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Das jüdische Echo · 1918-08-16 · 33 (16.8.1918) · p. Seite 383

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
33 (16.8.1918)
Date
1918-08-16
Page
Seite 383 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Das Jfidischo Echo 383 ken soll. Daß, während andre Kolbnisationsbestrebungen mit Brücken-, Wege- oder Festungsbauten beginnen, am Anfang der unsren die Grundsteinlegung der hebräischen Universität steht, ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Ob auch die Tagung der Agudas-Jisroel- J u g e n d v e r e i n e (vergl. den Bericht über die Würzburger Tagung von H. F. in dieser Nummer) als Äußerung des jüdischen Willens zu deuten ist? Man könnte versucht sein, es zu glauben. Jahrzehntelang hat die Orthodoxie ruhig mitangesehen, wie ihre Reihen sieb von Tag zu Tag lichteten, wie ihre Jugend dem Judentum verloren ging, und hat keinen Finger gerührt, um sie zurückzuhalten. Nun, da der ganze Teich in Wallung geraten ist, hat sich der Lebenswille auch jenem Teil, in dem die Orthodoxie lebt, mitgeteilt. Auch sie beginnt, sich zu regen. Aber wie? indem sie eine hohe Scheidewand zwischen sich selbst und dem übrigen Judentum errichtet, indem sie das Häuflein, das ihr geblieben ist, von der Gemeinschaft mit allen Nichtorthodoxen zurückruft und ihrer Jugend ängstlich verwehrt, sich mit jenen zu gemeinsamem Streben und gemeinsamem Schaffen fiir das Gesamtjudentum zu verbünden. Daß sie hierzu Mittel wählt, die sie jenen andren abgelauscht hat, ist nicht ganz gleichgültig — es beweist, daß die ganze Bewegung nicht lebenskräftig genug ist, sich ihre eigenen Formen zu schaffen. Aber das ist nebensächlich im Vergleich zu der Tatsache, daß die deutsche Orthodoxie es für gut findet, sich in einen Schmollwinkel vom Werk der Erneuerung zurückzuziehen. Mit welcher Hoffnung? etwa der, die riesengroßen Teile des Judentums, die sich der Orthodoxie endgültig entfremdet haben, zurückzugewinnen? das wäre ein unerklärlicher Optimismus. Also nur um der Absonderung selbst willen! nur um bei dem ungeheuren Werk des jüdischen Zusammenschlusses, das heute getan wird, abseits zu stehen und sich der Absonderung zu freuen! Nur damit, wenn der Teich zum See aufschwillt und alle Elemente des Judentums — auch die Orthodoxie andrer Länder — sich in frischer, jugendlicher Tatenlust vereinigen, irgendwo ein kleiner Sonderttimpel, ein winziger, bewegungsloser aber selbständiger Froschteich steht, der den Namen „die deutsche Orthodoxie“ führt. Und gerade die deutsche Orthodoxie könnte bei der Wiedererrichtung der alt-neuen jüdischen Volksgemeinschaft so Großes leisten. Es ist schade um die Menschen! — Der erste Bundestag der Ä.J.J.O. in Würz bürg. Den angestrengten Bemühungen des geschäftsführenden Ausschusses der A.gudas Jisroel Jugendorganisation war es Ende Juli gelungen, die Erlaubnis zur Abhaltung eines Bundestages in Wiirzburg, wenn auch nur für drei Tage, zu erhalten. Zum ersten Male sollten sich hier alle Gruppen treffen, ihre Erfahrungen austauschen, Vorschläge machen, Anträge stellen und, was die Hauptsache war, einander kennen lernen, um in enge, dauernde, freundschaftliche Beziehungen zu einander zu treten. _ Die Tagung dauerte vom 28- VII. bis 2. VIII. Aber schon lange zuvor galt es ausgedehnte organisatorische Arbeit zu leisten: Für Quartier und Verpflegung für eine sehr große Anzahl von Leuten mußte gesorgt werden. Dem Begrüßungsabend ging Montag