Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 34 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- Seite 397 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 397 seiner religiösen Überzeugungstreue zugemutet werden. In d e m Sinne ist unser Ruf nach einer „Einigung“ nicht zu verstehen. Auch w i r wissen, daß der „Scholaum“ nicht auf Kosten des „Emess“ erkauft werden soll. ad 2. Alle trifft die Pflicht, sich der gemeinsamen jüdischen Voliksgeschichte und der sich daraus ergebenden nationalen Aufgaben zu erinnern und an ihrer Erfüllung tätig mitzuarbeiten. Auch den Orthodoxen! Wie sagt die Hagadah: „WeafilJu kulonn chachomim ...“ ad 3. Ei, so ein Sederabend z. B. könnte vielleicht auch ein Kind nichtorthodoxer Eltern von der „Schönheit der jüdischen Gebrauch e“ überzeugen. Und wir können dem Einsender verraten, daß nicht eines, sondern recht viele solcher „Außenstehender“ erstmals durch die Kameraden im Blau-Weiß mit diesen jüdischen Bräuchen bekannt geworden sind und sie lieben gelernt haben. ad' 4. Wenn unser Freund dem Seder bis zum Schluß beiwohnt, so wird er nach dem feierlichen „Leschonah habooh b'ijeruschiollajim“, das jedes Jahr seit Jahrtausenden als inbrünstigster Wunsch jedes jüdischen Vaters erschallt, kaum mehr die Frage auf werfen, ob das „zionistische Ideal“ auch von dem Orthodoxen anzuerkennen sei. Der Orthodoxe muß heute,mit Schmerz erkennen, daß der größere Teil des aus dem. Ghetto heraustretenden Judentums aufhört, „orthodox“ zu sein. Ist es (von seinem Standpunkt aus) wirklich das Richtige, daß er sich nun auf sich und seine engen Kreise zurückzieht und die „Anderen“, die „Außenstehenden“ sich, selbst überläßt? Es ist eine etwas kleinmütige Auffassung, die hier aus den Worten des Einsenders spricht und die Politik gewisser orthodoxer Kreise überhaupt kennzeichnet. Wir meinen, sie passe schlecht zn der Überzeugung von der Aufgabe, die das orthodoxe Judentum nach „Gesetz und Tradition“ als die seinige zu betrachten hat. Die Blati"Weißtagung in Berlichingen. Eine Blau-Weiß-Führerin schreibt unserem Blatte: Die Bllau-Weiß-Tagung ist ein Ereignis in unserem Leben, worauf wir uns das ganze Jahr unendlich freuen, an das wir bei unserer Arbeit oft denken. Denn dort gilt es zu zeigen, daß wir fortgeschritten sind, uns weiter entwickelt haben wie alle andern Ortsgruppen, daß wir mit allen noch eben so einig sind, wie wir es die vergangenen Jahre waren. Ich will in einfachen Ausführungen die diesjährige Tagung, die Anfang August in Berlichingen stattfand, schildern. Am Montag begann sie. Doch wfaren schon viele am Freitag an Ort und Stelle, um den Sabbat gemeinsam in der kleinen Judengemeinde in dem trauten Örtchen Berlichingen im Jagsttal zu verbringen. Der Sonntiag brachte alle übrigen Teilnehmer. Von überall her waren sie gekommen zum westdeutschen Bundestag. Da gab es ein Begrüßen, ein Fragen, und erst tief in der Nacht kam man auf sein Heulager. Für Kost und Verpflegung hatte die Bundesleitung ordentlich gesorgt, so daß keiner der ca. 450 Teilnehmer unzufrieden sein konnte. Am nächsten Morgen fanden sich die einen im gemeinsamen Spiel, die andern saßen singend zusammen in der Scheune, und die dritten waren zum Schwimmen gegangen. Erst nachmittags um 3 Uhr versammelten sich alle auf einer lichten Anhöhe, wo der eigentliche Bundestag mit dem Nationallied eröffnet wurde. Nach der kernigen Ansprache eines Berliner Führers wurden die Blau-Weißnadeln an die Wanderer, die ihre ersten 10 Fahrten hinter sich hatten, verteilt. Die Eltern hätten die stolzen, leuchtenden Gesichter ihrer Kinder sehen sollen, als ihnen das Ehrenzeichen, das den Blau-Weißen kennzeichnet, angesteckt wurde. Nun gings zu den Wettspielen, wo sich die Kleinen wie die Großen mit gleichem Eifer beteiligten. Übrigens will ich verraten, daß sich die Münchner Mädels auszeichneten und einen Sieg davontrugen. Abends war die Führersitzung. Ein Referat über Mädchenwandern und Berufsfragen für Mädchen brachte viel Interessantes und man war sich klar darüber, daß die Mädchen bei der Wahl des Berufs in erster Linie daran denken müssen, daß sie nützliche Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft werden und ihren Beruf später nutzbringend in Palästina ausiiben können. — Die zweite und hauptsächlichste Frage über „Religion und Blau-Weiß“ wurde auch zur Befriedigung aller gelöst. Man einigte sich durch Entgegenkommen der verschiedenen Richtungen im Sinne des Blau-Weiß: Die Wanderer aus orthodoxem Hause sollen in keiner Weise im Blau- Weiß etwas vermissen, doch wird das Nationalitätsgefühl in unserm Bund *— wie es schon bis jetzt der Fall war — besonders gepflegt werden. Nach einer völligen Einigung gingen wir tiefbefriedigt voneinander; wir hatten wieder gemerkt, daß uns nichts, rein gar nichts trennen kann, haben wir doch alle den gleichen starken Willen: den Willen zur wahren jüdischen Gemeinschaft. Den Dienstag konnte jeder nach Belieben verbringen. Es gab ja so viele, auf deren persönliche Bekanntschaft man sich schon so lange gefreut hatte, so viele, mit denen man sich besprechen wollte. So kam der Abend bald, der uns alle an einem großen Feuer, das in der Mitte eines steil emporsteigenden Steinbruchs aufloderte, vereinigte. Der Eindruck davon ist nicht zu schildern; die dabei waren, werden ihn nie vergessen. In die Nacht hinein erschallten die Lieder, die meisten in unserer alten hebräischen Sprache. Mit dem Verlöschen des Feuers wurde es immer stiller, und erst alls es ganz dunkel war, merkten wir, daß es kühl geworden war und man schlafen gehen mußte. Der nächste Morgen brachte den Abschied. Er war durch die Aussicht auf ein Wiedersehen erleichtert. Die einen gingen noch auf Fahrt, die andern fuhren gleich nach Haus. Man ging noch ein Stück mit lieben Gefährten zusammen, allmählich aber blieben wir Münchner allein. Doch Traurigkeit konnte nicht aufkommen — hatte man von der Tagung doch wieder so viele Anregungen mitgebracht. Um diese zu verwerten, gilt es, mit frischer Kraft wieder an die Arbeit zu gehen. 1 , M. F. Palästina. General Allenby in Jerusalem. Über den Besuch, den General Allenby im Mai der Stadt Jerusalem abstattete, liegen nunmehr ausführlichere Berichte vor. Am 24. Mai wurde der General gemeinsam mit einigen anderen hohen Offizieren vom Befehlshaber von Jerusalem und Dr. Weizmann empfangen. Die ganze Gesellschaft begab sich in das palastartige Haus der Frau Helez im bu-