Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 36 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- Seite 422 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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422 Das Jüdisch* Echo Nr. 36 Man hat so oft — und mit Recht — die Interesselosigkeit der Westjuden gescholten; aber wenn man bedenkt, daß in einer Stadt wie München, in der die ostjüdische Bevölkerung nahezu den vierten Teil der gesamten jüdischen Bevölkerung beträgt und eine große Anzahl begüterter Leute aufweist, bisher — außer einigen Betstuben und neuerdings dem Plan einer Talmud Thorah — noch keinerlei Versuch auf jüdisch-kulturellem Gebiet unternommen worden ist, so muß man sich doch fragen, ob nicht die Schuld der Ostjuden an diesen Zuständen mindestens ebenso groß ist. Mögen doch sie mit dem Beispiel eines ernsten Willens zur Tat, d. h. zur Schaffung eines sozialen Zentrums, in dem sich die verschiedensten Gebiete jüdischsozialer und kultureller Fürsorge vereinigen, vorangehen — die Hilfe der von diesem Beispiel angespornten Westjuden wird dann nicht auf sich warten lassen! Die Feier der Grundsteinlegung für die jüdische Universität. An der Feier der Grundsteinlegung für die jüdische Universität, die am 24. Juli stattfand, nahmen außer den Mitgliedern der zionistischen Kommission der kommandierende General und Mitglieder seines Stabes, der Militärgouverneur von Jerusalem, und Mitglieder des französischen und italienischen Stabes bei der palästinensischen Armee teil. Anwesend waren ferner der Mufti von Jerusalem, Bischof Maginnes, der anglikanische Bischof von Jerusalem, die Vertreter der armenischen und der griechischen Kirche, der Bürgermeister und der Vizebürgermeister von Jerusalem,. der Gemeindeälteste der jüdischen Gemeinde in Kairo, die Oberrabbiner von Kairo und Alexandrien, die sephardischen und aschkenasischen Oberrabbiner und Vertreter aller jüdischen Organisationen und Ausschüsse in Jerusalem, Jaffa und den Kolonien. Der Tag wurde zu einem allgemeinen jüdischen Feiertag in Jerusalem erklärt, und etwa 6000 Menschen nahmen an der Feier teil. . Nach der Eröffnung der Feierlichkeit durch eine Hymne, legte Dr. Weizmann im Namen der zionistischen Organisation den ersten Grundstein für die jüdische Universität. Seinem Beispiel folgten die beiden Oberrabbiner von Jerusalem und die Führer des Vereinigten Komitees im Namen der Jerusalemer Gemeinde. Weitere Steine wurden gelegt vom Mufti und vom anglikanischen Bischof. Auch für das jüdische Regiment, für Baron Edmond de Rothschild, die Stadt Jaffa, die Kolonien, die hebräische Literatur, die hebräischen Lehrer, die hebräische Wissenschaft, die jüdischen Handwerker und Arbeiter, Isaac Goldberg (dank dessen Spende das Grundstück erworben werden konnte) und die künftige Generation wurden Grundsteine gelegt. Dann hielt Dr. Weizmann die folgende Ansprache: „Wir haben heute den Grundstein zu der ersten jüdischen Universität gelegt, die auf diesem Hügel errichtet werden und auf die Stadt Jerusalem niederblicken soll. Die Gedanken vieler von uns sind rückwärts gerichtet auf die großen historischen Ereignisse, die mit Jerusalem verknüpft sind, Ereignisse die einen Teil der Erbschaft der Menschheit bilden. Ohne allzu große Phantasie können wir uns vorstellen, daß die Seelen derer, die unsere große Vergangenheit geschmiedet haben, heute mit uns sind, uns begeistern, uns zu größeren und immer größeren Aufgaben anfeuernd. Viele andere wieder werden des sichtlichen Kontrastes zwischen der heutigen Feier und der Kriegszsenen, die sich wenige Meilen von uns entfernt abspielen, gedenken. Einen kurzen Augenblick lang wollen wir uns in einen geistigen Waffenstillstand hineinversetzen, und, alle Gedanken an den Krieg beiseitelassend, versuchen, den Schleier des Krieges zu heben und einen Blick in die Zukunft zu tun. Vor einer Woche begingen wir den 9. Ab, zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels und das anscheinende völlige Erlöschen des jüdischen national-politischen Lebens. Aber Jahrhunderte lang haben wir, das steifnackige Volk, uns geweigert, unsere Niederlage anzuerkennen, und „Judaea Capta“ steht wiederum am Vorabend des Sieges. Aus dem Elend und der Verwüstung des Krieges entsteht hier der erste Keim eines neuen Lebens. Bisher haben wir uns damit begnügt, von Wiederaufbau und Wiederherstellung zu sprechen. Mit dieser Universität jedoch sind wir über Wiederherstellung und Wiederaufbau hinausgegangen, noch während des Krieges schaffen wir etwas, das als Wahr- .•) Vit "ßauThallmaier fiofUeferant München ThejaünßdCrAd. or