Vormittag bereits eine Vorstandssitzung, Nachmittag eine Sitzung aller Mädchengruppen voraus. Fräulein Ehrentreu- Miinchen sprach darin über die Aufgaben der Mädchen-Gruppen. Sie zeigte an Beispielen ihrer Münchner Gruppe die speziellen Aufgaben der Mädchen in der A.J.J.O. Sie verlangte von der Agudojugend Verstärkung des sozialen und nationalen Bewußtseins und Verantwortlichkeitsgefühls. Fräulein Caro-Berlin referierte sodann über das Zusammenarbeiten der Mädchen- und Jugendgruppen. In der anschließenden 'Debatte wurde neben dem Lernen auch soziale, unter bestimmten Umständen auch profane Arbeit gewünscht. Um halb 9 Uhr abends begann die offizielle Begrüßung. Der große Huttensche Theatersaal war angefüllt von 600 festlich gekleideten, vorwiegend jungen Leuten. Zuerst sprach Rabbiner Dr. Bamberger für die Gemeinde Würzburg und gab seiner besonderen Befriedigung Ausdruck, daß gerade in dieser Stadt die erste Agudotagung stattfinden dürfte. Seine Rede endete mit einem Hoch auf den König von Bayern und auf den deutschen Kaiser. Der Reihe nach folgten sodann die anderen Redner des Abends, die Herren Dr. Lange für den Organisationsvorstand, Rosenheim-Frankfurt für das provisorische Komitee, Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstajdt für den Gruippenverband, Dr. Cohn-Straßburg als Vertreter der gesetzestreuen jüdischen Feldsoldaten; es sprachen einige Herren für die Würzburger Gruppen und für die V.J.A. Als letzter und 11. Redner sprach Dr. Carlebach-Warschau für die polnischen Jugendvereine, die sich der Agudo alle anschließen wollen und denen die deutschen Jugendgruppen ihre Hand zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Kampfe reichen sollen. Seine überaus begeisternden Ausführungen gipfelten in dem von allen mit nicht enden wollenden Beifallsstürmen aufgenommenen Ruf: „Zurück zur Thauro!“ Dienstag vormittags hielten die Herren Dr. Segall und Dr. I. Kahn-Berlin Referate über die Notwendigkeit und das Wesen thoratreuer Jugendorganisationen und über die Jugendorganisationen nach dem Kriege. Nachmittags sprach Herr Simonsohn-Berlin über Esra, die der Agudo anzuschließenden, neu zu gründenden Wandergruppen, analog dem Blau-Weiß. Lebhafte Diskussionen über die drei Referate schlossen sich an. Bemerkenswert waren die Ausführungen des Herrn Rosenheim mit der Aufforderung zu nationaler Arbeit im Osten und in Palästina unter dem Banner der Agudo und des Armeerabbiners Dr. Carlebach, die jüdischen Volks- und Mittelschulen, Lehrer- und Rabbinerseminare zu verbessern um so Bne Thauro heranzuziehen. Abends war ein gemütliches Beisammensein. Mittwoch vormittags sprach zuerst Armeerabbiner Dr. Cohn» über den Agudogedanken bei unseren Kriegern. Er gab eine Fülle von Anregungen, unter anderem wünschte er die Schaffung einer Agudo-Feldbibliothek. Dann sprach der verdienstvolle Mitführer der Agudo Jugendorganisation Max Cohen-Cöln über unsere Stellung innerhalb der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland. Er erklärte, daß die Agudo nationale Arbeit neben dem Lernen wünsche gemäß ihrer Auffassung des Judentums als Gesetzesnation, daß sie aber nicht mit dem Zionismus in nationalen Fragen Zusammengehen könne, da dessen Ansicht über Nationalismus und „der Glaube sei Privatsache des Einzelnen“ sich mit den Anschauungen der Agudo nicht in Einklang bringen lasse. Er sprach gegen eine Arbeitsgemeinschaft sowohl mit den

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