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Das jüdische Echo · 1918-08-30 · 35 (30.8.1918) · p. Seite 408

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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408 Das Jüdisch# Echo Nr. 35 jeder Form protegierte Regime hat ihnen die Autonomie genommen, Pogrome sind zahlreich verübt worden, und eine Tendenz, durch Ausschaltung des Zwischenhandels die jüdische Bevölkerung zu bedrohen, ist zu bemerken. Vielleicht begreift Herr Dr. Jenny, daß diese Tatsachen nicht geeignet sind, die Liebe der ukrainischen Juden zu Deutschland zu entflammen. Aber das zu erklären, ist nicht der Zweck dieser Zeilen. Uns kam es hier darauf an, die Anmaßung zurückzuweisen, mit der Herr Dr. Jenny in ihm völlig unbekannten Verhältnissen nicht vorhandene Tatsachen mit unstichhaltigen Gründen zu beweisen sucht. Es hätte wirklich ein Zug im Bilde gefehlt, wenn Herr Dr. Jenny nicht am Schuß seiner Ausführungen betont hätte, sie hätten nichts mit Antisemitismus zu tun. Es scheint, die Todfeindschaft der Juden gegen Deutschland ist im selben Maße vorhanden, wie der Antisemitismus des Herrn Dr. Jenny nicht vorhanden ist. Die Palästina-Beschlüsse der amerikanischen Zionisten. Auf der Konferenz amerikanischer Zionisten, die Ende Juni in Pittsburgh stattfand und von 712 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten besucht war, wurden die folgenden, außerordentlich bedeutsamen Beschlüsse bezüglich Palästinas angenommen: „Im Jahre 1897 bestimmte der erste zionistische Kongreß zu Basel das Ziel des Zionismus als die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Durch die kürzlichen Erklärungen Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und andrer der verbündeten demokratischen Staaten ist diese öffentliche Anerkennung der jüdischen nationalen Heimstätte zu einem internationalen Faktor geworden. Wir möchten deshalb aufs neue die Grundsätze betonen, von denen die zionistische Bewegung seit ihrem Beginn geleitet war und welche die Grundlage des alten jüdischen Staates und des bestehenden jüdischen Rechtes, wie es in den Traditionen des zweitausendjährigen Exils verkörpert ist, bildeten. 1. Wir erklären uns für politische und bürgerliche Gleichberechtigung, ohne Rücksicht auf Abstammung, Geschlecht oder Bekenntnis, für alle Einwohner des Landes. 2. Um in der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina allen die gleichen Gelegenheiten zu geben, wählen wir eine Politik, die unter der gebührenden Rücksichtnahme auf die bestehenden Rechte dahin zielt, der ganzen Bewohnerschaft des Landes Anteil und Aufsicht über alle natürlichen Quellen und alle öffentlichen Einrichtungen zu gewähren. 3. Alles im Besitz des ganzen Volkes befindliche oder unter seiner Macht stehende Land soll unter Bedingungen verpachtet werden, welche die vollste Möglichkeit zu Entwicklung und dauerndem Besitz geben. 4. Das genossenschaftliche Prinzip soll so weit wie tunlich in der Organisation aller landwirtschaftlichen, industriellen, kommerziellen und finanziellen Unternehmungen angewandt werden. 5. Die Finanzpolitik soll so gestaltet werden, daß sie das Volk vor den Übeln der Landspekulation und finanziellen Bedrückung schützt. 6. Das einzuführende System des freien öffentlichen Unterrichts soll sich auf alle Grade und Zweige des Erziehungswesens erstrecken. 7. Der öffentliche Unterricht soll in der hebräischen Sprache, der nationalen Sprach© des jüdischen Volkes, erteilt werden.“ Zu diesen Beschlüssen schreibt der „American Hebrew“ vom 5. Juli: Die am heißesten umstrittene Frage auf der zionistischen Konferenz war die der Organisationsform. Innerhalb ihrer Grenzen aber verdienen die größte Aufmerksamkeit die Erklärungen über die äußere und soziale Politik der jüdischen Gemeinschaft in Palästina. Die Erklärung vollständiger politischer und bürgerlicher Gleichberechtigung aller Bewohner des Landes, ohne Rücksicht auf Religion, Rasse oder Geschlecht, bringt für alle Zeiten die Frage, was für eine Art von Staat die Zionisten in Palästina errichten wollen, zum Schweigen. Die Antwort ist einfach und unzweideutig. Es wird ein moderner Staat sein, mit keinem Rest veralteter oder mittelalterlicher Theorien und Praktiken. Die einzige Qualifikation für vollständiges und gleichberechtigtes Staatsbürgertum wird der Wohnort und die politische Zugehörigkeit sein. Kirche und Staat sollen vollständig getrennt werden. Abstammung und Geschlecht haben auf die politische oder bürgerliche Lage der Bewohner keinen Einfluß. Die Lehren der modernen Demokratie sind vollständig verstanden und verwertet worden. Womöglich noch fortschrittlicher sind die Deklarationen über Wirtschaftsund1 Sozialpolitik. Die palästinensische Judenheit soll nicht nur eine politische, sondern auch eine soziale Demokratie bilden. Der Anteil am Lande und seinen natürlichen Schätzen sowie an den öffentlichen Einrichtungen soll auf sozialer Grundlage beruhen. Bei der Organisation landwirtschaftlicher, industrieller, kommerzieller und finanzieller Unternehmungen soll so weit wie möglich die kooperative Methode angewandt werden. Landspekulation und Finanzmanöver haben zu unterbleiben. Kurzum, wenn die amerikanischen Zionisten im Namen der Zionisten der ganzen Welt sprechen, so geht die jüdische Gemeinde in Palästina wirklicher Gleichheit und Brüderlichkeit und einem Gesellschaftszustande ohne Klassengegensätze und Klassenkämpfe entgegen. Hierzu kommt ein System kostenloser Erziehung von der Elementarschule bis zur Universität mit Hebräisch als Unterrichtssprache. Dies sind die Konturen eines Staates, der modern, demokratisch, sozial und jüdisch ist. Fröhliche Wissenschaft. Von Dr. Raphael Straus. „Fröhliche Wissenschaft“, möchte man den Tischo beaw-Leitartikel in Nr. 28 des „Israelit“ benennen: „fröhlich“ wegen der dem Artikel innewohnenden Frische, „Wissenschaft“ nach der alten Weise „lucus a non lucende“. Der Artikel behandelt die tiefsten Fragen der jüdischen Geschichte in einem abgekürzten, im Sinne objektiver Beweisführung so fragwürdigen Verfahren, daß man nicht stillschweigend an ihm vorübergehen möchte. Zunächst eine kurze Inhaltsangabe: Das Drama des Untergangs des jüdischen Staats, das mit der Eroberung Jerusalems durch Titus endete,

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