenen westlichen Juden. Heiraten unter diesen beiden Richtungen kamen bis in die jüngste Zeit fast überhaupt nicht vor und gehören auch heute noch zu den größten Seltenheiten. Nur dadurch war es möglich, durch 421/s Dezennien die völkische Eigenart so rein zu erhalten. Daß Spagniolen bald nach ihrer Vertreibung aus Spanien in Serbien und speziell in Belgrad ansässig wurden. darauf deutet ein im Jahre 1876 in Belgrad aufgefundener Grabstein der Familie Abrabanel aus dem 15. Jahrhundert hin. Auch Reisende des Mittelalters erwähnen das Vorhandensein einer Spagniolengemeinde in Belgrad. Von ihren moslimischen Herren als tüchtige Kaufleute und Handwerker geschätzt, teilten die Spagniolen in Serbien mit den Türken gute und böse Schiksale. Bald nachdem die Kaiserlichen Belgrad 1739 verlassen hatten, trat dort Zewi Sabatai auf und entzweite die Geister. Allmählich stellten die dem positiven Judentum huldigenden Rabbiner Taitazak, Pinto, Finzi, Sasson, Pereira, Calderon, Alkalai den Frieden in der auch materiell stark zerrütteten Gemeinde wieder her. Einzelne Familien gelangten sogar zu solchem Ansehen und Wohlstände, daß sie während der serbischen Freiheitskämpfe der nationalen Sache durch die Beschaffung von Waffen und Munition aus Österreich gute Dienste leisten konnten. Fürst Milos appellierte oft an den Patriotismus der Familien Taitazak, Kumavramovic, Celebonnovic, Davico, Kohen, Ozerovic, und die nach Wien übersie-