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Das jüdische Echo · 1918-08-16 · 33 (16.8.1918) · p. Seite 385

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
Seite 385 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 385 ten vier Wochen sind in Tiberias wiederum 22 von den aus Jaffa evakuierten Juden gestorben Hilfe ist dringend notwendig.“ Das Stadt-Komitee (Waad Ha’ir) in lerusalem Das Kopcnhagener Zionistische Bureau berichtet* Der nach der Okkupation Jerusalems in der Stadt gewählte Waad Ha’ir entwickelt ein© lebhafte Tätigkeit, die sich namentlich im Verkehr mit den englischen Behörden dokumentiert. Fast täglich entstehen eine Reihe von Fragen, die für die jüdische Bevölkerung ein Interesse haben und die mit den Befehlen der Militärmacht in Verbindung stehen. Eine große Zahl von Juden sind mit Weg- und Chaussee-Arbeiten beschäftigt. Die jüdischen Arbeiter sind zu besonderen Gruppen organisiert, die unter der Aufsicht von Juden stehen. Der Waad- Ha'ir hat gemeinsam mit den Militärbehörden die Arbeiten derart organisiert, daß die Juden am Sabbath von der Arbeit befreit sind. Auch in den Entlohnungsfragen werden die Beschlüsse gemeinsam mit dem Waad Ha’ir gefaßt. Die Sabbatfrage hat auch in einer anderen Frage die Intervention des Waad notwendig gemacht. Der Eisenbahnverkehr Jerusalem—Ägypten ist für die Zivilbevölkerung nur für einen Tag in der Woche freigegeben, der aus militärischen Gründen auf den Samstag festgesetzt werden mußte. Durch die Bemühungen des Waad ist es gelungen, die Erlaubnis für diejenigen Juden, die am Samstag nicht reisen, zu erwirken, an einem Wochentage, nämlich Dienstag, diese Eisenbahn benutzen zu dürfen. Gegenwärtig steht der Waad in Verhandlungen mit den Militärbehörden betreffs des Verbotes des Verkaufes von Wein und Alkohol, wodurch zahlreiche jüdische Familien, die durch den Weinhandel und die Weinindustrie ihren Lebensunterhalt verdienen, in Mitleidenschaft gezogen wurden. In einem öffentlichen Bericht des Herrn Hoofien ist erklärt worden, daß der Waad den Behörden Vorschläge unterbreitet hat, die sowohl die Absichten der Militärbehörden, wie die Interessen der Beteiligten berücksichtigen. Die Militärbehörden haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, die Vorschläge wohlwollend zu prüfen. Die englische Militärverwaltung hat im Okkupationsgebiet von Palästina eine neue Zivilgerichtsbarkeit eingesetzt, wobei bekanntlich der Zionist, Major Norman Bentvich zum obersten Appellations-Prokurator ernannt wurde- Die englischen Militärbehörden beabsichtigen bei der Regelung der Rechts-Fragen der jüdischen Bevölkerung die unter den Juden herrschenden traditionellen Gesetze (wie z. B. in Erb- und Testamentsfragen) zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck hat die militärische Justizverwaltung mit dem Vize-Vorsitzenden des Waad Ha’ir, Herrn Mejuchas, mehrere Besprechungen abgehalten. Eine energische Tätigkeit entwickelt der Waad Ha’ir zwecks Hebung der sozialen und sittlichen Zustände gewisser jüdischer Kreise, die infolge der traurigen sozialen Verhältnisse der letzten Jahre in eine verzweifelte Not geraten sind. Der Waad hat mehreren lokalen Hilfs-Organisationen, wie dem Frauen-Verein und dem Ärzte-Verein die Möglichkeit gegeben, auf diesem Gebiete hilfreich einzugreifen. Der Waad ist hauptsächlich bestrebt, den betreffenden Elementen durch Beschaffung von Arbeit zu Hilfe zu kommen. Qsfterresch. Ausschreitungen in Jaroslau. Die „Jüdische Rundschau“ erhielt den folgenden, ursprünglich für die „Jüdische Zeitung“ bestimmten Bericht über jüngst stattgehabte antisemitische Vorgänge in Jaroslau: „Die allgemeinen Approvisionierungsschwierigkeiten waren die Ursache von Ausschreitungen und Krawallen, die am 19. Juni l.J. den ganzen Tag andauerten. Für uns ist es von Wichtigkeit, daß jede solche Hungersnotdemonstration mit einer antijiidischen Hetze verbunden ist. Am 18. Juni hat eine Frauendeputation wegen andauerndem Brotmangel vorgesprochen. Die von der Besprechung zurückkehrenden Weiber riefen laut in die Straßen, „Schuld an allem sind die Juden!“ Am nächsten Tage waren die jüdischen Verkaufsbuden das Angriffsziel der enttäuschten und wütenden Menge. Jüdische Geschäfte wurden überfallen. Öfen in jüdischen Bäckereien demontiert — wenn auch in den christlichen viel eher das Brot zu finden gewesen wäre. Die Militärpolizei und die städtischen Sicherheitsorgane waren beschauliche Zeugen der wilden Szenen und man sah einzelne Funktionäre und Personen von Stand (auch solche, die ein Lehramt ausüben!) Winke und Weisungen geben, wo jüdisches Eigentum zu rauben und zu plündern ist. Die jüdische Jugend und einige beherzte Bürger organisierten eine Selbstwehr, die zusammen mit der auf Befehl des Stationskommandanten einschreitenden Militärbereitschaft den Ausschreitungen ein Ende setzte. Die jüdische Bürgerschaft, die hier sonst ein höchst philisterhaftes Leben führt und sehr schwer aufzurütteln ist, wollte mit sich zu Rate gehen, wie solche Hetzen abzuwehren sind. Auf die Initiative des Herrn Dr. Buchheim, des Präsidenten des zionistischen Lokalkomitees, wurde eine Bürgerversammlung auf Grund des § 2 in die große Synagoge einberufen; sie wurde aus ganz kleinlichen, formalen Gründen von der Be^- hörde aufgelöst.“ Da dieser Bericht von der österreichischen Zensurbehörde beschlagnahmt wurde, richtete der Abg. Dr. Straucher eine Interpellation an das Abgeordnetenhaus, in der darauf hingewiesen wird, daß die Veröffentlichung eines solchen Berichtes durch die Behörden leicht im Publikum so aufgefaßt werden kann, als ob diese das Vorgehen der Exzedenten gutgeheißen, umsomehr als in andren Blättern Artikel, die den Judenhaß anstacheln, ungehindert erscheinen dürfen. Tisza und Wekerle über den Antisemitismus. Bei der Verhandlung des Militär Versorgungsgesetzes brachten mehrere Abgeordnete auch die Stellung des Judentums im Weltkriege zur Sprache, was sowohl den Führer der Mehrheitspartei, Grafen Tisza, als auch den Ministerpräsidenten Wekerle veranlaßte, sich in dieser Frage zu äußern. Graf Tisza erklärte, er halte jede wie immer geartete Zuspitzung dieser Frage für verfehlt, der Antisemitismus sei ungerechtfertigt, weil Handlungen Einzelner nicht nach der Konfession oder Rasse beurteilt werden dürften. In seinem Regiment hätten im Vorjahre zwei jüdische bis zur Tollkiinheit tapfere brave Offiziere gedient, die die glänzendsten Eigenschaften des ungarischen Soldaten repräsentierten. Der Honvedminister Baron Szurmay, der bekanntlich an der Verteidigung der Karpathen hervorragenden Anteil hatte, rief dazwischen: „Auch unter meinem Kommando haben sich zahlreiche jüdische Offiziere und Soldaten glänzend bewährt.“ Graf Tisza bezeichnete es als im höchsten Maße ungerecht, wegen des Verhaltens einzelner über alle jüdischen Mitbürger den Stab zu brechen. Das Übel liege in Ungarn darin, daß die Beschäftigungs-

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