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Das jüdische Echo · 1918-08-30 · 35 (30.8.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, =5§js>y' mw/immm Angelegenheiten Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Kaum 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 35 München / 5. Jahrgang 30. Äugust 1918 Die ukrainischen Juden und Deutschland Von Ibn Arjeh. Mit den Gründen des angeblichen Deutschenhasses der russischen, besonders der ukrainischen Juden, beschäftigt sich ein Herr Dr. E. Jenny im vTag“ vom 8. August. Nachdem er den Schluß aus der Sprachverwandtschaft auf die Deutschfreundlichkeit lals fajllsch zurückgewiesen hat, stellt er die etwas verblüffende These auf, die deutsche Politik müsse mit dem russischen Judentum als ihrem eingefleischtesten Feinde rechnen. Die Gründe sieht der Verfasser, bei dem die apodiktische Art seiner teilweise übrigens in üblem antisemitischem Jargon, gehaltenen Ausführungen im umgekehrten Verhältnis zu seiner Sachkenntnis steht, in drei Momenten. Die Juden sind Revolutionäre und sehen in Deutschland den Hort der Reaktion; das Geschäftsinteresse weist nach dem zur Ausbeutung einladenden, wirtschaftlich unentwickelten Großrußland; endlich scheuen die Juden die strenge Ordnung, die die Deutschen ins Land bringen, da diese sie hindert „im Trüben zu fischen“ und „aus dem Unheil des Landes Vorteil zu ziehen“. Es tut kaum not, vor einem mit den Verhältnissen im Osten auch nur oberflächlich vertrauten Publikum diese Sätze zu widerlegen. Es ist bekannt, daß die Juden von dem in Rußland einrückenden deutschen Heere Befreiung vom zaristischen Regime und Schutz ihrer nationalen Eigenart vor den Assimilierungsbestrebungen ihrer Umgebung erhofften. Wenn heute die Stimmung der jüdischen Massen gegenüber Deutschland, was wir oft genug betont haben, anders ist als zu Beginn des Krieges, so sind die Gründe nicht in dem zu suchen, was Herr Dr. Jenny dafür hält. Das jüdische Volk hat wahrlich keinen Grund zu leugnen, es konstatiert vielmehr mit Stolz, daß seine Söhne mit unbeugsamer Energie den Kampf gegen die russische Reaktion geführt haben, bis es im vorigen Jahre gelang, den Zarismus zu stürzen, Rußland zu befreien und dem russischen Judentum gesunde Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Heute aber ist der Zarismus tot, und wie auch die Zukunft Rußlands sein mag, niemand kann zweifeln, daß sie demokratisch sein wird. Deutschland, das mit der bolschewistischen Regierung Frieden geschlossen hat, hat weder Möglichkeit noch Interesse, in diese Entwicklung im Sinne der Rückkehr zu den alten Zuständen einzuwirken. Es ist also nicht einzusehen, warum die freiheitlich gesinnten russischen und ukrainischen Juden aus diesem Grunde deutschfeindlich sein müßten. Was die Tendenz nach Großrußland aus geschäftlichen Gründen anbetrifft, so wird man diesem Argument nur mit Hohnlachen begegnen. Weiß Herr Dr. Jenny nicht, daß das bolschewistische Rußland keinen erbitterteren Gegner hat als das — in seinen Massen der Bourgeoisie — angehörende russische Judentum? Hat er nicht gehört, daß auch die sozialistischen Arbeiterorganisationen des russischen Judentums gegen die Bolschewiki sich erklärt haben? Schließt er auch aus der jüdischen Abstammung Trotzkis auf die Stellungnahme des russischen Judentums? Es ist bekannt, daß ein Teil der Bevölkerung durchaus vor den Bolschewiki in die Ukraine geflohen ist. Juden bilden einen nicht kleinen Teil dieser Feinde des heutigen Großrußland. Und in der Tat, was kann eine zum großen Teil aus Kaufleuten bestehende Bevölkerungsgruppe von einem Regiment erwarten, das durch Verstaatlichung von Produktion und Absatz den Zwischenhandel zu vermeiden sucht. Geschäftliche Interessen ziehen im Augenblick die Juden sicher nicht nach Großrußland. Andrerseits ist bekannt, daß viel weniger ukrainischer Nationalismus als Gegnerschaft gegen die Bolschewiki zur Gründung des ukrainischen Staates geführt haben und daß, wenn in Rußland das Regime sich ändert, alle Schichten der Ukraine wieder Anschluß an Großrußland1 suchen werden. Von dieser Tendenz werden auch die Juden keine Ausnahme machen. Abei das sind zukünftige Möglichkeiten, die für den Augenblick keine reale Bedeutung haben. Es wäre unter der Würde des jüdischen Volkes, die Beschuldigungen zu widerlegen, daß die Juden fürchteten, nicht mehr im Trüben fischen, nicht mehr „ungeheuerliche Gewinne“ machen zu können. Bringt doch der Verfasser die Bemerkung fertig, daß selbst die Pogrome dem Judentum zum Gewinn ausgeschlagen hätten, weil das geraubte Gut zu Spottpreisen in die Kanäle des jüdischen Schleichhandels laufe. Wer nach dem unermeßlichen Elend, in dem das östliche Judentum sich in materieller Beziehung befindet, es noch wagt, von ungeheueren Gewinnen des Judentums zu sprechen, der ist böswillig oder blind. Es ist hier nicht der Platz, die Gründe zu untersuchen, die zwar keineswegs eine Feindschaft gegen das Deutschtum hervorgerufen, wohl aber den Enthusiasmus der ersten Besatzungswochen abgekühlt haben. Die nationale Autonomie war den Juden von der ersten ukrainischen Regierung gegeben worden. Das neue, von Deutschland in

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