Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 365 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Das Jüdisch« Echo 365 vards des jüdischen Stadtviertels Tel Awiw auszubatien. In der Stadt haben die englischen Behörden bereits Maßnahmen für Sauberkeit und Ordnung getroffen; auch haben sie durch das Gewirr von Gassen, das zum Hafen führt, eine Straße gelegt. Sie haben den Handel der Stadt teilweise wieder hergestellt und den Hafenbetrieb wieder angenommen. Gerade vor einem Jahr evakuierten die Türken die Zivilbevölkerung, wodurch 10 000 Juden obdachlos wurden. Diejenigen, die nach Südpalästina fliehen konnten, konnten nach der englischen Okkupation in ihre Heimat zurückkehren; 3—4000 sind nun wieder da. Ihre Häuser waren sehr wenig beschädigt, und der Geist, aus dem der Ort geschaffen wurde, ist, dank den neuen Hoffnungen für die jüdische Gemeinschaft, wiedererstanden. Der höchste Stolz von Tel1 Awiw, das hebräische Gymnasium, wird allerdings noch als Militärhospital verwandt, und die Gemeinde, die sich früher eines halben Dutzends von Schulen rühmen konnte, muß sich jetzt mit einer einzigen Schule begnügen. Wenn Tel Awiw auch noch nicht all seine frühere Lebendigkeit zurückgewonnen hat, so ist es doch auf dem Wege dazu. Von dem Hause, in dem der Leiter des Palästina-Amtes wohnte, weht die zionistische Flagge, und deutet an, daß hier ein Hauptquartier stationiert ist, das die Leute näher angeht als jedes andre. Hier arbeitet in Permanenz die zionistische Kommission, die kürzlich aus England angelangt ist und im Aufträge der britischen Regierung die Arbeit des nationalen Wiederaufbaues vorbereiten soll. Diese Kommission ist das bedeutungsvollste Zeichen der jüdischen Repatriierung. Ihre Ankunft im jetzigen Augenblick bedeutet, daß die Alliierten die Juden als das Volk anerkennen, das an dem jetzigen Palästina das höchste Interesse und auch die Fähigkeit hat, dem Lande seine gebührende Stellung in der Kulturwelt zurückzugeben. Die Errichtung von Tel Awiw' ist ein Beweis für diese Fähigkeit. Es muß eine der wichtigsten Aufgaben der Kommission sein, den Geist der Schöpfer von Tel Awiw im Lande zu verbreiten. Feuilleton Von dem Leben in der Hrche.*) Von Micha Josef bin Gorion. Die Löwin, der Stier und der Riese. Gott der Herr befahl Noah und sprach: Du und dein Haus, geht alle in den Kasten, und ich werde um dich sammeln alles Vieh auf Erden, alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels; sie werden alle kommen und werden den Kasten umringen. Und du gehst dann hinaus und setzt dich voi die Tür des Kastens; die Tiere werden alle dir gegenüberstehen, und welches Tier aus der Reihe heraustritt und sich vor dich niederlegt, dies sollst du nehmen und es deinen Kindern übergeben, damit die es in die Arche bringen; welches Tier aber stdienbleibt, dies sollst du stebenhssen. Den anderen Tag tat Noah, wie der Herr gesprochen hatte; es kamen der Tiere und Vögel gar viele, und sie umringten alle die Arche. Da ging Noah hinaus und setzte sich vor die Tür der Arche; es legte sich viel Fleisch vor ihm nieder, "') Entnommen aus: Die ersten Menschen und Tiere (Verlag Riitten & Loening, Frankfurt a. M.). dies nahm er zu sich in den Kasten; welches Tier aber stehenblieb, dies ließ er daraußen. Da kam auch eine Löwin und mit ihr zwei Junge, Männlein und Weiblein, und die legten sich alle nieder vor Noah. Aber darnach erhoben sich die Jungen, schlugen ihre Mutter und verjagten sie von ihrem Platz, daß sie floh und sich zu den Löwen gesellte. Die zwei Jungen aber kehrten zurück und legten sich nieder auf die Erde vor Noah. Da sah Noah auf all dies und wunderte sich sehr darob, aber er stan<i auf, nahm die beiden jungen Löwen und brachte sie in den Kasten. Wie die alten Weisen aber erzählten, war es nicht die Löwin, sondern der Wildochs gewesen; der konnte nicht hinein in den Kasten wegen seiner gewaltigen Größe; da wurden seine Jungen genommen. Andere wiederum sagen, Noah hätte den Wildochsten an den Hörnern an die Arche angebunden. * Auch der Riese Og, einer von dem Heere der gefallenen Engel, kam zu Noah und setzte sich auf eine Sprosse von der Leiter der Arche; er gelobte, Noah und seinen Söhnen in Ewigkeit ein Knecht zu sein. Was tat Noah? Er machte ein Loch in der Arche und reichte ihm so seine Speise; so blieb auch Og am Leben. Andere wiederum sagen: Og allein rettete sich von den Menschen, die in der Sintflut umgekommen waren; er setzte sich rittlings auf das Dach der Arche, da spannte es sich über seinem Kopfe wie ein Schirm; und er ernährte sich von Noahs Speise. Doch nicht um seiner Verdienste willen ist er gerettet worden, sondern um darzutun die Größe des Herrn vor den späteren Bewohnern der Erde. Die sollten sagen: Dies ist ein Überbliebener von denen, die vor der Sintflut waren, die Aufruhr stifteten wider den Herrn, und die ertrunken sind. Die Zikade und der Vogel Orsinia. Noch in späteren Zeiten erzählte Sem, der Sohn Noahs, Elieser, dem Knechte Abrahams, von dem Leben in der Arche. Schweren Dienst, so sprach Sem, hatten wir in der Arche; welche Tiere am Tage ihre Speise einnehmen, die mußten wir am Tage speisen; welche aber des Nachts fressen, mußten wir des Nachts füttern. Von den Zikaden wußte mein Vater anfangs nicht, womit er sie speisen sollte; da begab es sich eines Tages, daß er Granatäpfel zerschnitt, und da fiel von einem ein Wurm auf die Erde: alsbald fraß ihn die Zikade auf. Von nun an pflegte mein Vater für sie Kleie einzuweichen, und wie darin Würmer wuchsen, gab er sie ihr zu fressen. Den Vogel Orsinia, den fand mein Vater einst in der Kammer liegen. Da fragte er ihn: Verlangst du denn gar nicht nach Speise? Der Vogel erwiderte: Ich sah wie du dich mühtest mit den Tieren, da sagte ich mir. ich will dich nicht plagen. Da sprach mein Vater zu dem Vogel: Es sei der Wille des Herrn, du sollst nimmer sterben. Die Katze und die Maus. Es fragte Nebukadnezar, der König von Babylon, Jesus, den Sohn Sirachs: Warum frißt die Katze Mäuse lieber denn alles andere? Und der Weise gab ihm zur Antwort: Zu Anfang waren Katze und Maus gut Freund miteinander. Aber da ging die Maus und ver-