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Das jüdische Echo · 1918-08-02 · 31 (2.8.1918) · p. Seite 361

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
31 (2.8.1918)
Date
1918-08-02
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdisch« Echo 361 Führung: des Hilfskommandanten Elefteresku über den Fluß zum Gebäude der Religionsschule gebracht, wo sie auf Befehl von Elefteresku gruppenweise zu drei und vier erschossen werden sollten. Zuerst wurden bei Seite geführt: M. Weinstein, B. Maiber, D. Rabinowitsch, die „als besonders revolutionär gestimmt“ bezeichnet wurden. Die Soldaten stellten sich in zwei Reihen, richteten ihre Gewehre und warteten auf das Kommando. Rabinowitsch wandte sich an Elefteresku mit der Bitte, ihm zu erlauben, vor dem Tode einige Worte zu sagen. Elefteresku erlaubte es. „Siehe“, sagte Rabinowitsch, ' „wir sind alle festlich gekleidet, wir gingen alle nach der Synagoge. um zu Gott zu beten. Wir sind alle waffenlos. Wir haben nicht einmal einen Stock in der Hand. Wie kannst du friedliche, gänzlich unschuldige Menschen erschlagen?“ „Schweige Hund“, schrie ihn Elefteresku an. Darauf gab er das Kommando „Feuer“ und die drei Unglücklichen wurden vor den Augen der anderen erschossen. Die Soldaten gingen daran, eine neue Gruppe zu erschießen, aber in diesem Augenblick erschien der Feldscher des Kommandanten, näherte sich Elefteresku und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Darauf befahl Elefteresku das Schießen einzustellen. Er gebot, die Lebenden nach der Stadt zurückzuführen, die Toten aber am Ufer liegen zu lassen. Die 13 Menschen, die am Rande des Todes gewesen waren, wurden jetzt nach dem Stall des Herrn Gorin gebracht, wo jeder 20 Schläge mit groben Riemen auf den nackten Körper erhielt. Einem von ihnen, Rosenberg mit Namen, der öfters für die jüdische Bevölkerung eingetreten war, wurden -- zum Unterschiede von den anderen — 30 Schläge gegeben. Das merkwürdige Erscheinen des Feldschers, das den 13 das Leben gerettet hatte, erklärt sich folgendermaßen: Die erschreckte Bevölkerung suchte überall nach Hilfe, um das Leben der zur Abschlachtung Weggeführten zu retten. Unter anderem wandte man sich an benachbarte Gutsbesitzer, an Butmige- Katzmann, Komaritzky, Samo u. a„ denen die jüdische Bevölkerung früher in schweren Tagen gute Dienste geleistet hatte. Die Gutsbesitzer begaben sich sofort zu Demitriu und verlangten, daß er die Tötung der unschuldigen Menschen verhindere. Der Kommandant Demitriu empfing die Gutsbesitzer nicht, sondern sprach mit ihnen durch das Gittertor und ersuchte sie, sich nicht in fremde Angelegenheiten zu mischen. Aber als die Gutsbesitzer erklärten, daß sie nicht ruhen und sich an eine höhere Instanz wenden würden, sandte er schleunigst seinen Feldscher zu dem Hilfskommandanten. Der Bote eilte nicht sehr und kam. nachdem Weinstein, Rabinowitsch und Maiber ermordet waren. Es sei hier eine kurze Charakterisierung dieser »revolutionär Gestimmten“, auf so tragische Weise ums Leben Gekommenen, gestattet. Weinstein, Gn 70jähriger Greis, ein ruhiger Bürger, den öffentlichen Angelegenheiten völlig fernstehend, war auf dem Wege von der Mikwali zurück und schloß sich der Abordnung aus Neugierde an. Die Soldaten faßten ihn beim Bart und rissen ihm die Haare aus. Der Alte wollte sie abwehren, woraut er zu den „Revolutionären“ gezählt wurde. Maiber. ein 18jähriger Jeschiwah-Jiinger, wurde von Soldaten auf der