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Das jüdische Echo · 1918-09-06 · 36 (6.9.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
36 (6.9.1918)
Date
1918-09-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halb;'. M. 2.—, Ganz;. M.4.—,Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, mmimm Ängelegenheiten Anzeigen: Die viergespaltene | Nonpareille - Zeile oder deren Raum J 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt. — j Anzeigenannahme: Verlag des] „Jüdischen Echo“, München, Herzog! Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. j Postscheckkonto: München 3987. J Nummer 36 München / 5. Jahrgang 6. September 1918 Rückschau auf das Jahr 5678. Ein Jahr liegt hinter uns, in dem die Ereignisse sich drängten. In den Strudel der aufeinanderprallenden Völkerschicksale hineingezogen, erlebte das jüdische Volk in einem einzigen Jahre Schwankungen seiner Lage, zu denen in normalen Zeiten Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte gehört hätten. So starkes Erleben kann nicht spurlos an der jüdischen Volksseele Vorbeigehen; wir haben schon lange gefühlt, daß es für uns nur zwei Wege geben kann; einen jähen Aufschwung oder eine rapide Auflösung, und wir fragen uns, in welcher Richtung die Ereignisse des Jahres 5678 auf uns gewirkt haben. Ein Blick auf die wichtigsten äußeren und inneren Geschehnisse des verflossenen Jahres soll es uns lehren. Da stehen in erster Reihe jene Geschicke, die über die Juden des Ostens hereinbrachen; schon das Schulgesetz für Polen ließ den polnischen Juden Zweifel aufsteigen, ob ihr Kampf um ihre nationalen Rechte zu einem Ziele führen würde; die weiteren Erfahrungen des Jahres ließen ihnen jegliche Hoffnung schwinden: sie erkannten, daß sie völlig den Polen ausgeliefert worden waren, über deren Politik, eine Politik der zwangsweisen Assimilation, kein Zweifel bestehen kann. Auch die Hoffnung auf eine Unterstützung durch die deutsche Regierung ist ihnen geschwunden: wenn noch irgend etwas notwendig war, um zu beweisen, daß Deutschland nicht länger der Freund und Beschützer der polnischen Juden sein mag, so ist es der kürzlich durchgeführte Grenz sic hluß, der ihnen die Freizügigkeit der Bewegung raubt und sie zu inferioren Elementen stempelt. Etwas aussichtsreicher liegen die Dinge in Litauen: noch ist hier in der Nationalitätenfrage die letzte Entscheidung nicht gefallen, aber es will scheinen, als ob dort einige Rücksicht auf die Ansprüche des jüdischen Volkes genommen werden solle. Von einer Bedeutung auch für die Juden, deren Tragweite noch nicht zu übersehen ist, war der Friede von Brest-Litowsk. In den schweren Parteikämpfen, die als eine Folge dieses Friedensschlusses in Rußland entbrannten, steht die russische Judenheit hilflos den Ereignissen überlassen und zittert, daß die allenthalben erwachenden Pogrome nur den Auftakt zu Gewalttaten bilden, die vielleicht alles im früheren Rußland Erlittene an Schrecklichkeit übertreffen werden. Nicht minder schwerwiegende Folgen hatte dieser Friedensschluß für die ukrainischen Juden. Ihnen brachte er anfangs die ersehnte nationale Selbständigkeit und als ihr Wahrzeichen ein iüdisches Ministerium — ein Federstrich hat dieses Gebilde wieder in Nichts zurückgewiesen; auch die ukrainischen Juden stehen nun ohne Macht zur Selbsthilfe den auch dort beginnenden Gewalttaten gegenüber und wissen nicht, ob sie bei der ukrainischen oder der deutschen Regierung auf irgendwelche Unterstützung zu hoffen haben. Noch trostloser erscheint die Lage in Finnland, dessen Regierung sich zu einem so gewaltsamen Akt wie die Ausweisung der jüdischen Bewohner anzuschicken scheint. Aber auch in Ö s t e r r e i c h hat sich die Situation der Juden bedrohlich gestaltet, so bedrohlich, daß sich endlich das österreichische Judentum zu einer gemeinsamen Tat aufgerafft hat: dem Protest der österreichischen Kultus g_e m e i n d e n. Es ist schade, daß uns Juden so oft erst äußerste Not zur. Gemeinsamkeit bringt, aber es ist tröstlich, daß äußerste Not uns immer noch stark genug zur Gemeinsamkeit findet. Auch der Bukarester Friede konnte nicht vorüber gehen, ohne die Lage der Juden zu berühren. Hier durfte man darauf rechnen, daß bei dieser Gelegenheit endlich Jahrzehnte altes Unrecht abgestellt werden und die rumänische Regierung zur endlichen Achtung der jüdischen Rechte veranlaßt werden würde. Formell scheint diese sich nun dazu bereit erklärt zu haben — es bleibt abzuwarten, wie die praktische Erfüllung ihrer Zusage äussehen wird. In allen diesen harten äußeren Schicksalen macht sich innerlich eine bemerkenswerte und erfreuliche Erscheinung im östlichen Judentum geltend: in alieu Ländern hat es sich gezeigt, daß der Wille zur Behauptung der e Lg - :ie;i V c 1 k s a r t -in ihm noch lebendig genug ist, um sich siegreich durchzuringen. Überall im Osten hat ein Maß jüdischer Arbeit auf sozialem und kulturellem Gebiet eingesetzt, das den Versuch, das östliche Judentum niederzuzwingen, aussichtslos erscheinen läßt. — Haben die Weltereignisse das Ostjudentum mehr leidend als handelnd gefunden, so hat sich in Westeuropa eine Entwicklung vollzogen, die nur durch eignes jüdisches Handeln herbeigeführt werden konnte: die Stellungnahme der Groß in ä,c h t e zum Zionismus. Hätte nicht das Judentum selbst seit Jahren kraftvoll seinen Willen zur Rückkehr nach Palästina und zum Wiederaufbau der alten Volksheimat geäußert, so hätten die Regierungen sich nicht davon überzeugt, daß das jüdische Palästina eines der Ergebnisse dieses Krieges sein müsse. Dank

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