Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 31 (2.8.1918)
- Date
- 1918-08-02
- Page
- Seite 362 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Das Jüdische Echo Nr. 31 sässige jüdische Bevökerung erstrecken solle, ist dagegen nicht richtig. Auch sind die russischen Juden keineswegs in eine schwierigere Lage versetzt worden als andere russische Staatsangehörige. Es sind im Gegenteil eine Menge Ausländer verständigt worden, unmittelbar das Land zu verlassen, und nur die zuverlässigeren Elemente unter ihnen haben einen Aufschub ihrer Reise, zum Teil bis zum 30. September, bewilligt erhalten. Wenn das Recht, sich nach dem genannten Zeitpunkt in Finnland aufzuhalten, nicht einmal für die letztgenannte Kategorie von Ausländern anders als in Ausnahmefällen wird verlängert werden können, so beruht dies ausschließlich auf den äußerst geringen Lebensmittelvorräten des Landes, nicht aber auf irgendeiner Abneigung gegen die Ausländer als solche und am allerwenigsten auf irgendeiner Judenfeindlichkeit der gegenwärtigen finnischen Regierung, die nur in der Phantasie des berichtenden Pressebureaus vorhanden ist. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ schreibt über die Lage: Die Erklärung der finnländischen Gesandtschaft in Berlin ist allerdings ein Dementi, aber sie dementiert das Dementi des finnländischen Gesandten in Stockholm und nicht unsere früheren Meldungen über die Verweigerung der Naturalisation an die finnländischen Juden und ihre Ausweisung aus Finnland. Vielmehr bestätigt die Erklärung der Berliner Gesandtschaft ausdrücklich, daß „eine Menge russischer Juden“ aufgefordert sind, das Land zu verlassen. Da nun die finnländischen Juden infolge ihrer bisher nicht erfolgten Einbürgerung mit verschwindenden Ausnahmen sämtlich russische Juden sind, so bedeutet das „Dementi“ der finnländischen Gesandtschaft, daß auch über jedem ansässigen Juden in Finnland, eben weil er nach Auffassung der finnländischen Regierung ein „Fremder“ ist, in jedem Augenblick das Damoklesschwert der Ausweisung schwebt. Charakteristisch ist auch die Begründung der Ausweisung mit der Lebensmittelnot. Mangel an Lebensmitteln herrscht überall, und was wird die finnländische Regierung sagen, wenn man aus diesem Grunde finnländische Bürger aus anderen Ländern ausweist? Alle diese gewundenen „Dementis“ sind Ausflüchte: es handelt sich einfach um einen brutalen antisemitischen Akt der finnländischen Regierung. Palästina. Die Jüdische Kolonialbank. Die Jüdische Kolonialbank (Jewish Colonial Trust) in London erhielt, wie das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ berichtet, vom Britischen Schatzamt die Erlaubnis, 100 000 neue Aktien zu 1 Pfund herauszugeben. Eine lebhafte Propaganda-Aktion dieser Aktien ist von London aus in die Wege geleitet worden. Räuberüberfall in Merchawia. Die „Jüdische Rundschau“ erhält aus der jüdischen Kolonie Merchawja in Palästina Mitteilungen über einen Überfall, den eine Räuberbande auf die Kolonie machte und dem ein jüdischer Wächter zum Opfer gefallen ist. In dem Bericht heißt es: „In der Nacht vom 17. Juni wurden unsere Feldwächter von einer Bande überfallen. Nach energischem Nachjagen haben unsere Wächter die Räuber von dem Dorfe Solem verjagt und es gelang ihnen, einen Räuber aus dem Dorfe dem türkischen Ortskommandanten zu übergeben. Jedoch ist dieser infolge der hiesigen Verhältnisse gleich am nächsten Tage frei geworden (man sagt, er ist geflüchtet). Sicher vor Bestrafung, hat derselbe Araber mit einer großen Menge von Räubern unsere Kolonie und Feldwächter, als diese ins Feld kamen, stark beschossen. Der Feldwächter Moses Segalowitz ist dabei auf der Stelle, ohne Gegenwehr zu leisten, tot zur Erde gefallen; seine Stute wurde verwundet. Ein zweiter Feldwächter wurde am rechten Bein stark verwundet und seine Stute getötet. Die Zivilbehörde tat nichts um die Schuldigen zu bestrafen. Deutschland. Grenzschluß gegen polnische Juden. In ihrem Leitartikel von voriger Woche weist die „Jüdische Rundschau“ darauf hin, daß die in der Öffentlichkeit mehrfach erörterte Frage des Grenzschlusses für Ostjuden durch die deutsche Regierung in aller Stille erledigt worden ist, indem de facto keine Juden mehr Pässe zur Einwanderung nach Deutschland erhalten. Selbst die Anwerbung von Arbeitern für Industrie- und Kriegsbetriebe schließt jüdische Arbeiter aus. Nicht einmal denjenigen in Deutschland beschäftigt gewesenen Arbeitern, die gegen Hinterlegung einer Kaution von ICO—200 Mark nach ihrer Heimat gereist sind, wird die Rückkehr gestattet, obwohl bei Nichtrückkehr die Kaution verfällt. Wie die englische Presse, die selbstverständlich mit einer gewissen Genugtuung auf diese deutsche Maßnahme hinweist, meldet, liegt diesen Bestimmungen ein ausdrücklicher Regierungsbefehl zu Grunde, der sich auf angeblich vom hygienischen Standpunkt aus unumgängliche Notwendigkeit stützt. Amerika. Die Sitzung der Histadruth Ivrith in Amerika. Über diese Sitzung, über die wir bereits kurz berichteten, liegt nunmehr ein ausführlicher Bericht aus Amerika vor. Sie wurde am 27. April durch Ansprachen der Herren Scheinkin, Dr. Kaufmann, Nisim Behar, Prof. Friedländer, Dr. Syrkin, Rabbi Berlin und H. Masliansky eröffnet. Das Präsidium führte R. Brainin. Die Tagung stand zu einem großen Teil im Zeichen des Kampfes gegen den Jiddischismus. Dr. Syrkins Forderung, die Jiebräische Sprache zu säkularisieren und sie von der Religion zu trennen, rief einen scharfen Protest seitens Rabbi Berlin hervor. Die Verhandlungen des zweiten Tages eröffnete Dr. Schmarja Levin, der Vorsitzende der Histadruth. Auch er wies auf die Gefahren des Jiddischismus hin. Nach seiner Eröffnungsrede wurde ein Präsidium gewählt, bestehend aus den Herren Scheinkin, Prof. Slouchz, Prof. Friedländer, K. Whiteman, S. Stein, J. Epstein und K. Goldenber. Den Bericht erstattete der Sekretär N. Kamenetzky. Der Histadruth gehören jetzt 34 hebräische, 20 zionistische und 24 weitere Gesellschaften an, die gesamte Mitgliederzahl beträgt etwa 1300. Sie verkaufte 7000 Exemplare einer Flugschrift und organisierte die Verlagsgesellschaft Kadimah, die soeben eine Serie von 10 Büchern herausgegeben hat. Am folgenden Tage erstattete Prof. Slouchz ein Referat über „Hebräisch im Orient“ und J. Roemel ein solches über „Hebräische Musik“. Der geschäftsführende Ausschuß erstattete dann seinen Bericht, aus dem hervorging, daß 77 Delegierte auf der Konferenz vertreten waren. Dann erhielt eine