Straße ergriffen, zu Boden geworfen, mit Füßen getreten und mit dem Gewehrkolben geschlagen. Sich verteidigend, klammerte sich der Unglückliche an einen Kolben, wofür ihm „Widerstand gegen die Behörden“ inkriminiert wurde. Rabinowitsch, 28 Jahre alt, Kaufmann, von allen verehrt, wurde aus dem Publikum einfach herausgegriffen. Am selben Tage wurden die Leichen mit Erlaubnis Demitrius zu den Verwandten nach Hause gebracht. Als im Hause des Rabinowitsch sich die trauernden Verwandten und Bekannten versammelten, brach Elefteresku mit einem Revolver in der Hand herein und vertrieb alle Anwesenden. Zur Anwesenheit bei der Beerdigung wurden nicht mehr als 16 Personen zugelassen. Demitriu erklärte das Städtchen in Belagerungszustand und drahtete nach Belzi an die oberste Leitung, daß die jüdische Bevölkerung einen Aufstand organisiert hätte, daß es ihm aber gelungen sei, diesen Aufstand fast ohne Blutvergießen zu unterdrücken. Es habe nur drei Tote gegeben. Die Juden in Finnland. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm berichtete vor wenigen Tagen: Von den Juden in Finnland dringt ein Hilferuf in die zivilisierte Welt. Die Regierung des Landes holt zu einem vernichtenden Schlage gegen die Juden des Landes aus. Der Senat legte den Beschluß des Landtags, der den Juden des Landes die Bürgerrechte gewährt, dahin aus, daß die Juden berechtigt sind, individuell um die Naturalisation einzukommen und darauf erklärte die finnische Regierung, daß nur diejenigen Juden der Bürgerrechte werden teilhaftig werden, die in den Reihen der Weißen Garde gekämpft haben. Damit nicht genug, erließ die Regierung den Befehl, daß sämtliche Juden als Fremde bis zum 30. September dieses Jahres das Land zu verlassen haben. Um diesem Befehl mehr Nachdruck zu verleihen, erließ sie die Verfügung an die kommunalen Verwaltungen, nach dem 30. September den Juden die Abgabe von Lebensmitteln zu verweigern, um ihnen keine Möglichkeit zu geben, das Aufenthaltsverbot zu umgehen. Diese drakonischen Maßnahmen zeigen, daß die gegenwärtige am Ruder befindliche reaktionäre Regierung in allen Stücken sich die Methoden der früheren rumänischen Regierung angeeignet hat. In Finnland leben im ganzen etwa 300 jüdische Familien, und zwar in den Städten Helsingfors, Abo und Viborg, die, wie jeder vorurteilslose Kenner der Verhältnisse anerkennen muß, für die wirtschaftliche Hebung des Landes außerordentlich viel geleistet haben. Diese jüdischen Familien leben nunmehr wegen der bevorstehenden Vertreibung in der größten Verzweiflung und appellieren an die zivilisierte Welt um Beistand. Hiezu erläßt die Finnische Gesandtschaft in Berlin eine Entgegnung, welche zunächst besagt, daß der finnische Landtag vor mehr als einem Jahre ein Gesetz angenommen habe, welches alle Hindernisse für die Naturalisation von Juden aufhebt, daß die Naturalisation vielleicht allen einzelnen Personen verweigert worden sei, die „an dem roten Aufruhr gegen die gesetzliche Regierung teilgenommen“ haben. In der Erklärung heißt es dann weiter: „Infolge des verhängnisvollen Mangels an Lebensmitteln hat sich die Regierung gezwungen gesehen, den größeren Teil der vorübergehend im Lande sich aufhaltenden Ausländer, insbesonder die Russen, unter denen sich natürlich auch eine Menge russischer Juden befinden, aufzufordern, das Land zu verlassen. Daß diese Aufforderung sich auch auf die im Lande au-

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