Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 363 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 31 Das Jüdische Echo 363 ältere Dame. Mrs. Sarah Feige Foner, das Wort zu einem Referat. J. W. Frishberg referierte über die Notwendigkeit eines hebräischen Lehrerseminars, da die bereits bestehenden nicht im Sinne der Histadruth seien und einer Modell- und Versuchsschule. Weitere Referate hielten K. Winternam Z. Scharfstein und Dr. Scheinkin. Nach eingehenden Debatten wurden die folgenden Resolutionen angenommen: Loyalität gegenüber dem Präsidenten und der Regierung der Vereinigten Staaten; eine Danksagung an die britische Regierung für ihre Palästina-Erklärung, welche die Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem erleichtert hat; ein Gruß an die Palästinakommission unter Dr. Weizmann; die Anerkennung des Hebräischen als der nationalen Sprache des jüdischen Volkes und die Anerkennung der hebräischen Universität als den Höhepunkt des hebräischen Erziehungsideals; die Belastung der Mitglieder der Histadruth mit einem Schekel nicht unter 50 cents (dessen genauen Betrag das Finanzkomitee zu bestimmen hat); Reisesekretäre zu engagieren; ein Lehrerseminar und eine Musterelementarschule einzurichten; hebräische Abendkurse für Erwachsene einzurichten; den hauptsächlichsten Bestand der Kadimah- Verlagsgesellschaft zu übernehmen; hebräische Gesangvereine einzurichten; für die Einführung des Hebräischen in Hochschulen und Collegs als eine der fremden Sprachen des Lehrplans zu wirken. Ferner wurde ein Budget von 7000 Dollars beschlossen, Elieser Ben Jehudah wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Rußland. Neue Judenpogrome. Das „Jüdische Korresportdenzbureau“ in Bern berichtet: I:i der letzten Zeit fanden entsetzliche Judenpogrome in Kokand, Kurgan, Skobolew, AuJijan, Körte und Saryschanc statt und forderen sehr zahlreiche Opfer. In den asiatischen Gegenden wurden viele Juden gewaltsam zum Islam bekehrt. Der Jüdische Nationalrat in Rußland hat den 23. Juli als einen Trauertag des jüdischen Volkes zum Andenken an die zahlreichen Opfer der Judenpogrome e; klärt. Ukraine. Wieder Pogrome in der Ukraine. Aus Swenigorodka wird der „Wiener Morgenzeitung“ vom 13. Juli gemeldet: Am 5. und 6. Juli fielen Scharen bewaffneter Bauern über die Juden des Städtchens Lisinka iGuuv. Kiew) her und schleppten eine große Anzahl von ihnen ins freie Feld, wo sie selbe in der grausamsten Weise mißhandelten und mordeten. Nach dem Pogrom wurden 27 Juden getötet und 50 schwer verwundet aufgefunden. Auch aus anderen Städten der Ukraine kommen beunruhigende Nachrichten von neuen Pogromen. Litauen. Die Notlage der Juden in Litauen. Seit längerer Zeit wurde von jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen in Amerika eine größere Summe nach Litauen zur Unterstützung der notleidenden Judenschaft gesandt. Vor kurzem hat nun die amerikanische Regierung die weitere Sendung dieser Hilfsgelder verboten mit der Begründung, daß dies eine Unterstützung der deutschen Verwaltung sei. In Wahrheit ist infolge der erst vor kurzem durchgeführten Neuorganisation der Verteilung der Hilfsgelder, die ganz in den Händen jüdischer Ausschüsse liegt, Vorsorge getroffen, daß die Gelder lediglich der jüdischen Bevölkerung zugutekommen. Das Ausbleiben der Gelder bringt Tausende von jüdischen Familien Litauens in die schlimmste Not. Von jüdischer Seite sind nun Bemühungen gemacht worden, um die amerikanische Regierung zur Aufhebung des Verbots zu veranlassen. Um der großen Not, die durch das in diesem Monat zum erstenmal erfolgte Ausbleiben der Hilfsgelder hervorgerufen wurde, zu steuern, hat der Oberbefehlshaber Ost dem jüdischen Hauptunterstützungsausschuß in Wilna zu Händen des Oberrabbiner Rubinstein 200 000 Mark überwiesen. Der hochherzige Akt der deutschen Verwaltung ist von der jüdischen Bevölkerung Litauens mit freudiger Dankbarkeit begrüßt worden. Rumänien. Gleichberechtigung der Juden. Die Gesetzesvorlage über die Naturalisation der Juden ist am 25. Juli vom Senat mit 62 gegen 2 Stimmen angenommen worden. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten Arion betonte bei der Begründung der Vorlage, daß bei der Revision des Artikels 7 der Verfassung die Judenfrage später ihre endgültige Lösung finden werde. Ferner erklärte Arion, daß die Gleichberechtigung der Juden Rumänien nicht von den Mittelmächten aufgezwungen worden sei, daß vielmehr die rumänische Regierung dem Verlangen des Vierbundes gerne entgegengekommen sei. Die Begründung des Gesetzentwurfs über die Gleichstellung der Juden besagt: „Die gesetzlich ausgesprochene Ungleichheit von Menschen, die in demselben Lande geboren und erzogen sind, stellt einen Anachronismus dar, der aus der rumänischen Gesetzgebung verschwinden muß. Zunächst wird mit den im Friedensvertrag vorgesehenen Kategorien begonnen, welche die große Mehrheit der eingeborenen jüdischen Bevölkerung umfassen. Später bei Abänderung der Verfassung wird auch für einige Klassen von Intellektuellen, die nicht im Lande geboren, aber in Rumänien leben und zur wirtschaftlichen und geistigen Entwicklung des Landes beitragen, die Zulassung zum Bürgerrecht erleichtert werden.“ Daß die rumänische Regierung den guten Willen besitzt, die Juden völlig mit den anderen Staatsbürgern gleichzustellen, geht aus dieser Veröffentlichung nicht hervor. Im Gegenteil, wenn man genauer hinsieht, findet man, daß Ausnahmebestimmungen für die Juden bestehen bleiben. Wenn in Zukunft auch die in Rumänien geborenen Juden, falls die Versprechungen der Regierung wirklich erfüllt werden, volle Rechte erhalten sollen, so bleiben doch nicht nur die fremden Juden, sondern auch alle rumänischen Einwohner jüdischen Glaubens, die nicht im Lande geboren sind, Bestimmungen unterworfen, die zwischen ihnen und den anderen Landesfremden eine scharfe Abgrenzung schaffen. Inferate im ,Gd)o‘ Ijaben größten Grfolg!