Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 35 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- Seite 409 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 409 m Äettteiitf SfiDitdir litutlunliim» % iu Orgonifötion rein europötfcf) Sfolier^öufer für 2lttjtecfcenbe #öcf)fte 2literfcemtung aller 23ef)örbett Slufttafjtne unterfdjtebstos für 2111 e 9Jlan forbere bie 25ebittgungen ein. ifrufaltm ©ef^äftsleitnng: Frankfurt«. 9H. 2$oftfd)e&&onto 9tr. 7785 Shkft. a. 2)1. #äit fid) für gen)iffent)afte Uebernaljme non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer — Safraett — Ocbcnfttafei — Stiftungen. Briefe p rieten nad) 9Iöberbergn»eg 63. hat mit dem Tode Alexanders des Großen (! — d. Verf.) begonnen. „Von diesem Zeitpunkte an (!) ist Palästina der Zankapfel zwischen Alexandria und Äntiochia“. Die Schuld an diesem Untergang trägt die Hellenisierung der Juden, ihre Entwurzelung aus dem „Sinaiboden“. Ohne diese Entwurzelung, in deren Verlauf die Makkabäererhebung nur eine kurze Episode darstellt, wäre der „anders gedachte Gang des Gottesvolks durch die Geschichte“ anders verlaufen. Aber auch einen Trostblick gewähre dieser Verlauf der Dinge, denn trotz des politischen Untergangs sei „der jüdische Staatsgedanke nie lebendiger im Volke gewesen als in Jabne, Uschah und Sura, wo die Thorafürsten in ihren Lehrhäusern thronten.“ Diese Geschichtsbetrachtungen, sagt der Verfasser, seien das Ergebnis des heutzutage „mit Recht“ geforderten „geschichtlichen Denkens“, allerdings des „jüdisch-geschichtlichen Denkens“, und damit will er wohl seinen überaus subjektiven Erörterungen die Autorität wissenschaftlicher Objektivität vindizieren. Handeln wir zunächst von der Methode jenes Artikels, später von der Sache. Die Methode des Verfassers ist das, was an seinem Aufsatz am unangenehmsten auffällt. Es hat einmal eine Zeit gegeben, wo der „Israelit“ eine „voraussetzungslose Wissenschaft“ und damit eine objektive Geschichtsbetrachtung als überhaupt unmöglich und für das Judentum als unerwünscht, klar und deutlich abgelehnt hat. Das war doch ein offenes Wort, dem man eine beschränkte Richtigkeit in Anbetracht der natürlichen Gebundenheit des menschlichen Geistes nirgends bestreiten will. Der Verfasser jenes Artikels gibt vor, diesen, für die Orthodoxie einzig folgerichtigen und ehrlichen Standpunkt verlassen zu wollen; er will dem „mit Recht“ empfohlenen Grundsatz „geschichtlichen Denkens“ folgen, indem er „jüdisch-geschichtlich“ denkt. Das ist Spiegelfechterei. Es ist zuzugeben, daß auch beim Streben nach höchster Objektivität ein jüdischer Historiker einen jüdischen Stoff subjektiver erfassen kann als ein nichtjüdischer. Aber eine objektive Leistung ist nur da denkbar, wo das Streben danach vorhanden ist. Wer dagegen von Anfang an „jüdisch-geschichtlich“ denken will, wie der Verfasser, wird zu keiner wissenschaftlichen Leistung gelangen, weil er eine solche gar nicht beabsichtigt. So finden wir statt der angeblichen Objektivität der voraussetzungslosen Forschung eine sehr dicke Voraussetzung im logischen Beginn der Erörterungen des Verfassers, die ausgedrückt wird in dem Satze: „Anders war freilich des Gottesvolks Gang durch die Geschichte g e - dach t“. So richtig dieser Gedanke vom Standpunkt der jüdischen Theologie ist, so ungeeignet ist er als logische Grundlage geschichtlicher Erkenntnis. Während aber für diesen Gedanken die theologische Quelle ersichtlich ist, bleibt der Ursprung anderer allgemeiner Betrachtungen des Verfassers unerfindlich, und für diese kann man auch keine zwar außerhalb der Wissenschaft existierende, aber doch immerhin existierende (theologische) Autorität anführen. So der Gedanke: „Die alten Reiche Babylonien, Persien, Mazedonien mußten ihre Welthegemonie mit dem Besitz Palästinas krönen.“ Die jüdische Lehre räumt Palästina in der Vergangenheit für das jüdische Volk und in der Zukunft mittelbar für die Menschheit die einzigartige Rolle des „heiligen Landes“ ein; aber doch keineswegs für die nicht jüdische Menschheit vergangener Zeiten. Wenn also dieser seltsame Gedanke nicht theologischen Ursprungs sein kann, so ist er doch auch historisch nicht begründet. Weder durch seinen Umfang noch durch einen vergleichsweise besonderen Kulturwert hatte Palästina für die Welteroberer der Vergangenheit beträchtlichen Eigenwert; nur eine militärische Etappe war es für die asiatischen Eroberer zum Vormarsch gegen das Nilland, und für Ägypten umgekehrt ein Brückenkopf jenseits des heutigen Suezkanals, bezw. ein gegen den nördlichen Bedrohter gelegener Puffer. Den Besitz des „gelobten Landes“ zur Voraussetzung der Weltherrschaft stempeln zu wollen, ist so recht ein Beweis für die Schrankenlosigkeit der Betrachtungen des Israelit-Leitartikels; und um deswillen muß man die Ergebnisse dieses „jüdisch-geschichtlichen Denkens“ um so genauer prüfen. Das alte Palästina war einem dauernden Druck von drei Seiten ausgesetzt: von der Wüstensteppe im Osten drängten die Nomaden herein; von Süden die Großmacht J(gypten, vom Norden die Herrscher des Zwisclrenlandes; nichts ist bezeichnender, als daß nach der Tradition die Stammväter Israels erst in Chaldäa, dann in Ägypten schließlich in der Wüste beheimatet sind. Die Gefahr aus dem Osten schwindet mit der Besiegung Amons, Moabs und der anderen östlichen Randstaaten, und im Gefolge dieser Siege entsteht die Sicherstellung des jüdischen Staatsgefüges durch die Monarchie. Die zentrale Aufgabe der Staatslenker wird nunmehr die, zwischen den beiden großen Mächten im Norden und Sü-