Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 36 (6.9.1918)
- Date
- 1918-09-06
- Page
- Seite 420 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Das Jüdisch® Echo _Nr. 36 fiiiimiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiifiiiiii 9a« Poctnfint lüWfdit ürttttltftiliaua | „S'djoare-Jröfli“ i« Iftnfalci “".f' 2 ßrganifation rein europöifd) ©efdjäftsle 3folierf)äufer für Anfteckenbe 33oftfcf)eckk 2r)öcf)fte Anerkennung oller 35eljörben S)ölt fief) für geraiffenßofte Hebernoßn Aufnahme unterfdjiebslos für Alle betten — 3intmer — Soweit — Alan forbere bte 53ebtngungen ein. Briefe m r itnng: Frankfurt a. Al. onto Ar. 7785 3rkft. a. Al. te non Stiftungen empfohlen! ©ebenktafet -- Stiftungen. id)ten naef) Aöberbergtoeg 63. 11I11111 ii ii ««ii 1111III11111II lllllllllllllll llll ii 1 iiiiiii im i iiiiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiii dem bereits vori den jüdischen Kolonien Geleisteten, brachte uns das vergangene Jahr vor dem Einmarsch der englischen Truppen in Jerusalem die Erklärung der englichen Regierung und nach ihr eine ganze Fülle weiterer Regierungserklärungen. Sind diese auch — wenigstens soweit sie die Türkei und die Mittelmächte betreffen — nicht durchweg so eindeutig, wie das nationale Judentum es wünschen muß, so bieten sie doch in ihrer Gesamtheit eine Gewähr dafür, daß ein künftiger Friedenskongreß die jüdische Palästinafrage lösen muß. Das in Deutschland gegründete Komitee Pro Palästina, die kiirzlichen Verhandlungen in Konstante nopel. das Eintreten der Sozialdemokratie für die zionistischen Ziele und der Anschluß der jüdischen Ärheiterma.ssen* in Amerika an die Bewegung, die Entsendung der zionistischen Palästina-Kommission seitens der englischen Regierung, die Legung des Grundsteins zur hebräischen Universität zeigen, daß die zionistische Arbeit nicht nur allenthalben Verständnis findet, sondern bereits in lebhaftem Fluß ist. — Auf das letzte Ziel der Bewegung weist ein nicht zu unterschätzendes Ereignis des letzten Jahres hin: die Palästina beschlüsse der amerikanischen Zionisten. Beweisen sie doch, daß es sich um den Aufbau eines Gemeinwesens handelt, dessen Grundlage die der sozialen Gerechtigkeit und der wahrhaften Demokratie sein wird. Also ein wirklich neuartiges Glied in der Kette der nationalen Gemeinschaften! Es bleibt uns der Rückblick auf die Lage in Deutschland selbst. Hier ist — abgesehen von dem Anschwellen des Antisemitismus — vor allem das Zustandekommen der V. J. O. D. zu verzeichnen, als eines Beweises, daß das deutsche Judentum endlich verstanden hat, daß es Pflichten gegen die Gesamtheit des Judentums hat und diese in geschlossenem Vorgehen gegen alle Verletzung jüdischer Rechte verteidigen muß. Schon haben sich der V. J. 0. D. — im Falle der rumänischen Judengesetzgebung — große Aufgaben geboten; ebenso große stehen ihr noch bevor, an denen ihre Führer beweisen können, ob es ihnen wirklich ernstlich um die Erhaltung der jüdischen Volksart zu tun ist. Auch die übrigen Ereignisse im Leben des deutschen Judentums stehen im Zeichen des Zusammenschlüsse'; der Kräfte. Vor allem hat die Tagung der Vertreter der Orthodoxie und die der Agudas-Jisroel-Jugendvereine gezeigt, daß in das allzu lange ganz regungungslose gesetzestreue Lager endlich Bewegung gekommen ist. Die letztere Tagung hat gezeigt, daß der nationale Gedanke sich für das orthodoxe Judentum mit neuem Inhalt erfüllt hat, was nicht zu einer verstärkten Loslösung der Orthodoxie vom Gesamtkörper der Judenheit führen, sondern im Gegenteil eine Gewähr ihres Versci melzens mit der jüdischen Gesamtheit bilden sollte. Innere Bewegung verriet auch die Vertreter Sitzung der jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands, und wenn sie noch nicht zur Vereinigung der verschiedenen Kräfte führte, so zeigte sie doch auch im Leben eines Teiles der deutsch-jüdischen Jugend, der noch vor kurzem für das Judentum verloren schien, einen starken Willen zur Besinnung auf sich selbst und die jüdischen Pflichten, der auf eine Entwicklung zum nationalbewußten Judentum hindeutet. Die Vorbereitungen zum nationaljüdischen Jugendtag in Berlin (dem ein solcher in Wien vorausging), zeigten, daß der nationalgesinnte Teil der jüdischen Jugend über die bloßen Versprechungen zum „Jüdischwerden“ längst hinausgewachsen ist und ernsthaft an der Erfüllung seines Lebens mit jüdischem Geist arbeitet. Die gleiche Tendenz spricht sich in den beiden im Laufe des Jahres entstandenen Jugendzeitschriften „Jerubbaal“ und „Der j ii d i s c h e W i 11 e“ aus. In unserem engeren Kreise, im bayerischen und besonders im Münchener Judentum hat auch das letzte Jahr keine besonderen Ereignisse gesehen. Die Vorarbeiten für die Revision des Juden gesetzes sind in einem Tempo fortgeschritten, das andeutet, wie wenig Interesse die bayerischen Juden dieser wichtigen Frage entgegenbringen. In München sind als immerhin erfreuliche Tatsachen der gute Erfolg der Sammlung für Palästina und der in ostiüdischen Kreisen erwachte Wille zur Schaffung eüner Talmud Thiora zu verzeichnen. Das ist nicht sehr viel und erweckt den Wunsch, daß im neuen Jahre die bayerischen Juden die Zeichen der Zeit erkennen und sich zu regerer Arbeit aufraffen mögen. Denn wenn auch im Gesamtjudentum noch vieles ungetan und unentwickelt blieb, so dürfen wir doch als zusammenfassendes Ergebnis der äußeren und inneren Ereignisse des letzten Jahres, seines Verlangens nach Vereinigung der Kräfte und nach Erfüllung mit jüdischen Inhalten sagen: „Der ganze Strudel strebt nach oben!“ ^6340737^8573708