Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 35 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- Seite 412 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138404--02287-9075109- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
412 Das Jüdisch« Echo Nr. 35 soll. Um die Einzelheiten festzusetzen und das Gesetz vorzubereiten, soll ein spezielles Komitee gebildet werden, dem Vertreter der türkischen Regierung und des Jungtürkischen Komitees und andere Vertreter der jüdischen Organisationen anzugehören hätten. Aus Judäa. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Vom 8. bis 16. Juni waren die Erntearbeiten in dem ganzen Gebiet östlich und westlich des Jordans in gutem Fortschritt begriffen. Große Schober von Heu und Futtermitteln wurden in der Nähe aller Kolonien errichtet. Jerusalem hat jetzt eine tägliche Zufuhr von 300 000 Gallonen reinen Wassers, das mit einer Wasserleitung vom nahen Hebron zugeführt wird. In den letzten Monaten wurden 5 neue hebräische Kindergärten mit mehr als 300 Kindern in verschiedenen Stadtvierteln Jerusalems eröffnet. Die Zahl der hebräischen Kindergärten in Jerusalem ist damit auf 10 gestiegen. Ein Überfall auf die Kolonie Merchawia. Das Kopenhagener Zionistische Bureau teilt mit: Die Kolonie Merchawia, die vor 7 Jahren gegründet worden ist, ist besonders häufig Raubzügen und Überfällen seitens räuberischer Araber ausgesetzt gewesen. Hierbei hat sich von jeher eine Räuberbande aus dem Araberdorf Sulem hervorgetan, die sich im wesentlichen aus Familienmitgliedern des Scheichs Nedzib Atari zusammensetzte. Unter Anführung dieses Scheichs hat die Bande wiederholt Überfälle, Raubunld'- Mordzüge ins Werk gesetzt, und schon vor Ausbruch des Krieges hat der Scheich in Akko wegen derartiger Verbrechen im Gefängnis gesessen. Während des Krieges haben die Überfälle zugenommen, und es kam wiederholt zu Reibungen mit den jüdischen Wächtern der Kolonie. Alle Beschwerden bei den lokalen Behörden waren vergebens. Am 18. Juni überfielen um Mitternacht wie^- derum einige Einwohner aus dem Dorfe Sulem ein paar jüdische Koloniewächter, auf die sie sofort zu schießen begannen. Zusammen mit einigen deutschen Soldaten verfolgten die Wächter die Räuber, und es gelang ihnen, im Dorfe selbst einen von ihnen festzunehmen. Der Verhaftete wurde sofort dem türkischen Offizier in Aphule übergeben, verschwand aber schon am nächsten Tage, ohne daß jemand über sein rätselhaftes Verschwinden Auskunft hätte geben können. In der folgenden Nacht vom 19. zum 20. Juni wurde die Koloine von zwei Seiten her aufs neue überfallen. Als die durch die Schüsse alarmierten jüdischen Kolonisten zusammen mit dem deutschen Kommandeur hinzueilten, bot sich! ihnen ein furchtbares Mordbild. Von den zwei berittenen jüdischen Wächtern, die auf dem Felde waren, lag einer tot neben seinem verwundeten Pferd, der andere war schwer verwundet, sein Pferd tot. Abgeordnete der Kolonie begaben sich mit dem deutschen Kommandeur sofort zum türkischen Ortskommandeur und verlangten die Einleitung einer Untersuchung und die sofortige Verfolgung der Mörder. Die Deputation fand jedoch einen sehr kühlen Empfang. Der türkische Ortskommandeur erklärte nämlich, daß wahrscheinlich der eine Jude den anderen getötet hätte! Infolge dieses Vorfalls herrscht in der Kolonie Trauer und Schrecken. Die lokalen deutschen Behörden tun alles, was in ihrer Macht steht, um den jüdischen Kolonisten zu helfen, können aber nicht viel ausrichten, da die offizielle Gewalt nicht in ihren Händen liegt. Der Name des erschossenen Wächters ist Moses Segalowitsch, der verwundete Wächter ist Israel Reder. Ein jüdisches Geschenk an den Großmufti. Gelegentlich einer kleinen Feier in Jerusalem überreichte kürzlich Dr. Weizmann dem Großmufti die in der Stadt Adrianopel gefundene historische Kopie des Koran, die er in Kairo aufgetrieben hatte. Eine Bibliographie palästinensischer Literatur. Die zionistische Organisation in Amerika hat begonnen, eine Bibliographie der Palästinaliteratur zusammenzustellen. Der Katalog soll Bücher, Artikel, Flugschriften usw. über Palästina in allen Sprachen enthalten. Mehr noch als das archäologische soll das Material über Wirtschaftsfragen berücksichtigt werden. Das bibliographische Bureau gibt Auskunft über geschäftliche und gewerbliche Aussichten in Palästina und erteilt den Verfassern von Aufsätzen und anderen Anfragenden die gewünschten Auskünfte. Aus dem durch das Bureau gesammelten Material sollen Artikel, Übersetzungen, Sammelwerke usw. zur Information des Publikums über die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes zusammengestellt werden. Polen. 1 200 000 Mark für Polen. Das Jüdische Komitee in Holland bat vor einigen Wochen wiederum einen Betrag von 1 200 000 Mark aus Amerika zur Überweisung an die notleidende Bevölkerung in Polen erhalten. Rußland. Gewalttaten ukrainischer und bolschewistischer Truppen. In Grebenka haben ukrainische Truppen neun Juden ermordet und eine weitere Anzahl ihrer Habe beraubt. In Barischkowa befahl der Befehlshaber der ukrainischen Truppen dem Rabbiner und fünfzehn Juden an einem Freitag abend fünf Leichen zu begraben, die von benachbarten Eisenbahnstationen heimlich nach der Stadt gebracht worden waren. Man glaubt, daß es sich um Reisende handelt, die von Soldaten beraubt und ermordet wurden. Jüdische Flüchtlinge aus dem Kaukasus erzählen von schrecklichen Gewalttaten, die während des Rückzuges der Russen von bolschewistischen Truppen an Juden begangen wurden. Ganze Familien wurden ermordet, und manche Gemeinden vollständig ausgeraubt. Die Gemeinde in Baku hat einen Unterstützungsfonds für die notleidendeiH Juden eingerichtet. Die bolschewistische Regierung und die Juden. Infolge der bevorstehenden > Kontrolle der jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften in Petersburg durch den bolschewistischen Kommissar für jüdische Angelegenheiten hat sich das Gerücht verbreitet, daß ein weiteres Vorgehen gegen jüdische Institute beabsichtigt ist. Der Kommissar Rappoport, der gleichzeitig Vorsitzender des völkischen Richterkollegiums in Petersburg ist, erklärte auf Befragen, daß die Regierung Sorge tragen wolle, die Interessen der jüdischen Armen gegen die