Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1918-08-30 · 35 (30.8.1918) · p. Seite 413

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
Seite 413 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102973-9138404--02288-9075110
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 35 Das Jüdisch« Echo 413 Herrschaft deri Bourgeoisie tin den Hilfsgesellschaften zu verteidigen. Die Regierung weigert sich, die jüdischen Gemeindevorständie anzuerkennen, obgleich diese durch ein sehr demokratisches System gewählt wurden. Das Vorgehen der Regierung sei auf den anti-bolschewistischen Geist zurückzuführen, der in jenen Gemeindevorstands-Körperschaften herrsche. Andrerseits zeige die Regierung keine Neigung zu neuem Vorgehen gegen die jüdischen Gemeindevorsteher und die jüdisch-nationalen Körperschaften, so lange die letzteren sich nicht in politische Angelegenheiten des bolschewistischen Staates mischen würden. Im ganzen wünsche die Regierung Konflikte mit den repräsentativen jüdischen Organisationen zu vermeiden. Gegen die Judenpogrome. Wie das „Jüdische Preßbureau in Stockholm“ mitteilt, erhielt Svenska Telegrambyran aus Petersburg vom 30. Juli folgenden Funkspruch: „Der Rat der Volkskommissäre hat eine Proklamation folgenden Inhalts veröffentlicht: Nach beim Rat der Volkskommissäre eingeläufenen Informationen wird in vielen Städten eine Hetze zur Anstiftung von Pogromen entfaltet, die in mehreren Städten bereits zu Exzessen gegen die jüdische Bevölkerung geführt hat. Auf diese Weise hat die gegenrevolutionäre Bourgeoisie die den Händen des Zaren entfallene Waffe übernommen. Allein in der Föderativen Russischen Sowjetrepublik, in der das Recht der arbeitenden Massen aller Völker, frei über sich selbst zu bestimmen, proklamiert worden ist, kann es keinen Raum für nationale Unterdrückung geben. Der Rat der Volkskommissäre fordert daher alle Sowjets auf, energische Maßnahmen zu treffen, um die antisemitische Hetze auszurotten. Die Personen, die der Mitwirkung an dieser Propaganda oder der Beteiligung an Pogromen überführt werden, werden außerhalb des Gesetzes gestellt.“ Die Proklamation trägt die Unterschriften von Lenin, Brujewitsch und Garbunow. Eine sozialistische Organisation zum Kampf gegen den Antisemitismus. In Petersburg wurde dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm zufolge eine „Zwischenparteiliche sozialistische Organisation zum Kampfe gegen den Antisemitismus“ begründet. Der Organisation traten Vorsteher der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Menscheviki-Internationalisten), der Bund, die Poale-Zion und die Vereinigten jüdischen Sozialisten bei. Das leitende Komitee der Organisation entfaltet eine rührige Propaganda durch Verbreitung von Literatur und Veranstaltung von Volksversammlungen. Das Komitee begann seine Tätigkeit mit einem Manifest, in dem darauf hingewiesen wird, daß in den Siegesmonaten der Revolution die Pogromhelden nicht wagten hervorzutreten, daß nur jetzt in den Tagen des schweren Bürgerkrieges, in den Tagen der Enttäuschung und der Ermüdung, die Diener des gestürzten zaristischen Regimes wieder auf die Szene getreten sind. Dieses schwarze Gesindel drohe die revolutionären Errungenschaften des Volkes im Blute entsetzlicher Pogrome zu ersticken; es suche Racheakte an unschuldigen Menschen zu vollziehen; es bedrohe das Leben, die Ehre und den Besitz des jüdischen Volkes. Das Komitee fordert alle ehrlichen Bürger, die der Sache der bürgerlichen, politischen und nationalen Freiheit in Rußland ergeben sind. auf, das Komitee in seiner schweren und verantwortungsvollen Arbeit zu unterstützen. Beim Untergang des russischen Schiffes „Oriole“ sind, wie der „American Hebrew“ berichtet, 15 000 Juden im Kaspischen Meer ertrunken. Die Passagiere waren auf der Flucht von Baku nach Astrachan. England. Sitzung des Board of Deputies. Ende Juli fand in London eine Sitzung des Board of Deputies statt, bei der Sir Stuart M. Samuel den Vorsitz führte. Zur Diskussion stand: 1. Die Naturalisation aus Rußland gebürtiger Soldaten im englischen Heere. Es wurde beschlossen, sobald alles Material beisammen sei, an die Regierung mit der Bitte um Einhaltung ihres seinerzeit gegebenen Versprechens, Russen, die im englischen Heere gedient haben, zu naturalisieren, heranzutreten. 2. Antisemitische Propaganda. Der Ausschuß hat ein Gesuch an die Regierung gerichtet, bei Verleumdungen und Aufreizungen gegen die jüdische Bevölkerung schärfer vorzugehen und eine Abordnung zum Vortrag über diese Frage zu empfangen. Hierauf sei eine Antwort nicht eingegangen. 3. Internierung feindlicher Ausländer. Auch bezüglich dieser Frage habe man sich an die Regierung gewandt, ohne bisher einen Bescheid erhalten zu haben. 4. Judenfeindschaft im Londoner Hospital. Es wurde berichtet, daß die Hospitalleitung jegliche judenfeindliche Haltung gegen jüdische Studenten und Juden, die sich vor den Luftangriffen in das Hospital zu retten versucht hätten, bestreite. 5. Fürsorge für entlassene Soldaten. Die Vereinigten jüdischen Hilfsgesellschaften haben der Regie^mg einen Fürsorgeplan und den Vorschlag unterbreitet, jüdische Vertreter in die einzelnen Unterausschüsse für Invaliden-Fürsorge aufzunehmen. Der Schriftführer der Gesellschaft sei aufgefordert worden, im Ministerium Vortrag zu halten. 6. Agitation gegen Ausländer. Es wurde ein Beschluß gefaßt, sich dieser Agitation energischer entgegenzustellen. Besonders solle man Zeitungen im Auge behalten, die, obwohl von Juden finanziert, fortwährend die Juden angreifen. 7. Abänderung der Statuten. Die betr. Vorschläge wurden abgelehnt. 8. Ausschluß von Geldverleihern. Nach einer lebhnften Debatte darüber, ob eine solche Maßregel nicht eher geeignet sei, den jüdischen Namen bloszustellen, als antisemitische Anschuldigungen zu widerlegen, wurde der Ausschluß von Geldverleihern aus dem Board of Deputies beschlossen. 9. Berichterstattung des Ausschusses für rituelle Kost. 10. Die publizistische Tätigkeit. Lord Rothschild berichtete über Schritte, die das Pressekomitee unternommen habe, um der Wirkung eines antisemitischen Leitartikels in der „Times“ vom 10. Juli entgegenzuarbeiten. Über die militärischen Leistungen der Juden sollte Material zusammengestellt werden. Der Presseausschuß des Ministerium solle ersucht werden, solche Nachrichten von jüdischem Interesse, die der ausländischen Presse zugingen, auf Kosten des Board of Deputies auch der englischen Presse zu übergeben. 11. Vorgehen der Zionisten in der rumänischen Frage. Die Sitzung gab ihrer Meinung Ausdruck,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.