Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 34 (23.8.1918)
- Date
- 1918-08-23
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Das Jüdische Echo Nr. 34 verschmelzen wollen wir, was sich nicht vereinigen läßt, sondern, ich bekenne es offen, trennen wollen wir‘s. Dann wird die Wahrheit bleiben, die Unwahrheit fallen. Und die Partei der Wahrheit wird den Frieden finden. Das ist der Sinn des Psalmwie des Väter Wortes. Ich weiß, man wird diese Anschauung im anderen Lager nicht billigen. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich darum, daß man die orthodoxe Anschauung kennen lerne als das, was sie ist: Nicht eine Lust an Plänkeleien und Streit, sondern der Drang nach Wahrheit und Frieden. Ein Weiteres will und kann ich heute nicht erreichen. Anmerkung der Redaktion. Wir haben die Erwiderung des Herrn Levinger in ihrem vollen Wortlaut gebracht, wie wir stets bereit sind, auchi gegnerischen Darlegungen Raum; zu geben, wenn sie, wie die des Einsenders, von ehrlich-jüdischer Überzeugung diktiert sind. Daß wir seine Anschauungen „nicht billigen“ werden, hat Herr Levinger mit Recht vorausgesagt. Zu unserer Genugtuung können wir feststellen, daß weite Kreise des orthodoxen Judentums gleichfalls grundsätzlich einen anderen Standpunkt einnehmen als Herr Levinger ihn vertritt. Wie wäre es sonst erklärlich, daß hunderte von orthodoxen Kindern am Blau-Weiß teilnehmen, ja mit seine besten. Mitglieder sind? Und es dürfte ferner auch) dem Herrn Einsender nicht unbekannt sein, daß hervorragende Vertreter des traditionell-gesetzestreuen Judentums (wir erinnern nur an den verstorbenen ehrwürdigen Rabbiner Reines, den Begründer und Leiter der Tälfmudhochschule in Li da) sich der zionistischen Bewegung angeschlossen haben, daß die innerhalb der zionistischen Gesamtorganisation bestehende Fraktion des „Misrachi“ viele Tausende orthodoxe Juden umfaßt, deren religiöse Überzeugungstreue und Zuverlässigkeit auch Herr Levinger sicherlich nicht anzweifeln wird. Wir bestreiten die Berechtigung der Levingerschen These: „Nur der ist ein Jude, der die Verbindlichkeit der schriftlichen und1 mündlichen Lehre anerkennt, der andere ist ein Min, ein Abtrünniger“. Sie findet sich so nirgends im Talmud. Unter Minim versteht der Talmud die Anhänger feindlicher Religionssekten : die meisten Stellen, die sich auf Minim beziehen, haben diie Judaeo-Christen im Auge. Was allles im Kampfe gegen diese Sektierer im Talmud gesagt wird, dürfte der Herr Einsender selbst schwerlich auf die Gegenwart und auf die heute bestehenden innerjüdischen Religionsgegensätze anwenden wollen. Gewiß wird im Talmud und Schulchan Aruch auch der Gesetzesleugner und1 Gesetzesübertreter aufs schwerste verurteilt. Aber daß' er durch sein Denken oder Handeln aufhöre Jude zu sein, ist nicht richtig. Ebensowenig wie heute ein Staatsverbrecher, der die Gesetze und Interessen seines Heimatsstaates aufs schwerste mißachtet und verletzt, deshalb aufhört, diesem anzugehören, ebensowenig verliert nach der Lehre des orthodoxen Judentums der das Religionsgesetz mißachtende Jude seinen Charakter als Jude. Das Judentum hat seinen nationalen Charakter nie verleugnet. Wer das Gottesgesetz Übertritt, versündigt sich. Aber „obwohl er gesündigt hat, er bleibt ein Jude.“ Praktisch erkennt auch selbst der intransigenteste Agudas-Jisroel-Orthodöxe diesen Standpunkt an, indem er auf vielen Gebieten der Vertretung nach außen und der sozialen Arbeit im Innern mit den Neologen, den „Sündern“ zusammenarbeitet. Wir wollen zugeben, daß sich das Problem etwas anders stellt, da wo die Jugenderziehung in Frage kommt. Aber uns will es dünken, daß die Methode der Absperrung für die der Einsender sich einsetzt, heute einfach nicht mehr durchführbar ist. Auch der orthodoxe Jude schickt heute sein Kind vom sechsten Jahr an in die öffentliche Schule, wo es mit andersgläubigen und — jüdisch-unfrommen Kindern zusammentrifft. Er muß also die Erziehung von früh an darauf einstellen, daß die Lehre des Elternhauses sieb auch anderen Meinungen gegenüber zu behaupten versteht. Und da soll nun der B 1 a u - W e i ß , das gesellig-frohe Zusammenwandern mit andern jüdischen Kindern plötzlich ein so gefährlicher Herd der Ansteckung sein, daß der Orthodoxe seihe Kinder davon zurückhalten muß? Der Blau-Weiß hat kein p odl i t i s c h e s Programm, auch kein zionistisches. Seine Grundlage ist allerdings eine jüdisch-nationale Auffassung, die vielleicht von einem „liberalen“ Assimilanten, nicht aber vom orthodoxen Standpunkt aus beanstandet werden kann. Und nun noch eine kurze Antwort auf die „vier Fragen“, die uns der Einsender vorlegt. Wir würden gerne mit denselben Worten darauf erwidern, mit denen der Vater am Sederabend seines Kindes „vier Fragen“ beantwortet, und meinen daß die „seltsam klingenden Fragen“ des Einsenders mit dem „Awodim hojinuh“ und1 allem, was darauf und daraus folgt, eine durchaus erschöpfende Antwort finden. ad 1. Unsere Geschichte — seit den Tagen Pharaos —■ zeigt uns unsere nationale Zusammengehörigkeit und verpflichtet uns zu nationalem Zusammenhalt. Deshalb soll! keinem ein Opfer?S®X9®X9SX9<2ilC9QXS)3J!QXS)(äX9jC5S^9<2iCS)<2ac£>SXSSt 1!Kgf. ‘Bayer. Porzellan* I I ‘Manufaktur Qlympßenburg I {Hauptnieder [age <T7[ünc£en: Qdeonsplafy 1 {Kunst* a. ßuxusgegenstände, cCafe(=, bessert», jg X {Kaffeeu. c€eegesc/iirre, Figuren, Gruppen etc. j? Q nach alten ‘Ilymphenburger Original-Modellen. © S {Außerdem neue formen und AKodetfe nacß Gnt* 6 M würfen erster fflüncßner {Künstfer. K Königl. ibayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Südd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier, München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 12. (238.) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 9. u. 10. Juli 1918, 2. Klasse am 13. u. 14. August 1918, 3. Klasse am 10. u. 11. Sept. 1918, 4. Klasse am 8. u. 9. Okt. 1918, 5. Klasse (Haupt- und Schlußziehung) beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1918. Lose in groOer Answohi stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für Vs lU V2 lh „ . , . 5 10 20 40 M Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen.