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Das jüdische Echo · 1918-09-13 · 37 (13.9.1918) · p. Seite 441

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 441 fürsten vorstellig zu werden. Am 28. Dezember kamen die Boten von Speyer und Worms in Heidelberg an. Sie berichteten dem Pfalzgrafen von dem Vorgehen der beiden Räte, und daß das Volk angebe, Brief und Siegel vom ihm zu haben. Sie mahnten ihn an seine Pflicht als oberster Truchseß und Verweser des Landes. Der Pfalzgraf war erbost darüber, daß man ihm die Veranlassung zugeschrieben habe. Er bedauerte, daß die Bauern nicht gezüchtigt worden seien, und bat, den beiden Amtlleuten das Geleite zu entziehen, bis er die Sache untersucht habe. Gleichzeitig aber besprach er mit dem Gesandten, ob es denn nicht möglich wäre, die Juden zum Verzicht auf die Zinsen zu bewegen, da doch das Volk sehr arm sei. Die Boten antworteten, daß der Rat sicher sehr gern bereit sein würde, über diesen Punkt mit Gesandten des Pfalzgrafen in Beratung zu treten. Die Mahnung des Städteboten hatte ihren Zweck nicht verfehlt. Am 3. Januar erschienen Hans v. Sickingen, Wiprecht v. Helmstedt, der Vogt von Heidelberg, Bernhard Kreise v. Lindenfels, Wiiprecht, Amtmann zu Oppenheim und Heinrich v. Rodenstein, Burggraf zu Alzey, in Worms und erklärten, daß sie auf Befehl des Kurfürsten die Bauern verhört hätten. Diese hätten gesagt: „Sie wern den Juden zu Worms und anders wo groiss und viel schuldig und wo in dieselbe scholt nit genzlich abegetane, ir bürgen ledig gesagit und ir pfände Widder gegeben wurden, so mussten sie daz lant rumen.“ Die Gesandten stellten deshalb an den Rat das Verlangen, die Judenschulden aufzuheben. Geschähe das nicht, so befürchteten sie, daß nichts Gutes folgen würde. Der Rat erschrak sehr, denn er hatte gehofft, daß die Sache sich gütlich beilegen lassen werde. Er machte allerlei Ausflüchte. Schließlich erklärte er, er habe die Juden vom Reiche, und so lange nicht von diesem ein allgemeiner Beschluß über die Juden gefaßt sei, würden sie diesen* Friede, Gnade und Geleite geben. Infolge dieser Antwort wurde die Haltung der Bauern, die von allen Seiten Zulauf erhielten, so drohend, daß sich der Rat veranlaßt sah, sich abermals an den Kurfürsten zu wenden, gleichzeitig aber auch Speyer und Frankfurt um militärische Hilfe anzugehen. Am 6. Januar 1432 sandte er dem Pfalzgrafen olinen ausführlichen Bericht. Er schilderte Ähm den Ursprung und den Verlauf der Bauernunruhen, legte ihm die Verhandlungen mit den genannten pfälzischen Räten dar und teilte mit, daß er vor einem neuen Anschlag gewarnt sei. Er bat den Pfalzgrafen als den Reichsvikar und Landesherrn einzuschreiten, die Übeltäter zu bestrafen und die Bauern anzuhalten, die den Bürgern schuldigen Zinsen und Gefälle zu zahlen. Der Pfalzgraf, der in Bruchsal weilte, vertröstete sie in seiner Antwort vom 9. Januar auf seine Rückkehr nach Heidelberg. Es gelfang schließlich, die Aufständischen zu zersprengen. Um solchen Unruhen für die Zukunft vorzubeugen, wurden die Rädelsführer am 6. Februar in einer Fürstenversammlung zu Bingen abgeurteilt. Der Kurfürst wollte das Odium, als sei er Veranlasser der Bewegung, nicht auf sich sitzen lassen und zeigte sich daher sehr empfindlich darüber, daß der Rat von Worms in einem Briefe an die Städte die Sache so dargestellt hätte, als ob das Verlangen einer Schuldentilgung von ihm ausgegangen sei. Er bezeichnete es als Verleumdung und verlangte Widerruf. Der Rat mußte ihm in der Tat am 29. August 1433 einen Brief ausstellen, in dem er erklärte, daß jenes Verlangen von dien kurfürstlichen Räten, ohne Wissen des Kurfürsten, ausgegangen sei. Aber am selben Tage mußte er auch bewilligen, daß den Bauern zur Bezahlung ihrer Judenschulden eine lange Frist gewährt und die aufgelaufenen Wucherzinsen nachgelassen wurden. So hatte denn Ludwig am Ende wenigstens einen Teil von dem erreicht, was er erreichen wollte. H Dr. Fritz Lammfromm. | ...a—mm Mit dem Bataillonsarzt Dr. Fritz Lammfromm, Sohn des Kaufmanns Bernh. Lammfromm, Augsburg, der am 11, August in einem Lazarett seinen Wunden erlag, ist ein Mann dahingegangen, dem auch das Judentum ein dankbares Gedenken schuldig ist. Der Verstorbene war nicht nur ein Jude, der seinem Volke die Treue wahrte, sondern dabei ein Mensch von so vorzüglichen Eigenschaften, daß er auch allen1 Nichtjuden, welche ihn kannten. Achtung vor dem Judentum einflößen mußte. Den bayerischen Sanitätsorden, das Verdienstkreuz, sowie das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse hatte er sich in dreijähriger vorbildlicher Pflichterfüllung verdient und wenn dereinst eine Statistik Kunde von den vielen Juden, welche selbstlos ihr Leben für Deutschlands Ehre dahingaben, gibt, dann wird der Name Lammfromm mit an der Spitze stehen. Die Beileidsbeweise des Regimentskommandeurs und anderer Vorgesetzten und Kollegen an die Hinterbliebenen geben ein Bild von der großen Wertschätzung, welche man dem tapferen Juden, Menschen und Arzt allseits entgegenbrachte. Gemeinden* u. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.} Personalien. Das Eiserne Kreuz I. Klasse erhielt Vizewachtmeister Walter Bloch, Sohn des Zigarrenfabrikanten Max Bloch in Emmendingen. Gotthold Ehrentreu, Sohn des Herrn Rabbiners Dr. Ehrentreu, erhielt das Bayer. Militärverdienstkreuz mit Schwertern. Bei der Verabreichung dieser Auszeichnung bemerkte der Kommandeur, daß es ihn freue die Auszeichnung noch vor den hohen Feiertagen übergeben zu können; so könne er dieselbe an den Feiertagen mit Stolz tragen. Ehrentreu ist ein bewährter Führer des Münchener „Blau-Weiß“. Zum k. b. Leutnant wurde befördert Arthur Levi, bei einer Flakbatterie. Der Assistenzarzt Fritz Jacobi (München) wurde zum k. b. Oberarzt der Reserve befördert. Das Eiserne Kreuz I. Klasse wurde verliehen: dem Leutnant d. R. Max Weinberger in Bayreuth, Leutnant d. R. Paul Chapp in Berlin, Stabsarzt d. R. Dr. Bischofswerder in Frankfurt a. M., Unteroffizier Martin Wiener in Hohensalza, Leutnant d. R. Oskar Herz in Ittlingen, Vizefeldwebel Markus Moch in Nonnenweier, Leutnant d. L. Ludwig Kaatz in Plaschen, Arzt Dr. Aron Petu-

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