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Das jüdische Echo · 1918-09-20 · 38 (20.9.1918) · p. Seite 451

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 451 Ösen Zentrums“ die Rede ist. und der „Israelit“ verstand diese Erklärung: dahin auszulegen, daß die Türkei nur religiöse, nicht aber nationale jüdische Ansprüche auf Palästina erfüllen wolle: Wenn es auch der türkische Staatsminister mit Rücksicht auf gewisse osmanische Kreise, die in dem Wort „national“ sogleich separatistische Gelüste wittern, vorgezogen hat. dieses ominöse Wort zu unterdrücken, so ist er sich doch zweifellos klar darüber gewesen, daß man sich mit einer religiösen Gemeinschaft unter fremdnationalem Gesetz nicht zufrieden geben wird. Der nun durch Wilson in das Gefüge der Entente-Erklärungen eingefügte Schußstein wird die Türkei und sollte alle jüdischen Kreise noch mehr in der Überzeugung bestärken, daß bei der endgültigen Regelung der Palästinafrage die Wagschale zugunsten der „nationalen Heimstätte“ schweres Gewicht tragen wird. Wenn auch die Türkei es in diesem Augenblick nicht für opportun hält, diesen nationalen Anspruch hervorzuheben, so wird sie sich doch auf die Dauer nicht der Erkenntnis entziehen, daß die Zubilligung eines nur-religiösen Zentrums zur Fernhaltung der tatkräftigsten Elemente von der Kolonisation Palästinas führen würde. Daß sie sich so stark in das eigene Fleisch schneiden, sich einer solchen Chance für die Entwicklung einer aussichtsreichen Provinz ihres Staatswesens und gleichzeitig starker Sympathien begeben wird, erscheint fast unmöglich. Der deutsche Antisemitismus in Amerika. Die „Kölnische Volkszeitung“ bringt unter der Überschrift „Erklärungen für die Entstehung der deutschfeindlichen Stimmung in Amerika“ folgenden Aufsatz: „Während des spanisch-amerikanischen Krieges und nach demselben glaubten mehrere hochgestellte amerikanische Offiziere sowohl im Heere wie in der Marine auch einen Krieg mit Deutschland am Horizonte zu erblicken, und es fehlte nicht an darauf bezüglichen Äußerungen, wenn bei festlichen Gelegenheiten etwas stark gefeiert worden war. So sah sich General Mc Arthur in Honolulu bemüßigt, zu erklären, der Krieg mit Deutschland sei unvermeidlich und das pangermanische Gefühl habe unter den Deutschamerikanern so stark um sich gegriffen, daß ein deutscher Name in den Regimentslisten zur Kuriosität geworden sei. Eine eigentümliche Erklärung der deutschfeindlichen Stimmungen wurde in der im Jahre 1914 erschienenen Schrift des Professors Karl Knortz: „Das amerikanische Judentum“, versucht. Professor Knortz ist ein geschätzter Pädagoge und ein bewährter Vertreter des Deutschtums in North Tarrytown N. Y.; da die Schrift aber gerade vor Beginn des Krieges erschien, wurde sie wenig beachtet. Professor Knortz weist darauf hin, daß die zahlreichen russ.-jüdisch. Einwanderer, deren es allein in New York eine Million gibt, eine Art Deutsch, das sogenannte „Jidisch“. sprechen, und sich, sobald sie den Kaftan ausgezogen haben als Deutsche geben. Wenn nun die Deutschamerikaner in der Union wenig beliebt seien, so liege das wesentlich daran, daß die eingewanderten Juden verstanden hätten, sich mit den Deutschen zu identifizieren, und daß die Deutschen sich das ruhig gefallen ließen. So mache der Angloamerikaner keinen Unterschied zwischen Juden und Deutschen und könne es auch nicht, weil! sich Juden und Deutsche vollständig als eine Einheit gäben. Fast jeder deutsche Verein sitze voller Juden, und eine andere als eine Judenpresse habe das Deutschtum in ganz Amerika nicht. Kein Deutscher sei in der Lage, durch die Presse irgend etwas zu veröffentlichen, was nicht vorher von den Juden sanktioniert sei. Selbst die landmannschaftlichen kleineren Zeitungen seien in jüdischen Händen, und die Amerikaner müßten einen sonderbaren Begriff von den Deutschen bekommen, wenn sie sähen, daß ein in ganz New York wegen seiner spitzbübischen Streiche berüchtigtes Subjekt einer bestimmten Klasse von Deutschen ruhig eine Zeitung schreiben dürfe. So gewöhnten sich die Angloamerikaner daran, alles, was von jener Seite Mißliebiges kam, den Deutschen in die Schuhe zu schieben, zumal die Deutschen sich die jüdische Vormundschaft so ruhig gefallen ließen. Im Staate New York war damals gerade ein temperenzlerisches Schanksteuergesetz erlassen, durch welches die Deutschen sich in hohem Maße verletzt fühlten. Prof. Knortz meint dazu, man würde es nicht gewagt haben, den Deutschen ein solches Gesetz zu bieten, wenn sie nicht in diesem Verhältnis zu den Juden ständen. Er fragt weiter, wie es sonst kommen könne, daß die Deutschen in Amerika unbeliebt seien. Ihre Arbeitsamkeit, ihre Gutmütigkeit, vor allen Dingen ihre Leistungen auf allen Gebieten der Landwirtschaft, Industrie und Wissenschaft machten sie doch zu den willkommensten Kolonisatoren in jedem Lande.“ Diese Äußerung des Professors Knortz gleicht in ihrem Charakter den antisemitischen Äußerungen, die wir hierzulande gewöhnt sind: sie verbindet hohe Wahrheitsliebe mit edler Bescheidenheit. Vor allem ist es ein starkes Stück zu behaupten, die russisch-jüdischen Einwanderer verständen es „sich mit den Deutschen zu identifizieren.“ In der Tat leben die jüdischen Einwanderer in ganz anderen Stadtvierteln als die Deutschen, und wenn sie die j i d i s c h e Muttersprache aufgeben, so geschieht es regelmäßig, um sie mit der englischen zu vertauschen. Richtig ist allerdings, daß die deutsche Sprache, deutsche Kunst und deutsche Geselligkeit in Amerika zu einem großen Teile von Juden gepflegt wird: es sind dies aber keine aus Rußland eingewanderten, sondern die Nachkommen der zahlreichen Juden, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aus Deutschland nach Amerika wanderten. Diese Juden haben ihren Kindern und Enkeln mit der Liebe zu Deutschland auch die zur deutschen Sprache vererbt — ganz im Gegensatz zu dem nichtjüdischen deutschen Einwanderer in den Großstädten, der selbst so schnell wie möglich sein Deutschtum abzustreifen bestrebt ist, oder es wenigstens bei seinen Kindern verkümmern läßt. Ebenso unwahr ist die Behauptung, das Deutschtum in Amerika habe keine andere als eine „Judenpresse“. Der Besitzer der größten deutsch-amerikanischen Zeitung, der New Yorker Staatszeitung, Mr. Ridder, war ein besonders kirchlich gerichteter Katholik; auf den Redaktionen anderer deutsch-amerikanischer Zeitungen herrscht ein geradezu antisemitischer Geist. Nicht daß nur Juden die Zeitungen schreiben, ist wahr, wohl aber ist es richtig, daß die deutsch - amerikanischen Zeitungen zu einem

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