Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-09-20 · 38 (20.9.1918) · p. Seite 450

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
38 (20.9.1918)
Date
1918-09-20
Page
Seite 450 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138408--02328-9075150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

450 Da» Jüdische Echo Nr 38 machen. Wer möchte jüdische Politik und jüdische Religion trennen? Daß der Riß heute zwischen beiden klafft, ist größtenteils eine Folge der Konfessionalisierung des jüdischen Lebens, wovon die Ritualisierung des Rabbinerberufs nur ein Teil ist. Es heißt nicht etwas Neues einführen, sondern nur den alten normalen Zustand wieder hersteilen, wenn der Rabbiner aus einem Kultusbeamten für die wenigen Interessenten zu einem Vertreter der Bedürfnisse der jüdischen Gesamtheit gemacht wird. V. Wir haben im Vorstehenden zu skizzieren versucht, was unter den Aufgaben eines Rabbiners einer deutschen Großgemeinde wie München zu verstehen ist —, nicht nur nach der privaten Ansicht des Verfassers, sondern wohl auch nach der weiter jüdischer Kreise.*) Unsere eingangs gestellte Frage: Was für ein Mann soll der neue Rabbiner sein? beantwortet sich daher dahin: Er soll so sein, daß er fähig ist, diese Aufgabe zu erfüllen, soll kein Verwaltungsbeamter, sondern ein Führer seines Volkes sein. Ein Beamter hat vertretbare Eigenschaften, ist ersetzbar. Mensch und Amt ist beim Beamten getrennt, ja oft im Gegensatz zu einander. Der Führer aber setzt seine Person für sein Amt ein; der Führerberuf ist ihm Lebenszweck. iNur ein! solcher aufrechter Mann kann den Mut finden, denen, die ihn angestellt haben, auch entgegenzutreten, sie auf neue von ihm für richtig gehaltene Bahnen mitzuziehen gestützt auf seine höchste Pflicht, für die jüdische Zukunft zu wirken, die nicht die Zukunft einzelner Richtungen ist, sondern die Zukunft des gesamten Volkes. Was im einzelnen diese Pflicht zu tun gebeut, steht nicht in der rabbinischen Dienstanweisung, sondern wird dem vom heiligen Berufseifer erfüllten Mann im einzenen Fall sein Gewissen sagen. Hat er diesen Mut, dieses Verantwortungsgefühl, dieses männliche Gewissen nicht, so ist er eben kein Rabbi, sondern ein Beamter. Könnten wir einen solchen Mann für München gewinnen! Weite hiesige Kreise würden dann sogar — so ketzerisch dies heute noch klingt — gegebenen Falls die weniger ansehnliche Körperlichkeit eines solchen Bewerbers in Kauf nehmen. Wer nicht schon durch seine bloße Er¬ *) Wir hielten es für sehr erwünscht, wenn zu der hier behandelten, für das Wohl der Münchner Gemeinde so wichtigen Frage, auch von anderer Seite das Wort ergriffen würde. Wir sind gerne bereit, auch entgegengesetzten Ansichten Raum zu gewähren. D. Red.! scheinung etwas ist, wird um so mehr sich bemühen, etwas zu sein durch sein W iIr k e n. Und nun mögen die maßgebenden Männer der Verwaltung zur Bewerbung auffordern, den Tüchtigsten auswählen! Der Tüchtigste ist für München gerade gut genug. .... , Dr. Sigbert Feuchtwanger, München. Erklärung Wilsons für den Zionismus. Präsident Wilson hat, wie das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet, eine Botschaft zugunsten des Zionismus erlassen, in der er sein Interesse für die Arbeit des Wiederaufbaus in Palästina, die von der unter Leitung Prof. Weizmanns stehenden Zionistischen Kommission in Palästina unter den Auspizien der britischen Regierung durchgeführt wird, und seine aufrichtige Freude über die soeben erfolgte Grundsteinlegung der Hebräischen Universität in Jerusalem ausdrückt. Präsident Wilson fügte hinzu: „Ich ergreife gern die Gelegenheit, meine Genugtuung auszudrücken über den Fortschritt der zionistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten und den alliierten Ländern seit der im Namen der britischen Regierung abgegebenen Erklärung Balfours und seit der Zustimmung Großbritanniens zur Errichtung Palästinas als nationale Heimstätte für das jüdische Volk.“ Mit dieser Botschaft haben sich nun sämtliche Entente-Großmächte für ein jüdisches Palästina ausgesprochen. Die Botschaft des Präsidenten Wilson hat umso höheren Wert, als er sich ausdrücklich auf die englische Regierungserklärung bezieht. Es ist in der letzten Zeit in Deutschland verschiedentlich versucht worden, die Bedeutung der englischen Erklärung abzuschwächen bezw. zu behaupten, die britische Regierung habe ihre Haltung gegenüber dem Zionismus geändert. Daß der Präsident der Vereinigten Staaten jetzt auf diese Erklärung als auf den Anstoß zur Anerkennung Palästinas „als nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ hinweist, zeigt deutlicher als jedes andere Argument, daß die alliierten Regierungen wirklich gewillt sind, dem Versprechen in seiner ganzen Tragweite nachzukommen. Bemerkenswert ist auch die erneute Bestätigung, daß es sich wirklich um eine nationale Heimstätte handelt. Durch die Indiskretion eines einzelnen — orthodoxen — Mitgliedes der zu den Verhandlungen mit Talaat Pascha nach Konstantinopel entsandten jüdischen Delegation, ist eine nicht zur Veröffentlichung bestimmte Erklärung des türkischen Premierministers verbreitet worden, in der nur von der Schaffung eines „religi- Jttündjner Getiefte ^adjri'djfen (9rö{jte,fügl.2tnal erfd)einenbe 3eitung ©üb* unb 27Mefbeuffd)* lanbä. ftauffräffigerLeierfrete unb Üf>erSDeutfd)IanbÜ(9rensen hinauf gefjenbe Verbreitung, ©rofüerfauf» männ. u. get»erbl.©teflenmarft Slnerfonnt fefjr erfolgreich für Slnseigen aller SIrt. feigen* preit unb ^ad)iaü nad) Sarff. »ejugdpresd mono«, m.2. — bei _ anen t>eutf<hen Potfanftalten ' /I /> f ♦ /*(% a « « rf a a a A ft%ft a f *4 £L A r\. r\. S~tL *__ i* I _ / j i ___ .... ^uyim/cKiuiiuye iiuui iuu uuu ksjempiare/uoer Jy?Uuon£efer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.