Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 36 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- Seite 428 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138405--02304-9075126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
428 Das Jüdische Echo Nr. 36 betont, daß die Möglichkeiten für Handel und Transport angesichts der militärischen Lage augenblicklich natürlich nur sehr begrenzt sind. Die Gründung einer Volkskasse in Jaffa. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In Jaffa ist auf Initiative einer Gruppe aus dem jüdischen Mittelstände eine Volkskasse (Kupath Am) gegründet worden. Von den Aktien in Höhe von 5 Pfund wurden im Verlaufe der ersten 14 Tage mehr als 150 abgesetzt. Das Statut der Gesellschaft wurde der zionistischen Palästina-Kommission zwecks Erlangung der Bestätigung der englischen Okkupationsbehörden überreicht. Die Aktien der Jewish Colonial Trust. Die englische Regierung hat dem Jewish Colonial Trust die Erlaubnis erteilt, sein Anleihekapital um weitere •£ 100 000 zu erhöhen und Anteilscheine über diesen Betrag auszugeben. Diese Erlaubnis beruht auf dem Wunsche, die Wiederaufbau-Arbeit in Palästina zu unterstützen. In der Regierungserlaubnis ist ein bestimmter Betrag festgesetzt, der bei der Zeichnung der Anteilscheine nicht überschritten werden darf. Rußland. Das jüdische „Togblatt“ eingestellt. Das jüdische Preßbureau in Stockholm berichtet: „Unser „Togblatt“, die einzige jüdische Tageszeitung in Rußland, wurde von der Regierung als „gegenrevolutionäres“ Blatt für immer eingestellt. Als Vorwand zu dieser Maßregel diente ein Artikel dieses Blattes, der die Unwissenheit der Teilnehmer des letzten Sowjetkongresses in Moskau schilderte. „Krasnaia Gazotta“, das Gassenblatt des Petersburger Sowjets, gibt in einem „Jüdische Schwarzhundertschaften“ überschriebenen Artikel Proben des „Togblatt“-Artikels, die den gegenrevolutionären Charakter des jüdischen Blattes dartun sollen. Das „Togblatt“ hatte geschrieben: „Die Delegierten waren fast alle einfache Bauern und das sprang in die Augen. Eine große Masse, die sich keine Rechenschaft gibt über das, was im Saale vorgeht. Diese erstarrte und passive Masse zeigt nur die Aufmerksamkeit, wenn von etwas „Konkreten“ die Rede ist, von einer Kuh, vom Brot usw. Diese Delegierten stellen viele Fragen, aber man läßt sie das schriftlich tun, wozu sie keineswegs fähig sind .... Und doch ist das ein Kongreß von Bauern. Nicht jener Bauern, die sich „Malkin“ und Kamkow- Katz nennen, keinen einzigen Juden findet man unter diesen Bauern.“ Diese Kritik also ist in den Augen der Bolschewikiführer ein Grund, das Blatt zu den „Schwarzen Hundertschaften“ zu zählen und es für immer zu unterdrücken. Gewalttaten gegen Juden. In Lisinka wurden 25 Juden ermordet und etwa 50 während eines Pogroms verwundet. In der Näher des Dorfes Strizenka liegen die Leichen von 24 Juden unbegraben im Freien. Auch sie sind die Opfer von Pogroms verwundet. In der Nähe des Dorfes Zivatoff wird fast täglich jüdisches Eigentum geplündert, ohne daß die Behörden jemals einschreiten. Rumänien. Hinrichtung jüdischer Soldaten in Rumänien. Das Kopenhagener Zionistische Bureau veröffentlicht ein Dokument aus der demnächst erscheinenden englischen Ausgabe des Buches „Die Judenpolitik der Rumänischen Regierung“ von Dr. S. Bernstein, das der europäischen Öffentlichkeit aufs neue furchtbare Verbrechen, die von der rumänischen Regierungsbehörden während des Krieges verübt worden sind, zur Kenntnis bringt. Dieses Dokument führt eine so beredte Sprache, daß es überflüssig ist, ihm etwas hinzuzufügen: „Ein jüdischer Soldat vom 8. Jäger-Regiment, Gottesmann, wurde unter der Beschuldigung, daß er desertieren wollte, hingerichtet, obzwar er nur im Dorfe zur Verrichtung seiner Notdurft zurückgeblieben war, und obwohl sein Stabsfeldwebel, Irodel Vasile, und sein Kompagnie-Kommandant, Leutnant Mrezescu Gheorghe, Widerspruch erhoben und bekundeten, daß er einer der besten und bravsten Soldaten der Kompagnie sei. Auf dem Hinrichtungsplatz wurde von den Offizieren des Regiments ein Gelage veranstaltet. Nach der Festigung der Fronten Marasti-Galatz und Moldau-Gebirge erließ der Chef des Generalstabes General Presan an alle Truppeneinheiten den Befehl, besondere Abteilungen jüdischer Soldaten, mit schwarzer Montur ausgerüstet, zu bilden und sie dauernd in der Schwarmlinie mit Maschinengewehren im Rücken zu hakten. Ein Neffe dieses Generals, Neffe des früheren Bukarester Bürgermeisters, Emil Petrescu, Leutnant Petrescu Radu, vom 8. Jäger-Regiment, 6. Kompagnie, bediente sich jedoch eines noch praktischeren Mittels, um die jüdischen Soldaten loszuwerden. Er befahl dem Feldwebel Jacob von seiner Kompagnie, alle Juden, die unter seinem Kommando standen, hinzurichten, was auch in der Nacht vom 21. zum 22. November a. St. 1916 zwischen Casin-Kloster und Clabuc geschah. In dieser Nacht wurden von ihren eigenen Kameraden niedergemetzelt: Ciurraru Zalic aus Burdujeni, Moise sin Aron Dudel, David Idel aus Botosani und Solomon Herscu Avram. Ein fünfter, Meier sin Iancu aus Darabani, der von*seinem Kameraden Gorbanescu Dimitrie mit dem Bajonett durchbohrt und als Totgeglaubter zurückgelassen worden war, wurde am nächsten Tage von einer ungarischen Patrouille aufgelesen. Ein sechster, Hertel Itic, welcher rechtzeitig verständigt wurde, entwich, als er zusammen mit den anderen zum Richtplatz, jeder mit seinem Henker im Rücken, geführt wurde. Der Feldwebel Mocanescu Peter, vom 8. Jäger- Regiment, 8. Kompagnie, ist im Besitz der vom Leutnant Petrescu Radu eigenhändig geschriebenen Liste der jüdischen Soldaten, die in der Nacht vom 21. auf den 22. November 1916 zu ermorden waren. Der Tod dieser Unglücklichen, die je 4 bis 6 Kinder hinterlassen haben, wurde bis zum 11. Dezember a. St. 1916 geheim gehalten. Nachdem an diesem Tage an derselben Stelle (Casin-Clabuc) der erste Kampf stattgefunden hatte. Wurden sie als „in dem Zusammenstoß vom 11. Dezember 1916 gefallen“ angegeben. Die Gattin des Meier sin Iancu aus Darabani erhielt einige Tage später eine Verständigung von Petrescu Radu, daß ihr Gatte „als Soldat“ in dem Kampf vom 11. Dezember 1916 bei Clabuc „gefallen“ sei. Inzwischen war, wie erwähnt, dieser Iancu von einer ungarischen Patrouille aufgelesen und in einem Hospital abgeliefert worden. Er besitzt das Vormerkblatt Nr. 16476 vom Krankenzugprotokoll des k. u. k. Epidemiespitals Arad, mit der Diagnose: „Stichwunde captis parietalis-Gegend“.